Hemsbacher Kfz-Mechaniker erfüllte sich mit Doppeldecker seinen Kindheitstraum
Der Kfz-Mechaniker Carlfred Dennefleh aus Hembach feiert am Wochenende das 100-jährige Jubiläum der Tiger Moth in England. Wie der Kauf des historischen Doppeldeckers sein Leben veränderte.
Hemsbach. Schwindelfrei sollte man schon sein, wenn man mit einer Tiger Moth unterwegs ist. Das ist Carlfred Dennefleh. Der Kfz-Mechaniker, der in Hemsbach zusammen mit einem Partner eine Autoreparaturwerkstatt betreibt, erfüllte sich 2001 einen Kindheitstraum und kaufte sich den Doppeldecker des früheren britischen Flugzeug- und Flugmotorenherstellers De Havilland. Die erste Tiger Moth (deutsch: Tigermotte) ging 1925 vom Band. Den 100. Geburtstag feiert die Fangemeinde des Flugzeug-Oldtimers am Samstag mit einem Fest bei London. Daran wird Dennefleh mit zwei Freunden teilnehmen.
Vor zehn Jahren war er schon einmal bei einem Clubtreffen in Südengland. Seinerzeit flog er mit der Tiger Moth dorthin. Sechs Stunden dauerte der Flug vom City Airport in Mannheim-Neuostheim, wo seine historische Maschine steht, über den Ärmelkanal nach England – einschließlich zweier Zwischenlandungen, um den 86 Liter fassenden Tank wieder zu befüllen. Die Tiger Moth frisst immerhin 30 Liter in der Stunde. Zum jetzigen Clubtreffen reist Dennefleh nicht mit der eigenen Maschine an. „Das wäre zu kalt“, sagt der 63-Jährige. Er sitzt beim Flug schließlich im Freien.
Die Maschine ist einfach gebaut. Die Flügel sind aus Holz, das mit Segeltuch bespannt ist, der Rumpf besteht aus Stahlrohr. 526 Kilo leicht ist das historische Fluggerät, das bis zu 150 Kilometer pro Stunde schnell fliegen kann. Das Cockpit des Doppeldeckers ist nur mit Gaspedal und Steuerknüppel ausgestattet. Navigationsinstrumente gibt es nicht. Die Sitzposition ist reichlich eng, dafür bleibt der Kopf frei. Geflogen wird auf Sicht – Dennefleh nutzt aber zusätzlich auch GPS, um nicht ganz im Dunkeln zu tappen, wenn die Sicht eingeschränkt ist. Ist dies beispielsweise durch starken Nebel der Fall, versucht er zu landen. Das passierte ihm einmal über Belgien, wo er seine Maschine auf einem Militärflugzeug runterbrachte. „Die haben da schon ein bisschen geguckt“, erinnert er sich augenzwinkernd, zu Konflikten kam es aber nicht.
Die 1939 gebaute Maschine hat Dennefleh 2001 erworben. Das Fluggerät stand damals in Flensburg. Die letzten beiden Buchstaben der Kennung – „MM“ – sind die Initialen der Vorbesitzerin Monika Maurer, die seinerzeit das Fliegen aus Altersgründen aufgab. Sie überließ dem doppeldeckerbegeisterten Mann von der Bergstraße die Maschine für 100.000 D-Mark. Das Flugzeug hat am hinteren Rumpf ein großes helles Viereck. In den Kriegsjahren war hier eine Substanz aufgebracht, die dem Piloten angezeigt hätte, wenn er von Giftgas bedroht gewesen wäre.
Die Tiger Moth musste nach Mannheim überführt werden. Dennefleh besaß damals nämlich weder einen Flug- noch einen Pilotenschein. Diese erwarb er erst 2008. Der Wahl-Hemsbacher hat drei Kinder, entsprechend blieb für den Traum vom Fliegen nicht so viel Zeit. Auch ist die Ausbildung ziemlich teuer, wie er sagt: 15.000 bis 20.000 Euro flossen in die Flugschule. Den ersten Alleinflug machte er daher erst 2009. Später erwarb er dann noch die Lizenz dafür, alle Reparaturen selbst ausführen zu dürfen.
Direkte Eindrücke
In den Anfangsjahren saß Carlfred Dennefleh 30 bis 40 Stunden im Jahr im Cockpit seiner Tiger Moth. Mittlerweile sind es nur noch halb so viele Stunden, wie er einräumt. Bei den Flugtagen in Weinheim ist er regelmäßig dabei und bietet Rundflüge an. Er selbst liebt es, wenn ihm der Fahrtwind um die Ohren weht. Die Eindrücke sind sehr direkt: „Wenn ich über ein Fliederfeld fliege, nehme ich den Geruch der Blüten intensiv wahr.“ Gleichwohl: Ganz ungefährlich ist das Fliegen mit der Tiger Moth nicht.
Dennefleh erinnert sich beispielsweise daran, dass einmal ein anderes Flugzeug in Weinheim ganz dicht über ihn weggeflogen ist: „Ich habe das Öl am Rumpf der Maschine gesehen“, verdeutlicht er, wie knapp er einem Crash entgangen ist. Er hatte die Maschine nicht gesehen, weil er sich kurz nach unten gebeugt hatte, um per Funk seine Landung anzukündigen. Da war sein Adrenalinspiegel einen Moment ganz oben.
Landen mit Zickzack
Dem Hobbypiloten ist aber noch nie etwas Ernsthaftes passiert – mit Ausnahme eines kleinen Crashs mit einem Traktor bei einer Landung, die aber glimpflich verlief. Die Landung mit dem Doppeldecker ist dabei nicht ganz einfach, wie der 63-Jährige einräumt. Denn das Flugzeug setzt hinten auf und bleibt damit vorne zunächst in der Luft. Die Folge: Der Pilot kann nicht nach vorne schauen, sondern muss in einer Zickzackbewegung versuchen, sich eine Orientierung zu verschaffen.
Und was sagt die Familie zu seinem ausgefallenen Hobby? Seine erwachsenen Kinder sind alle schon einmal mitgeflogen, seine Frau allerdings nicht. Sie habe Angst, sagt Dennefleh und hat dafür Verständnis. Einer muss in der Ehe eben auf dem Boden bleiben.