Verkehr

Heddesheim: Die Lissenstraße bleibt Einbahnstraße

Nach dem erfolgreichen Verkehrsversuch billigt der Gemeinderat in Heddesheim eine Dauerlösung zur Verkehrsberuhigung.

Der Verkehrsversuch ergab große Entspannung in der Lissenstraße. (Bild: Marcus Schwetasch)
Der Verkehrsversuch ergab große Entspannung in der Lissenstraße. (Bild: Marcus Schwetasch)

Heddesheim. Seit mehr als einem halben Jahr läuft der Verkehrsversuch in der Lissenstraße in Heddesheim. Jetzt soll die Einbahnregelung dauerhaft bestehen bleiben. Das hat der Gemeinderat jetzt einstimmig beschlossen. Das Gremium folgt damit dem Mehrheitsvotum der Betroffenen und dem Rat von Verkehrsexperten. Stefan Wammetsberger vom Büro Koehler und Leutwein präsentierte dem Gremium zuvor die Erkenntnisse seiner Untersuchungen und Befragungen. Die Situation sei jetzt vernünftiger als vorher, analysierte er. Während die Verkehrsbelastung in der Lissenstraße nahezu gleich geblieben sei, habe man in der Kirchbaumstraße zwischen Westend und Bahnhofstraße einen leichten Zuwachs zu verzeichnen. Trotzdem überwiegt auch dort die positive Resonanz der Anwohner. An der Befragung haben laut Wammetsberger rund die Hälfte der Angesprochenen teilgenommen. Damit könne das Ergebnis als repräsentativ gelten. 81 Prozent bewerten den Verkehrsversuch positiv. Bei den Anwohnern der Lissenstraße sind es über 90 Prozent, in der Verlängerten Kirchbaumstraße 70 Prozent und in der Kirchbaumstraße 50 Prozent (gegenüber 40 Prozent negativer Bewertung).

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„Der Verkehr fließt harmonischer, Fußgänger fühlen sich sicherer als vorher“, hielt Wammetsberger als Ergebnis fest. In weiteren Schritten sei die Einrichtung als Fahrradstraße denkbar, allerdings nur als Teil eines Gesamtkonzeptes. Außerdem könnte die wechselseitige Ausweisung von Parkplätzen zu einer zusätzlichen Verkehrsberuhigung führen. Der Ausbau zu einem verkehrsberuhigten Bereich würde dagegen laut Wammetsberger sehr großen Aufwand erfordern, nämlich einen Komplettumbau von Fahrbahn und Gehwegen zu einer einheitlichen Oberfläche. Es müsse eine Aufenthaltsqualität geschaffen werden. Zudem würden Stellplätze wegfallen.

Weitz sieht Verbesserungen

„Das Fazit bestätigt uns das subjektive Gefühl, dass es eine sehr große Verbesserung in der Lissenstraße und eine große Verbesserung in der Kirchbaumstraße gibt“, stellte Bürgermeister Achim Weitz fest. Er verwies zudem auf ein Konzept für die Mannheimer Straße, das gerade zur Genehmigung bei der Straßenverkehrsbehörde liege. Dadurch werde der eine oder andere Stellplatz wegfallen. „Geordnetes Parken ist besser als ungeordnetes“, begründete er die geplante Regelung. Das verleite Autofahrer vielleicht auch dazu, ihre privaten Flächen zum Parken zu nutzen, die bislang anderweitig verwendet würden, so der Rathauschef.

In der Aussprache traten durchaus unterschiedliche Ansätze zu Tage. Bei der Ampelschaltung an der Rathauskreuzung seien noch Verbesserungen möglich, hieß es. Hier reiche der Rückstau zu Stoßzeiten bis an die katholische Kirche und darüber hinaus, schilderte Jürgen Merx (SPD) eine Beobachtung. Hier könne es drei bis vier Grünphasen dauern, bis Autos die Kreuzung passiert hätten. Bürgermeister Weitz erklärte, er sei in dieser Farge zwiegespalten, denn das könne grundsätzlich auch den Verkehr durch den Ortskern reduzieren. Laura Winkler (CDU) vertrat die Ansicht: „Fließender Verkehr ist angenehmer als stoppender.“

„Was können wir den Anwohnern der Kirchbaumstraße anbieten, dass die Situation erträglicher wird?“, wollte Günther Heinisch (Grüne) wissen. Die Antwort von Wammetsberger: „Durchlässigkeit verschlechtern, Fahrzeit verlängern.“ Das gehe auch Schritt für Schritt. Ein Instrument dafür sei das „Berliner Kissen“, eine Art flache Fahrbahnschwelle aus Recyclingkunststoff oder Pflaster. Im Gegensatz dazu sind die „Kölner Teller“ aus Metall umstritten und gelten als mögliches Risiko für Radfahrer. Einstweilen bleibt aber alles so, wie es beim Versuch getestet wurde. Und das sei ganz im Sinne der Anwohner in diesem Bereich, wie Walter Gerwien von der CDU-Fraktion feststellte: „Es geht um die Leute vor Ort, die hohe Zustimmung sagt alles.“ Die Mobilität in der Zukunft sieht für Heddesheim weniger Autos und mehr Fahrräder und Fußgänger vor. Das geht aus dem Mobilitätskonzept hervor, das der Gemeinderat im Dezember 2024 nach mehr als einem Jahr der Planung und Diskussion einstimmig beschlossen hat. hje