Hirschberg

Neuer Wohnraum für junge Familien

Fachleute stellen Analyse zum Bedarf in Hirschberg vor. Bis zu 370 Wohnungen sollten bis zum Jahr 2040 entstehen.

Im Gewann „Rennäcker“, in der Verlängerung der Weinheimer Straße, soll der Wohnraum entstehen. Foto: Thomas Rittelmann
Im Gewann „Rennäcker“, in der Verlängerung der Weinheimer Straße, soll der Wohnraum entstehen.

Hirschberg. Jüngere Familien würden gerne nach Hirschberg ziehen oder zumindest dort bleiben. Ältere Menschen, die noch in ihrem Haus leben, würden sich gerne „verkleinern“. Andere wiederum wollen an die Bergstraße ziehen, weil die wirtschaftliche Lage in der Region und das Jobangebot attraktiv sind. Die Lösung könnte neuer und erschwinglicher Wohnraum sein. Für Hirschberg wird bis zum Jahr 2040 laut Schätzungen ein Bedarf zwischen 265 und 370 Wohnungen gesehen.

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Bürgermeister Ralf Gänshirt hatte am Ende der Informationsveranstaltung zum Schwerpunkt demografische Entwicklung und Wohnraumbedarf in der Alten Turnhalle in Großsachsen eine klare Antwort: „Wir brauchen einen gezielten Mix aus Innenentwicklung sowie einem Angebot von Neubauten, etwa in einem Neubaugebiet“, lautete sein Fazit auf Nachfrage der Moderatoren, DSK-Stadtentwickler Lisa Meyer und Dr. Christian Hemkendreis. Eigenheime, Geschosswohnungsbau und geförderten Wohnraum nannte er als Punkte, die dabei zu beachten seien. Ziel sei es, Neubürger anzulocken oder jungen Menschen eine Perspektive zu bieten: „Dies ist wichtig für das soziale Miteinander. Wenn wir jungen Menschen nichts anbieten können, wird dies auch unsere Vereine treffen.“

Stimmen die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung?

Andere in der Turnhalle hatten speziell beim Neubaugebiet große Bedenken und zweifelten die vorgestellten Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung an. So etwa die Vertreter der BI Bürgerbegehren Hirschberg oder der Grünen Liste Hirschberg. Fachleute und Experten des Nachbarschaftsverbandes Heidelberg-Mannheim, der Metropolregion Rhein-Neckar, der Heidelberger DSK Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft sowie des Stadtentwicklers ProjektStadt aus Frankfurt überhäuften die 50 Zuhörer mit Zahlen und Fakten zum Wohnraum. Denn der Gemeinderat hatte sich im November 2021 dazu entschlossen, mithilfe der „Wohnraumoffensive Baden-Württemberg“ die Schaffung von Wohnraum voranzutreiben. In diesem Rahmen wurde eine Potenzialanalyse erarbeitet, die Tjark Albrecht von ProjektStadt vorstellte. Anna George vom Nachbarschaftsverband und Eduard Kohleber vom Verband Metropolregion präsentierten zunächst das Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) „Regionale Steuerung der Siedlungs- und Freiraumentwicklung“. Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Wohnen sowie vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung gefördert. Hirschberg ist eine Modellkommune und soll bei der Entwicklung eines Neubaugebietes unterstützt werden.

Das Spannungsfeld schilderte die Vertreterin des Nachbarschaftsverbandes wie folgt: Der Bund fordert den Neubau von 400 000 neuen Wohnungen pro Jahr, davon 100 000 Sozialwohnungen. Zum anderen fordert der Bund, sparsam mit den Flächen umzugehen. Genau dieser Ansatz der flächensparenden Siedlungspolitik soll in Hirschberg verfolgt werden. Hirschberg würde von der fachlichen Beratung profitieren, die zudem nichts kosten würde: „Bundesweit würde Hirschberg dadurch Beachtung erfahren“, meinte George.

Wo soll das Neubaugebiet entstehen?

Vertreter Manfred Maurer könnte auf diese Aufmerksamkeit in Sachen Neubaugebiet bestimmt verzichten: „Setzt MORO ein Neubaugebiet voraus?“ Den Antworten der Verbandsvertreter war zu entnehmen, irgendwie schon. Man wolle ja nicht losgelöst auf dem Reißbrett arbeiten, eine reale Fläche sei schon gut. Auch der Flächennutzungsplan sieht rund 30 Hektar im Innen- und Außenbereich von Hirschberg für so etwas vor. Rathauschef Gänshirt schaltete sich darauf in die Debatte ein, denn er wusste genau, worauf Maurer hinauswollte: „Der Gemeinderat entscheidet, ob und wo ein Neubaugebiet entsteht. Dann legt MORO los.“ Der Gemeinderat, besser gesagt die Mehrheit von Freien Wählern, CDU, FDP, hat auch schon eine Fläche westlich der B 3  in Leutershausen im Fokus: Es handelt sich um das Gewann „Rennäcker“ in der Verlängerung der Weinheimer Straße.

Die Zahl der über 65-Jährigen wächst deutlich an, genauso wie die der unter 20-Jährigen

Tjark Albrecht von der ProjektStadt erläuterte die Wohnraumbedarfsanalyse. Seine Zahlen beruhten unter anderem auf den Daten des Statistischen Landesamtes. Zwar nehme der Zuzug statistisch ab, dennoch erkannte er einen Bedarf an Wohnungen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Region wirtschaftlich prosperiere und die Einwohner im Vergleich zu früher mehr Wohnfläche benötigen würden. „Die Zahl der Haushalte steigt. Bis 2040 sollen es in Hirschberg zusätzliche 211 sein.“ Die Zahlen des Landesamtes sehen den Bedarf von 265 Wohnungen bis zum Jahr 2040 vor, der Regionalplan nennt sogar eine Zahl von 370. Albrecht ging ebenso auf die demografische Entwicklung ein. Grundsätzlich geht der Stadtentwickler von einer leichten Steigerung der Einwohnerzahl aus, diese könnte aber durch Zuzug forciert werden. Bei der Struktur zeige sich ein typisches Bild: Die Zahl der über 65-Jährigen wächst deutlich an, genauso wie die der unter 20-Jährigen. Im Bereich 20 bis 65 Jahre, also bei den Berufstätigen, nehme die Zahl hingegen ab. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, sind oben erwähnte Maßnahmen notwendig. Denn Zuzug funktioniere nur, wenn Wohnraum geschaffen werde. Da das Leerstandskataster bei den Wohnungen wenig gebracht habe und somit der Innenentwicklung Grenzen gesetzt seien, sei der Zugriff im Außenbereich leichter, stellte er klar. Die letzte Maßnahme sei das Neubaugebiet „Sterzwinkel“ vor über zehn Jahren gewesen. Albrecht sah auch Bedarf bei Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit bis zu 100 Quadratmetern sowie beim bezahlbaren Wohnraum. Auch darum sollte sich die Kommune kümmern.