Reiselust im Weinheimer Hallenbad
Drei Autoren erzählen im HaWei, was Abenteuer für sie bedeutet.
Dass das Reisen oder das Sich-Hineinträumen in ferne Länder ein Lieblingsthema der Menschen darstellt, zeigte die ausverkaufte Lesung am Donnerstagabend im Bistro des Weinheimer Hallenbades, wo drei Autoren auf unterhaltsame Art von ihren Reiseerfahrungen erzählten und Auszüge aus ihren Büchern lasen. Die Moderation hatte Ines Polter, die auch informative Interviews mit den Autoren führte.
Das HaWei wurde nicht nur dem Festival-Motto „Lesung an ungewöhnlichen Orten“ gerecht. Mit seiner feuchten Wärme passte es zum Thema „Reisen“ und sei es auch nur, um die Zuschauer in den Wellnessbereich ihres Traumhotels zu entführen. Obwohl der Reisejournalist Philipp Laage aus Berlin mit dem Begriff „Traumhotel“ Probleme hat. „Wie kann man von einem Hotel träumen?“, fragt er in seinem Buch „Vom Glück zu reisen“, und nicht von einer Landschaft oder einem See?
Kritisch beleuchtet er auch die Werbung typischer Sehnsuchtsorte. Sei es das blaue Lavendelfeld in der Provence oder das glücklich lächelnde Liebespaar am Meer vor einer sanft geneigten Palme. Er erzählt von Schein-Abenteuern wie dem Tandem-Fallschirmsprung. „Für ein paar Sekunden gleich einem Sack Kartoffeln nach unten fallen“, nennt er diese Erfahrung. Zudem fragt er: Welche Sehenswürdigkeiten kann man sich sparen oder wo wartet das wahre Abenteuer, das man übrigens auf der ganzen Welt, im Schwarzwald wie in Tansania, erleben kann.
Der 36-Jährige schildert seine Reisen um die Welt amüsant, kritisch und voller Humor. „Das wahre Reiseglück findet nur dann statt“, betont er am Schluss seiner Lesung, „wenn wir aufhören, es zu inszenieren.“
Sehnsuchtsland Australien
Dass jeder Mensch ein Sehnsuchtsland hat, wird von den Zuschauern mit Kopfnicken bestätigt. Bei der Autorin, Fotografin und Reisejournalistin Cindy Ruch ist Australien die große Liebe. In Brisbane hat sie zweieinhalb Jahre gelebt und studiert. „Heute versuche ich, in meinem Wohnort Berlin mein Australiengefühl aufrechtzuerhalten“, erzählt sie.
Wie für alle drei Autoren war es auch für sie Premiere, in einem Schwimmbad zu lesen. Passend zum Leseort hatte sie aus ihrem Buch „Woanders wachsen Mangos“ australische Impressionen ausgesucht, die vom Wasser handeln. Mal kam es von oben beim Beginn ihres Roadtrips durch das australische Outback, wo der Klang des Didgeridoos das Rauschen des Regens begleitete und sie überwältigt war von der Weite der Landschaft. Mal wagte sie sich – in Begleitung eines australischen Freundes – Schritt für Schritt in eine Höhle, immer auf der Hut vor Schlangen und Spinnen. Am Ende erwartete sie ein tiefer, klarer See, in den sie todesmutig hineinsprang. „Man kann das Reisen lernen“, behauptet Cindy Ruch. Sie hat es schon als Kind zusammen mit ihrem Bruder von ihren Eltern gelernt, wenn die Familie mit bepackten Fahrrädern ohne luxuriöse Übernachtungsmöglichkeiten den Bodensee umrundete.
Für die dritte Autorin des Abends, Caroline Gustke aus Leipzig, war es sowohl Abenteuer als auch der Wunsch nach nachhaltigem Reisen, als sie insgesamt 10 273 Kilometer mit dem Zug nach Armenien fuhr. Sie schildert in ihrem Buch „Mit dem Zug in den Kaukasus“ auf liebenswerte Art ihre Nächte in den zweistöckigen Klappbetten des Waggons, wenn sie das „Tatam, Tatam“ der Zugräder in den Schlaf wiegte, und erzählt von Freundschaften, die auf der langen Fahrt mit kaukasischen Menschen entstanden, vom gemeinsamen Teilen der Mahlzeiten, zu denen sich manchmal noch der Zugschaffner hinzugesellte. Vom Zähneputzen an Regenrinnen und vom Glück, unter einer Schaffelldecke endlich nicht mehr zu frieren. In Zeiten des Klimawandels unbeschwert und nachhaltig zu reisen, das hat Caroline Gustke erlebt und das möchte sie auch anderen Menschen weitergeben.
Kopfkino ausgelöst
Eines hatten die drei Autoren an diesem Abend gemeinsam: Mit ihren spannenden, kritischen und humorvollen Reiseerzählungen lösten sie beim Zuhörer nicht nur das berühmte Kopfkino aus, sie entfachten auf jeden Fall die Sehnsucht nach dem wahren Abenteuer.