Bekommt Hemsbach einen neuen Kindergarten?
Die Zahl der Betreuungsplätze in Kitas und Tagespflege in Hemsbach ist knapp. Der Bedarfsplan geht zwar davon aus, dass es reicht, um allen Kindern, für die eine Betreuung gewünscht wird, berücksichtigt werden können, perspektivisch fehlen aber Plätze. Jetzt wird über den Bau eines neuen Kindergartens nachgedacht.
Die Versorgung durch die Kinderbetreuungseinrichtungen in Hemsbach hat sich weiter verschlechtert. Das geht aus der Kindergartenbedarfsplanung hervor, die die Stadt für die nächste Gemeinderatssitzung am kommenden Montag, 24. Juni, vorlegt.
Die Zahl der Kinder im kindergartenfähigen Alter ist demnach um 36 Kinder gestiegen und übersteigt damit jene 20 Plätze, die ab September in der erweiterten Waldgruppe des Bonhoefferkindergartens zusätzlich zur Verfügung stehen. Die Verwaltung kommt dennoch zu dem Schluss, dass die Versorgung ausreichend ist, weil der tatsächliche Bedarf in den zurückliegenden Jahren stets unter dem angemeldeten Bedarf lag. Gleichwohl enthält die Finanzplanung für die kommenden drei Jahre 3,5 Millionen Euro für den Bau einer weiteren Betreuungseinrichtung in Hemsbach.
Die Kindergartenbedarfsplanung wird jedes Jahr mit Zahlen zum Stichtag 1. März erstellt. Die quantitative Untersuchung soll zeigen, ob das Angebot der Nachfrage entspricht – immerhin gibt es einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder über einem Jahr.
Kinder unter drei Jahren
Rein rechnerisch geht die Gleichung nicht auf. Zum 1. März gab es in Hemsbach 331 Kinder unter drei Jahren, zehn weniger als bei der Erhebung im Vorjahr. Anspruchsberechtigt sind 216 Kinder über einem Jahr. Für diese stehen 123 Betreuungsplätze zur Verfügung, 52 Plätze in Krippen, weitere 22 Plätze in altersgemischten Gruppen in den konfessionellen Kindergärten sowie 49 Plätze in der Tagespflege, zehn weniger als 2023.
Angemeldet wurde ein Bedarf für 143 Betreuungsplätze – und zwar nur für die 72 Krippenplätze. Der Bedarf ist hier daher fast doppelt so hoch wie das Angebot. Selbst wenn man die 49 Plätze in der Kindertagespflege abzieht, fehlen immer noch 20 Plätze. Rechnerisch. In der Praxis der vergangenen Jahre sei die Nachfrage allerdings deutlich geringer gewesen, argumentiert die Stadt. Im Januar 2023 beispielsweise habe die Nachfrage 23 Prozent unter dem angemeldeten Bedarf gelegen, im Dezember 2022 – im Monat der größten Auslastung – habe der tatsächliche Bedarf sogar 36 Prozent unter dem angemeldeten gelegen. Die Stadt geht daher auch nicht von 143, sondern nur von 115 Kindern unter drei Jahren aus, für die ein Betreuungsplatz nachgefragt wird. Damit würde das Angebot reichen.
Kinder über drei Jahre
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Betreuungsplätzen für Kinder zwischen drei und sechseinhalb Jahren. Zum Stichtag waren 396 Kinder betroffen, 36 mehr als im Vorjahr. Weitere 59 werden im Laufe des Jahres drei und sind dann anspruchsberechtigt. 455 Kinder könnten demnach einen Platz nachfragen, es gibt aber nur 354 beziehungsweise 374 Plätze, wenn die zusätzliche Waldgruppe an der Förster-Braun-Hütte im September ihren Betrieb aufgenommen hat.
Dennoch würden die Plätze ausreichen, meint die Stadtverwaltung und zieht zunächst einmal zehn Prozent der Anspruchsberechtigten ab, die in der Vergangenheit regelmäßig keinen Platz in Hemsbach nachgefragt haben. In dem dann noch bestehenden Fehlbedarf von 35 Plätzen sieht die Verwaltung kein wirkliches Problem. Der Grund: Die 74 Plätze für unter Dreijährige waren im Mai 2024 gerade einmal mit 43 Kindern belegt, 31 Plätze waren frei. Da davon vor allem die altersgemischten Gruppen betroffen sind, in denen Kinder unter drei zwei Plätze belegen, bedeutet dies, dass in diesem Bereich 62 Plätze frei seien, sodass unterm Strich kein Defizit, sondern sogar ein Puffer bestehe. Sollte es am Ende des Jahres zu Engpässen kommen, könnten zudem durch die kurzfristige Überbelegung der 22 Kindergartengruppen in Hemsbach um je einen Platz 22 weitere Plätze zur Verfügung gestellt werden, heißt es abschließend.
All diesen Rechenkünsten zum Trotz anerkennt die Verwaltung allerdings schon, dass zunehmend mehr Plätze nachgefragt werden. Auch ein stärkerer Wunsch nach längeren Betreuungszeiten sei erkennbar. Das kostet Plätze. In einer Ganztagsgruppe werden maximal 20 Kinder betreut, in der Regelgruppe 28. Bei gleichbleibenden Kinderzahlen, aber längeren Betreuungszeiten würden damit mehr Betreuungsgruppen notwendig. Hemsbach wurde vor einigen Jahren als familienbewusste Kommune plus ausgezeichnet. Ziel solle daher nicht nur sein, den Rechtsanspruch zu erfüllen, sondern auch Elternwünsche möglichst mit attraktiven Betreuungsangeboten umsetzen zu können, heißt es daher weiter in der Kindergartenbedarfsplanung. Erwähnt wird ferner, dass vermehrt Plätze für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf nachgefragt würden.
Die Weichen für ein attraktiveres Betreuungsangebot sind bereits gestellt: Im September geht eine weitere Waldgruppe in der Nähe der Förster-Braun-Hütte in Betrieb. Der Gemeinderat wird am Montag den Auftrag für die Lieferung und Montage eines weiteren Bauwagens vergeben.
Ferner sind in die Finanzplanung 2025 bis 2027 insgesamt 3,5 Millionen Euro für den Bau einer neuen Betreuungseinrichtung eingestellt worden. Die ersten Schritte soll der neu gewählte Gemeinderat bereits im Herbst unternehmen. Das auch in Hinblick auf neue Wohngebiete am Seeweg, auf dem früheren Beltz-Gelände und auf dem Uhlandschulgelände.
Letzteres könnte schneller kommen als gedacht: Auf dem Areal der früheren Grundschule im Südwesten will die Familienheim Rhein-Neckar bekanntlich Wohnungen bauen. Jetzt liegt ein Antrag für den Abriss des Gebäudes und die Errichtung von 114 Wohnungen vor. Der Gemeinderat entscheidet am Montag über die Aufstellung eines Bebauungsplanes, der die planungsrechtlichen Grundlagen für das Projekt schaffen soll.
Gemeinderatssitzung am Montag, 24. Juni, 18.30 Uhr, Kulturbühne Max, Hüttenfelder Straße 42.