Mit Gringo Mayer gegen den Alltagsfrust
Sein Ruf reicht schon bis nach Hamburg, wo er am 20. Juli Gast bei Inas Nacht in der kultigen Hafenkneipe sein wird. Am Samstagabend aber stand Gringo Mayer, Shootingstar des Mundart-Indie-Blues aus der Ludwigshafener Gartenstadt, auf der Bühne der Alten Druckerei. Bei Ohrwürmern wie „Ahjoo“, mit dem er im vergangenen Jahr seinen musikalischen Durchbruch schaffte, lagen ihm 150 Fans zu Füßen, sangen textsicher jeden Refrain mit und feierten den Wahl-Monnemer und seine Kegelband, die musikalisch immer wieder alle Neune traf.
Seine mal von Beat, mal von Funk oder einem Schuss Reggae geprägten Lieder werden rhythmisch getragen von Jeremy James, der wie ein Uhrwerk sein Schlagzeug bearbeitet und beim Gringo-Hit „Monnemer Dreck“ Rolling-Stones-Feeling im Saal verbreitet. Bei „Nimmi normal“, dem Titelsong der Debüt-CD von Gringo Mayer, oder bei „Oh Jesses“ gibt Julian Maiers Trompete den Stücken unwiderstehliche Energie, und Bassist Simon Martini bildet an seinen vier Saiten den ruhenden Pol im Gringo-Universum, in dem die Welt mit einem Blick von unten betrachtet und über jene gelästert wird, die den Hals nicht voll genug bekommen. Gesellschaftskritik mit einem Schuss Selbstironie von einem Ludwigshafener Bu’, der in Kurpfälzer Dialekt die Sprache von der Straße spricht. Genau das macht der 34-Jährige zu seinem Alleinstellungsmerkmal.
Wenn er in „Ru’ do driwwe“ den nervigen Nachbarn verbal eine abräumt und in „Äni rache“ ein Kurpfälzer Mantra gegen das Ausflippen besingt, hebt sich die Alte Druckerei fast, ehe er sie in seinem Fußball-Stück „Gibt’s do’ net“ kurzzeitig in eine Fankurve verwandelt.
Gut, dass sich Veranstalter Franz Kain nach der Verlegung des Konzertes vom ursprünglich geplanten Veranstaltungsort Waidsee in die Alte Druckerei für eine unbestuhlte Variante entschied. Die Tanzparty ist in vollem Gange, Gringos rotes Hemd, unter dem sein Goldkettchen schimmert, längst durchgeschwitzt. Das Lied „Monnemer Dreck“ wird zu einer Speisung der Fans. Und sie kennen das Gefühl, sich zur Maloche aufrappeln zu müssen, das Mayer in „Allahopp“ besingt. Den Rat seiner Oma „Immer mol e bissel“ und nicht alles auf einmal zu machen, besingt er im Latin-Stil.
Die eineinhalb Stunden fordern von Band und Publikum Kondition, und es wirkt, als würden sie sich gegenseitig zu immer neuen emotionalen Höhen pushen, ehe die Zugabe „Ahjoo“ noch einmal alle vereint.
Es wird erzählt, dass Gringo Mayer in einer Hütte im Schwarzwald vor der Pandemie sein künstlerisches „Erweckungserlebnis“ hatte, als er sich dazu entschied, seine Lieder im heimischen Dialekt zu singen. Wo immer er jetzt die Bühne betritt, trägt er sein Herz auf der Zunge, sobald er das Mikro ergreift. Und die Kurpfalz ist auf jeden Fall durch ihn um ein musikalisches Original reicher. dra