Hemsbach

Hemsbachs Bürgermeister Kirchner: „Wir sind auf einem guten Weg“

Im Interview erzählt Hemsbachs Bürgermeister Jürgen Kirchner über eine mögliche Lösung zur Unterbringung der Flüchtlinge und hat auch Vorschläge für den Standort eines neuen Kindergartens.

„Es gibt noch viel zu tun, aber wir sind auf einem guten Weg“, sagte der Hemsbacher Bürgermeister Jürgen Kirchner im WN-Interview. Foto: Fritz Kopetzky
„Es gibt noch viel zu tun, aber wir sind auf einem guten Weg“, sagte der Hemsbacher Bürgermeister Jürgen Kirchner im WN-Interview.

Bürgermeister Jürgen Kirchner erläutert in einem Interview die aktuellen und zukünftigen Projekte Hemsbachs. Er spricht über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen, die Sanierung der Hans-Michel-Halle und die Bemühungen der Stadt in Bezug auf die Energiewende. Dabei betont er die Notwendigkeit, auf die Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Herr Kirchner, haben Sie schon festgelegt, welcher Stadtrat im Juni wie viele Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen wird?

Jürgen Kirchner (lacht): Das ist eigentlich eine nette Idee.

Sie haben sich darüber geärgert, dass eine Mehrheit des Gemeinderates nicht mitgegangen ist bei dem Plan, auf dem ehemaligen Gelände des TC Wiesensee Container für Flüchtlinge aufzustellen.

Kirchner: Das hat uns überrascht. Im Juli gab es eine sehr große Mehrheit für den Standort. Wir dachten, dass diese Frage geklärt ist. Wenn es zwischenzeitlich ein Umdenken gab, hätte ich zumindest erwartet, dass das kommuniziert wird. Aber da kam nichts. Das war sehr ärgerlich.

Die frühere Uhlandschule muss im Sommer geräumt werden. Wie werden Sie das Problem lösen? Sie wollen es ja sicherlich nicht darauf ankommen lassen, dass die Hans-Michel-Halle für die Flüchtlingsunterbringung requiriert wird.

Kirchner: Das will ich mit aller Macht vermeiden. Wir arbeiten an einer anderen Lösung und werden diese im Januar dem Gemeinderat vorstellen. Ich möchte darauf jetzt nicht näher eingehen, weil dieses Thema, wie wir gesehen haben, schnell zerredet wird.

Es geht nach wie vor um eine Containerlösung?

Kirchner: Es geht um ein Mietverhältnis, das sich erfreulicherweise aufgetan hat.

Und die Räumlichkeiten wären sofort nutzbar?

Kirchner: Nein, sie müssten umgebaut werden. Das wird zeitlich alles ziemlich eng. Wir stehen unter großem Zeitdruck. Wir haben zwei Monate Zeit verloren. Die Familienheim hat uns zum 1. Juli die Nutzung der Uhlandschule als Flüchtlingsunterkunft gekündigt.

Das Gelände an der Hans-Michel-Halle könnte für einen Kindergarten genutzt werden – eine Idee, die bereits im Gemeinderat diskutiert wird. Der Bedarf an zusätzlichen Plätzen ist dringend, da die Kapazitäten nahezu erschöpft sind. Foto: Marco Schilling
Das Gelände an der Hans-Michel-Halle könnte für einen Kindergarten genutzt werden – eine Idee, die bereits im Gemeinderat diskutiert wird. Der Bedarf an zusätzlichen Plätzen ist dringend, da die Kapazitäten nahezu erschöpft sind.

Dafür könnte das ehemalige Tennisgelände an der Hans-Michel-Halle jetzt anders genutzt werden. Pro Hemsbach hat vorgeschlagen, dort einen neuen Kindergarten zu bauen. Das würde doch eigentlich gut passen.

Kirchner: Das ist grundsätzlich keine schlechte Idee, sie ist aber auch nicht neu. Seitdem wir wissen, dass das Gelände frei ist, gibt es entsprechende Überlegungen. Allerdings gibt es noch andere mögliche Standorte. Wir gehen Anfang des Jahres in den gemeinderatsinternen Kindergarten-Ausschuss und werden diese vorstellen. Wir sind bei den Kindergartenplätzen auf Kante genäht. Das müssen wir mit einem Neubau ändern.

Sie haben das Gebäude des Bonhoeffer-Kindergartens von der evangelischen Kirche erworben. Hat dieser Kauf mit dem Neubauvorhaben zu tun?

Kirchner: Zunächst einmal ist die evangelische Kirche auf uns zugekommen, weil sie eine teure Sanierung des in die Jahre gekommenen Bonhoeffer-Kindergartens nicht schultern kann. Es kann aber durchaus sein, dass wir mit dem Neubau eines größeren Kindergartens den Bonhoeffer-Kindergarten kompensieren können.

Sie planen aber nicht, am Standort des Bonhoeffer-Kindergartens einen neuen Kindergarten zu errichten?

Kirchner: Das macht meines Erachtens wenig Sinn. Zum einen könnten wir den weiterlaufen lassen, wenn neu gebaut wird, und dann ist die ganze Situation im Umfeld des Bonhoeffer-Kindergartens sehr eng.

Die Sanierung der Goetheschule soll 2025 abgeschlossen sein. Wann kommt der Umbau des ehemaligen Lehrerwohnhauses?

Kirchner: Die Wohnungen des Lehrerwohnhauses sind frei, es könnte allerdings sein, dass wir sie für kurze Zeit anderen Nutzungen zuführen müssen. Der Plan ist aber, dass wir den Umbau des Gebäudes 2025 und 2026 planen und umsetzen, sodass die Räumlichkeiten ab 2027 genutzt werden können.

Nach der Sanierung der Goetheschule soll das ehemalige Lehrerwohnhaus umgebaut werden. Die Planung ist für 2025 vorgesehen, der Abschluss für 2027. Bis dahin könnten die Wohnungen vorübergehend anders genutzt werden. Foto: Philipp Reimer
Nach der Sanierung der Goetheschule soll das ehemalige Lehrerwohnhaus umgebaut werden. Die Planung ist für 2025 vorgesehen, der Abschluss für 2027. Bis dahin könnten die Wohnungen vorübergehend anders genutzt werden.

Der Neubau der weiterführenden Schulen hat quasi Ihre ganze Amtszeit begleitet. Jetzt sollte erneut geprüft werden, ob Gymnasium und Realschule nicht doch auf dem Gelände der Schillerschule untergebracht werden können. Wann gibt es ein Ergebnis?

Kirchner: Es geht um die Schülerprognosezahlen, die lange Zeit unklar waren. Die Annahmen wurden mehrfach geändert. Dabei ging es um die Frage, ob das Gymnasium zu G9 zurückkehrt und welche Baugebiete wann realisiert werden. G9 ist mittlerweile gesetzt. Setzen wir die Baugebiete schnell um, werden wir Mitte der 30er-Jahre einen Peak bei den Schülerzahlen haben, der eine höhere Zügigkeit auslösen könnte. Wir brauchen am Ende verlässliche Zahlen. Ich gehe davon aus, dass wir Ende Januar konkrete Zahlen über die erforderliche Zügigkeit erhalten, mit denen wir dann in den Schulverband gehen werden.

Eng würde es schon auf dem Schillerschulgelände.

Kirchner: Keine Frage, aber wir sparen auch viel Platz dadurch, dass wir die Sporthallen auf dem BIZ-Gelände belassen können. Das war ja der ursprüngliche Gedanke, um beim Neubau Kosten zu sparen und das Projekt überhaupt finanzieren und damit realisieren zu können.

Sie haben noch drei Jahre als Bürgermeister. Glauben Sie, dass Sie eine Bauentscheidung noch in Ihrer Amtszeit erleben werden?

Kirchner: Ich habe schon den Ehrgeiz, das Ganze noch aufs Gleis zu setzen. Und ich bin verhalten optimistisch. Es haben mit dem Land in der letzten Zeit deutlich konstruktivere Gespräche stattgefunden. Wir kämen auf dem Schillerschulgelände auf jeden Fall günstiger, auch die Hector-Stiftung ist noch im Boot, die das Projekt ja unterstützen würde. Günstig würde sich auch auswirken, dass wir den riesigen Flächenbedarf nicht mehr haben, den ein Neubau auf den landwirtschaftlich genutzten Erlenwiesen ausgelöst hätte.

Sie haben ein weiteres Millionenprojekt vor der Brust: die Sanierung der Hans-Michel-Halle. Da gibt es jetzt einen Gemeinderatsbeschluss, Brandmeldeanlage, Elektrik und Wasserleitungen für 3,2 Millionen Euro zu sanieren und zusätzlich die Erneuerung von Hallenboden und Tribünen zu planen. Wann startet die Sanierung?

Kirchner: Die Planung wird 2025 beginnen. Wir gehen davon aus, dass die Brandmeldeanlage 2026 installiert wird, sodass wir uns dann die Feuersicherheitswachen, die wir aktuell stellen müssen, wieder sparen können. Danach käme die Sanierung der Wasserleitungen. Wir müssen das über mehrere Haushaltsjahre strecken, weil wir uns das ansonsten nicht leisten können.

Für neuen Boden und Tribünen wollte der Förderverein Sponsoren suchen. Ist dafür schon Geld akquiriert worden?

Kirchner: Davon ist mir nichts bekannt. Es wäre aber natürlich sehr erfreulich, wenn über den Förderverein solche Projekte gestemmt werden könnten.

Im Gegensatz zur Nachbarkommune Laudenbach, die sechs Millionen Euro für die Bergstraßenhalle erhält, ging Hemsbach leer aus. Grund: fehlende Planung und kein Gemeinderatsbeschluss zum Zeitpunkt des Antrags. Foto: Thomas Rittelmann
Im Gegensatz zur Nachbarkommune Laudenbach, die sechs Millionen Euro für die Bergstraßenhalle erhält, ging Hemsbach leer aus. Grund: fehlende Planung und kein Gemeinderatsbeschluss zum Zeitpunkt des Antrags.

Die Nachbarkommune Laudenbach hat die Aussicht auf eine Förderung in Höhe von sechs Millionen Euro für die Sanierung der Bergstraßenhalle. Hemsbach hatte auch einen Antrag gestellt, der wurde aber abgelehnt. Warum haben Sie das nicht geschafft?

Kirchner: Weil wir zu dem Zeitpunkt, als wir den Förderantrag gestellt hatten, noch keine fertige Planung hatten. Das musste seinerzeit sehr schnell gehen. Es gab aber noch keinen klaren Gemeinderatsbeschluss darüber, was gemacht werden soll.

Versuchen Sie es noch einmal?

Kirchner: Das Programm gibt es nicht mehr. Sie dürfen aber versichert sein, dass wir jede Fördermöglichkeit ausschöpfen werden.

Mit Freiflächen-PV-Anlagen tut sich Hemsbach schwer. Es gab im zweiten Anlauf einen positiven Gemeinderatsbeschluss, eine geständerte PV-Anlage auf dem Wiesensee-Parkplatz zu errichten. Dann hat man davon aber nichts mehr gehört.

Kirchner: Das ist auf keinen Fall in der Versenkung verschwunden. Wir hatten in dieser Sache jetzt ein konstruktives Gespräch mit den Ausrichtern des Schleppertreffens. Die waren natürlich nicht begeistert über das Vorhaben, aber ich bin sicher, dass wir eine Lösung dafür finden, die Veranstaltung auch dann stattfinden zu lassen, wenn die Anlage installiert ist. Es wäre gut, wenn Edeka den Solarstrom nutzen würde, der über die PV-Anlage erzeugt wird, oder in Zukunft auch die Wohngebäude, die die Familienheim am Seeweg errichten will.

Trotz Bedenken der Schleppertreffen-Organisatoren hält Hemsbach an der geplanten PV-Anlage auf dem Wiesensee-Parkplatz fest. Der erzeugte Solarstrom könnte künftig von Edeka oder neuen Wohngebäuden am Seeweg genutzt werden. Foto: Gian-Luca Heiser
Trotz Bedenken der Schleppertreffen-Organisatoren hält Hemsbach an der geplanten PV-Anlage auf dem Wiesensee-Parkplatz fest. Der erzeugte Solarstrom könnte künftig von Edeka oder neuen Wohngebäuden am Seeweg genutzt werden.

Und wie sieht es an der Autobahn aus? Da könnten Sie theoretisch einen Streifen von 200 Metern für PV-Anlagen nutzen.

Kirchner: Der Gemeinderat hat sich dagegen ausgesprochen, Flächen westlich der Autobahn für Solarstrom zu nutzen.

Sie hatten seinerzeit aber auch eine große, heute landwirtschaftlich genutzte Potenzialfläche aufgezeigt.

Kirchner: Sie sagen es: Es war eine Potenzialfläche. Das heißt ja nicht, dass wir da alles mit Freiflächen-PV zupflastern wollen.

Hemsbach ist die einzige Kommune in unserem Verbreitungsgebiet, die sich aktiv auch um die Folgen des Klimawandels kümmert. Was haben Sie bereits unternommen, was haben Sie noch vor?

Kirchner: Wir haben vier Trinkwasserbrunnen am Friedhof, am Wiesensee, auf der Alla-hopp-Anlage und an der Kita Regenbogenland in Betrieb genommen, die sehr gut angenommen werden. Das werden wir sicherlich fortsetzen. Und dann versuchen wir weiterhin, Flächen zu entsiegeln. Auch das wird fortgesetzt analog dessen, was wir jetzt an der Bushaltestelle Hüttenfelder Straße gemacht haben.

Das sind dann kleine Flächen.

Kirchner: Ja, das sind kleine Flächen, die wir mit Bäumen abschatten, damit man sich dort aufhalten kann. Die Bürgerinnen und Bürger sind dankbar für diese kleinen schattigen Oasen mit Trinkbrunnen.

Um große Flächen geht es an anderer Stelle: Seit vielen Jahren wird über die Bebauung des Beltz-Areals gesprochen. Für das ehemalige FDT-Gelände sollte ein Rahmenplan erstellt werden. Beide Bereiche werden oft angesprochen in der Kommunalpolitik. Allein: Es tut sich nichts. Woran liegt das?

Kirchner: Über das Beltz-Gebiet sind wir in wirklich guten Gesprächen. Das war nicht immer so, aber aktuell nimmt das konkretere Formen an, auch wenn ich Ihnen keinen konkreten Zeitrahmen nennen kann.

Ihre Amtszeit geht noch drei Jahre. Gibt es Dinge, die Sie in dieser Zeit noch erreichen wollen?

Kirchner: Ich will das Thema Neubau des Bildungszentrums aufs Gleis setzen. Das kann man ja kaum jemand erklären, dass wir da schon zwölf Jahre unterwegs sind und uns im Kreis drehen. Wir tun jedem leid, aber es ändert sich nichts. Was mich freut, ist, dass sich auf dem Minera-Gelände etwas ändert. Mit dem Plan können wir voll mitgehen. Von der Neubebauung wird Hemsbach profitieren.

Wenn man sieht, was die Firma Görtz andernorts gebaut hat, weiß man, dass dort etwas Ansehnliches entstehen wird. Auch Minera modernisiert und baut neu, was unter anderem dazu führen wird, dass wir zusätzlich E-Ladestationen bekommen werden. Das gesamte Gelände wird dadurch aufgewertet und das Entree in unsere Stadt verschönert. Das wertet das gesamte Gelände auf.

Und aller guten Dinge sind drei.

Kirchner: Das stimmt. Drittens strebe ich die Rezertifizierung des Siegels Familienbewusste Kommune plus an, die im Jahr 2026 ansteht. Wir haben gerade im Kinderbereich wieder einiges getan: die zentrale Vormerkung für die Kindergartenplätze etwa sowie eine zweite Gruppe des Waldkindergartens. Auch haben wir den Plan, einen neuen Kindergarten zu bauen. Zudem wurde die Stelle einer Fachberatung geschaffen, um die Angebote auszubauen und die Qualität der sozialpädagogischen Arbeit vor Ort zu optimieren.

Auch das Willkommensfrühstück, das wir im Dezember für junge Eltern erstmals angeboten haben, wurde sehr gut angenommen. Und auch in den anderen Bereichen wollen wir weiter tätig werden. So konnten wir dieses Jahr erstmals mit der Stadt Weinheim und der Gemeinde Laudenbach im Rahmen einer regionalen Pflegekonferenz verschiedene Angebote im Pflegebereich vernetzen. Ziel soll sein, regionale Bedarfe besser zu koordinieren. Es gibt noch viel zu tun, aber wir sind auf einem guten Weg!