Warum gibt es in Weinheim goldene Gullydeckel?
In der Weinheimer Fußgängerzone gibt es seit mehr als drei Jahrzehnten goldene Gullydeckel. Sie wurden damals individuell gefertigt und sollten ein gewinnbringender Blickfang sein.
Weinheim. Besondere Gullydeckel zieren die Fußgängerzone. Im ersten Moment entdeckt man sie vielleicht nicht gleich. Doch spätestens, wenn die hellen Sonnenstrahlen von den goldenen Deckeln reflektiert werden, fallen sie auf: die Weinheimer Schmuck-Kanaldeckel.
Hinter diesen sogenannten „Motivschachtabdeckungen“ steckt eine über 30-jährige Geschichte. Schon vor der Commerzbank und dem Kino „Modernes Theater“ befindet sich einer dieser Werbeträger. Er war der erste Gullydeckel, der im Mai 1991 in der Hauptstraße seinen Platz im Kopfsteinpflaster gefunden hat. Zu sehen ist das Logo der Firma, die die handmodellierten Messingplatten hergestellt hatte. Die Dannhäuser GmbH kam einst als Werbegesellschaft auf die Idee, Reklame auf eine andere Art und Weise zu vermarkten. „Weltweite Exclusivherstellung von individuellen Motivschachtabdeckungen“ steht auf der silbernen Platte. Unter dem Slogan „Kanaldeckel als Werbeträger“ wurden damals über 1000 Motivplatten für Straßen und Plätze deutschlandweit individuell gestaltet – auch für Weinheim.
Platte auf dem Windeckplatz
Vier ortsansässige Firmen konnten sich für die kreativen Werbeträger begeistern: das Miramar, der Juwelier Neureither, die Lackiererei Thomas Jaitner und Teppich Becker. Fast alle Gullydeckel sind an der gleichen Stelle wie vor 34 Jahren. Wenn man in der Fußgängerzone in Richtung Marktplatz läuft, findet sich auf halber Strecke das nächste Motiv. Gegenüber dem Weltladen ist die Werbung der Lackiererei Thomas Jaitner verewigt.
Neben der Bronzestatue der beiden Weinheimer Kultfiguren, Bas Gret und Vetter Philip, findet sich auf dem Windeckplatz die Messingplatte des Juweliers Neureither. Er wirbt mit „Uhren, Schmuck“ und einem großen Diamanten, der vor dem Ziffernblatt einer Uhr schwebt. Vor dem Laden „Lia-Collection“ ist der nächste Gullydeckel – die Eigenwerbung für den ehemals bundesweit tätigen Hersteller aus Schemmerhofen (Landkreis Biberach).
Das Miramar hat sich gleich dreimal verewigt. Auf der Hauptstraße/Ecke Grabengasse, gegenüber der Stadtschenke, und weiter oben vor der Ulmer Kapelle findet man die Werbung für das Wellen- und Freizeitbad. „Jeden Tag ein kleiner Urlaub!“ So steht auf der Messingplatte geschrieben. Laut unserer Recherche soll es auch einmal einen goldenen Gullydeckel von Teppich Becker (ehemals in der Bergstraße) gegeben haben. Der findet sich allerdings nicht mehr unter den acht Gullydeckeln in der Fußgängerzone. Dafür aber wirbt mittlerweile die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) mit „Leitungs- und Netzbau ... und Sie sind völlig versorgt!“ Dieser ist in der Hauptstraße zu Füßen der Amtsgasse zu sehen. In den vergangenen Jahrzehnten muss es da zu einem Austausch gekommen sein, vermutet Stadtsprecher Roland Kern.
Werbeprojekt der 90er
Eine dieser künstlerisch gestalteten Messingplatten wiegt an die 16 Kilogramm. Damals kosteten die Gullydeckel zwischen 2500 und 3500 Mark. Umgerechnet wäre das heute circa zwischen 1280 Euro und 1790 Euro. Die Stadt Weinheim sieht das Werbeprojekt der 90er Jahre als abgeschlossen an. „Im Moment gibt es keine Pläne, es wiederzubeleben“, erklärt der Stadtsprecher. Kern nimmt unsere Anfrage zum Anlass, mit den Einzelhändlern im Verein „Lebendiges Weinheim“ ins Gespräch zu kommen. So soll festgestellt werden, ob diese Art der Werbung aktuell gewünscht ist. Eines kann man jedoch festhalten: Die Werbung bleibt an 365 Tagen im Jahr und über Jahrzehnte bei Wind und Wetter bestehen.