Massive Grippewelle: Menschen in Weinheim und der Region liegen flach
Fiese Influenza-Viren sorgen für viele Krankheitsfälle in Weinheim und der Region. Häufig sind Kinder und Schüler betroffen.
Weinheim/Hemsbach. Die Region kämpft mit Husten, Schnupfen und Kopfschmerzen – Grippeviren breiten sich derzeit rasant aus. Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration spricht in dieser Woche sogar von einer „massiven Grippewelle“. In der Pressemitteilung des Landesgesundheitsamtes heißt es: „In Baden-Württemberg erkranken aktuell viele Menschen an der saisonalen Grippe (Influenza). Allein in der vergangenen Woche, wurden dem Amt insgesamt 4.195 Influenza-Fälle gemeldet.“ Weiter heißt es: „Das entspricht dem Grippegeschehen des Vorjahres, jedoch sind in dieser Saison häufiger Kinder und Jugendliche von der Influenza betroffen. In Baden-Württemberg war in der vergangenen Woche fast ein Drittel der Erkrankten unter 18 Jahren alt.“
Die Weinheimer Kinderärztin Dr. Carolin Kneppo bestätigt dies auf Nachfrage: „Wir verzeichnen derzeit ein deutlich erhöhtes Patientenaufkommen mit vielen schwer erkrankten Kindern“, so Kneppo. Die jungen Patienten klagen über hohes Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen sowie ausgeprägte Abgeschlagenheit und Schwäche. Um gesunde Kinder vor Ansteckung zu schützen, wurde eine separate Infektsprechstunde eingerichtet. Das bedeutet: Ab dem späten Vormittag werden Kinder mit Grippesymptomen behandelt, während am Vormittag Kinder mit anderen gesundheitlichen Beschwerden in die Praxis kommen.
Höhepunkt noch nicht erreicht
Die Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) untermauern die Beobachtungen aus der Arztpraxis. Laut Landesgesundheitsamt zeigen sie zudem, „dass derzeit ungewöhnlich viele Kinder aufgrund schwerer akuter respiratorischer Infektionen (RSV) sogar im Krankenhaus behandelt werden müssen.“ Die Experten gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Grippewelle noch nicht erreicht ist. Auch für den Rhein-Neckar-Kreis und die Stadt Heidelberg liegen erste belastbare Zahlen vor: Seit Jahresbeginn steigt die Zahl der Influenza-Erkrankungen deutlich an. „Wir haben seit dem 1. Januar über 800 Meldungen erhalten, etwa die Hälfte davon allein in den letzten 14 Tagen“, berichtet Silke Hartmann vom Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises. Allerdings können diese Zahlen nur eine Tendenz abbilden, da vor allem Labornachweise ausgewertet werden. Hartmann erklärt: „Sicherlich sind deutlich mehr Menschen erkrankt, die jedoch keinen Test erhalten haben und daher nicht über die Labormeldepflicht erfasst werden.“
Labore überfordert
Hinzu kommt, dass die Labore derzeit mehrere Tage benötigen, bis die Ergebnisse von Abstrichen vorliegen. Leonie Möckesch, Fachärztin für Allgemeinmedizin in der gleichnamigen Praxis im Weinheimer Atrium, bestätigt die Überlastung der Labore: „Seit gut zwei Wochen dauert es bis zu drei Tage, bis wir die Testergebnisse erhalten.“ Aus diesem Grund empfiehlt die Praxis den Patienten, Schnelltests aus der Apotheke zu verwenden. Aktuell werden nicht mehr alle Patienten abgestrichen.
Schnelltests sind zuverlässig
Die Schnelltests seien sehr zuverlässig, erklärt Alexa Mistler von der Hebel-Apotheke in Hemsbach. Der Test – in der Regel ein Abstrich der Nasenschleimhaut – könne Infektionen mit Corona-, Influenza-A- und -B- sowie RSV-Viren nicht nur nachweisen, sondern auch unterscheiden. Auch sie beobachtet in ihrer Apotheke, dass in diesem Jahr besonders viele Schulkinder betroffen sind. Dies spiegelt sich auch in den Schulen der Region wider. Ein Beispiel ist die Carl-Orff-Grundschule in Sulzbach. Konrektorin Barbara Huth-Owietzka berichtet, dass in den vergangenen Tagen teilweise bis zu sieben Kinder pro Klasse krank waren. „Natürlich erleben wir diese Krankheitswelle jedes Jahr im Januar und Februar, aber in diesem Jahr wirkt sie deutlich heftiger – auch wenn das nur mein persönlicher Eindruck ist.“ Die Lehrerin appelliert an die Eltern, ihre Kinder nicht zu früh wieder in die Schule zu schicken. In den letzten Tagen hätten sich auch zahlreiche Lehrer angesteckt, was zu weiteren Unterrichtsausfällen führe.
Das Ministerium appelliert derzeit an die Einhaltung grundlegender Hygienemaßnahmen. „Regelmäßiges Händewaschen und Abstand zu erkrankten Personen können vor einer Ansteckung schützen“, heißt es in der aktuellen Mitteilung.
Impfen noch möglich
Laut RKI sei auch eine Grippeimpfung zum jetzigen Zeitpunkt noch sinnvoll. Auswertungen des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Influenzaviren zeigen, dass der saisonale Grippeimpfstoff gut gegen die aktuell zirkulierenden Viren wirkt.
Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha rief daher in Stuttgart erneut und mit Nachdruck zur Impfung auf: „Lassen Sie sich jetzt noch impfen. Eine Grippeimpfung ist sowohl bei niedergelassenen Ärzten als auch in Apotheken möglich.“ Er betonte, dass die echte Grippe keine gewöhnliche Erkältung sei. Sie könne schwer verlaufen und im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Besonders für Risikogruppen wie Ältere, Vorerkrankte oder Schwangere stelle die Grippe eine ernst zu nehmende Gefahr dar. Die Impfung wird daher vor allem diesen Personengruppen empfohlen.
Auch das Landratsamt in Heidelberg schließt sich diesem Appell an: „Nach der Impfung dauert es etwa 14 Tage, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist. Da jedoch davon auszugehen ist, dass der Höhepunkt der Grippewelle noch nicht erreicht wurde und sich der Verlauf über mehrere Wochen erstrecken wird, kann eine Impfung auch jetzt noch wirksamen Schutz bieten.“