Heinrich Bernhard war immer "einer von der Stadt“
Der letzte Leiter des einst mit großer Machtfülle ausgestatteten Hauptamtes der Stadtverwaltung Weinheim, Heinrich Bernhard, ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Auch danach war er im Rathaus als „OBV“ bestens bekannt.
Weinheim. Heinrich Bernhard war Weinheimer durch und durch. Kaum jemand kannte die Zweiburgenstadt so gut wie der langjährige Hauptamtsleiter. Jetzt ist der Vater von Ex-Oberbürgermeister Heiner Bernhard im Alter von 97 Jahren gestorben.
Heinrich Bernhard habe die Entwicklung der Stadt Weinheim fast 50 Jahre entscheidend geprägt und mitgestaltet, schreibt der amtierende Oberbürgermeister Manuel Just in der Traueranzeige der Stadt. Darüber hinaus habe er sich große Verdienste im Ehrenamt erworben, als engagierter Vertreter der Vereine und der Stadtgesellschaft. Für sein bürgerschaftliches Engagement, das auch in den Bereich der evangelischen Johannisgemeinde hineinreichte, wurde er unter anderem mit der Verleihung der Ehrennadel von Baden-Württemberg gewürdigt.
Auch als „OBV“ bekannt
„Ich war, ich bin und ich bleibe einer von der Stadt“, sagte Heinrich Bernhard. Damit fasste der letzte Leiter des einst mit großer Machtfülle ausgestatteten Hauptamtes der Stadtverwaltung Weinheim seine 46 Dienstjahre, aber auch sein Interesse an allem, was seither in seiner Heimatstadt geschah, in einem Satz zusammen. Das erklärt vielleicht auch, warum er während der Amtszeit seines Sohnes von vielen im Rathaus als „OBV“ bekannt war, also als Oberbürgermeister-Vater. Denn er meldete sich gern zu Wort, wenn es zum Beispiel um historische Zusammenhänge ging.
Zeiut voller Not nach dem Krieg
Wahrscheinlich gab es zu seiner Zeit im Weinheimer Rathaus wirklich niemanden, dem die Stadtverwaltung in allen Ecken und Winkeln so vertraut war wie dem einstigen Stadtverwaltungsdirektor. Denn die Zeit zwischen seinem Dienstantritt 1943 und seiner Verabschiedung 1989 war geprägt von den letzten Kriegsjahren und der notvollen Nachkriegszeit, von den Schwierigkeiten beim Aufbau einer leistungsfähigen Stadtverwaltung und später von den sich rasant wandelnden Arbeitsmethoden im öffentlichen Dienst. Drei Oberbürgermeister begleitete er in diesen Jahren. Bei seinem Ausscheiden stellte der damalige Oberbürgermeister Uwe Kleefoot treffend fest: „Sie haben sich um die Stadt Weinheim verdient gemacht.“
Verdient gemacht hat sich Heinrich Bernhard auch um den Chorgesang: im Vorstand des Sängerbezirks Weinheim und des Kurpfälzer Sängerkreises, vor allem aber im heutigen MGV Sängervereinigung Germania Weinheim als aktiver Sänger seit 1945, als Vorsitzender und damit Amtsnachfolger seines Vaters zwischen 1971 und 1977 und seither als Ehrenvorsitzender.
Die Anteilnahme der Weinheimer gilt seinen Angehörigen und Freunden, die am Freitag, 6. März, um 14 Uhr in der Friedhofskapelle in Weinheim Abschied von Heinrich Bernhard nehmen. (-ell/pro)