Weinheim

Sanierung der DBS-Sporthalle: Jetzt geht's los!

Das Weinheimer Megaprojekt startet in der kommenden Woche. Was die Maßnahme kostet, wie lange die Halle gesperrt ist und warum die Sanierung überhaupt so dringend ist.

Unter dem Dach der Sporthalle der Dietrich-Bonhoeffer-Schule offenbaren sich die größten Schäden. Architekt Constantin Görtz spricht von „bauzeitlicher Gebäudetechnik“, die erneuert werden muss. Foto: Thomas Rittelmann
Unter dem Dach der Sporthalle der Dietrich-Bonhoeffer-Schule offenbaren sich die größten Schäden. Architekt Constantin Görtz spricht von „bauzeitlicher Gebäudetechnik“, die erneuert werden muss.

Feuchtigkeitsschäden, Technikausfälle, ein nicht mehr zeitgemäßer Energieverbrauch, neue Brandschutzauflagen und das Anrecht auf Barrierefreiheit – an der Sanierung der 50 Jahre alten Sporthalle der Weinheimer Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) führt kein Weg vorbei. 9,8 Millionen Euro lässt sich die Stadt Weinheim das Megaprojekt kosten, das in der kommenden Woche startet. Zunächst mit der Einrichtung der Großbaustelle. Erst am 23. März, pünktlich zum Start der Osterferien, werden die Hallen komplett gesperrt. Und das bis zum Ende der Sommerferien – 2025 wohlgemerkt. Eine anderthalb Jahre lange Durststrecke für die Schüler und Vereine, die die Halle nutzen.

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Wasserflecken an der Decke sind äußere Zeichen des schlechten Zustandes. Foto: Thomas Rittelmann
Wasserflecken an der Decke sind äußere Zeichen des schlechten Zustandes.

Es ist höchste Zeit

Seit Monaten beschäftigen sich die städtischen Mitarbeiter und beauftragten Architekten mit dem Projekt. Am Dienstag informierten sie bei einem Vor-Ort-Termin über die anstehenden Arbeiten und den zeitlichen Ablauf. Beim Rundgang wurde deutlich: Es ist höchste Zeit. In den Lager- und Geräteräumen tropft es von der Decke. Eimer fangen das Nötigste ab. Wer die metallene Leiter unters Dach hochkraxelt, kann das ein oder andere Loch entdecken. Und außerdem eine technische Ausführung, wie sie den heutigen Standards nicht mehr entspricht.

Die Fassade der DBS-Sporthalle gehört bald der Vergangenheit an. Foto: Thomas Rittelmann
Die Fassade der DBS-Sporthalle gehört bald der Vergangenheit an.

Schon 2016 waren in einem ersten Bauabschnitt die Umkleiden und Sanitärräume der Sporthallen saniert worden. Auch eine der vier Hallen bekam damals einen neuen Boden und eine neue Prallwand. Zudem wurde ein Teil der Technik erneuert. Was jetzt folgt, umfasst deutlich mehr und vor allem deutlich mehr als noch 2016 gedacht.

Auflagen und Chancen

Hintergrund ist unter anderem das neue Gebäudeenergiegesetz aus dem Jahr 2023 mit strikten Auflagen für die energetische Sanierung von öffentliche Gebäuden. Der Fokus liegt dabei auf der Dämmung, der Vermeidung von Wärmeverlust sowie auf der Nutzung von erneuerbaren Energiequellen. Dass das neue Dach der Sporthallen eine Photovoltaikanlage bekommt, ist dabei Pflicht. „Wir sehen die Auflagen aber nicht nur als Verpflichtung, sondern auch als Chance“, erklärte der Weinheimer Architekt Constantin Görtz, der zusammen mit seinem Kollegen Bernd Kopp aus Hirschberg für die Planungen des Projektes als externes Team zuständig ist. Ziel ist schließlich die Klimaneutralität. Deshalb werden die Sporthallen zukünftig mit Luftwärmepumpen ausgestattet, die Gasleitung wird gekappt.

Peter Zschippig vom Hochbauamt, Architekt Bernd Kopp und Carsten Grohrock vom Hochbauamt in den undichten Geräteräumen. Foto: Iris Kleefoot
Peter Zschippig vom Hochbauamt, Architekt Bernd Kopp und Carsten Grohrock vom Hochbauamt in den undichten Geräteräumen.

Ziel: Eigenstromversorgung

Die Pumpen verbrauchen zwar Storm, aber eben im besten Fall den der PV-Anlage auf dem Dach. Mit bis zu 115 Kilowatt-Peak ist das der erste Schritt zur Eigenstromversorgung der gesamten Schule. Im Sommer, bei großer Sonneneinstrahlung, könnte der Solarstrom für alle Schulgebäude reichen. Zumal der Stromverbrauch ohnehin deutlich gedrosselt werden soll – durch die Installation von LED-Leuchten. Laut Architekt lassen sich damit rund 70 Prozent der Energiekosten einsparen.

"Hier kommt der neue Notausgang hin." Architekt Constantin Görtz hat alles durchdacht. Foto: Iris Kleefoot
"Hier kommt der neue Notausgang hin." Architekt Constantin Görtz hat alles durchdacht.

Ohnehin ist die gesamte Gebäudetechnik nicht mehr zeitgemäß. Unlängst rief eine überhitzte Leuchte gar die Feuerwehr auf den Plan. Apropos Feuerwehr: Im Zuge der Sanierung wird der Brandschutz optimiert – mit einer neuen Rauchabzugsanlage und einem neuen zweiten Rettungsweg. Außerdem werden die Türen verbreitert, um im Notfall ein besseres Durchkommen zu gewährleisten. Peter Zschippig vom Weinheimer Hochbauamt betont jedoch, dass der Brandschutz auch im aktuellen Betrieb immer gewährleistet war und ist.

Fahrstuhl für Barrierefreiheit

Für Barrierefreiheit wird künftig ein Fahrstuhl sorgen. Er führt vom Erdgeschoss an der Ostseite zum höher gelegenen Foyer. Tim Scheil vom Amt für Bildung und Sport weiß: „An der DBS sind derzeit drei Schüler, die auf den Rollstuhl angewiesen sind.“ Wichtig ist der Lift aber auch für Vereine, die die Halle nutzen, und für die Gäste bei Sportveranstaltungen. Die sollen auch künftig von der Tribüne jubeln. Sie wird zwar nicht ersetzt, aber rundum überholt. 800 Menschen können nach den Sommerferien 2025 wieder von dort aus Spiele in der großen Drei-Feld-Halle verfolgen. Zum Sanierungsumfang gehört neben einem neuen Dach, der Fassade und der Heizanlage die Erneuerung des Schwingbodens als wichtigstes Spielgerät und der Prallwände, die den Aufprall der Sportler abfedern sollen.

Die Hallendecken werden mitsamt der Technik erneuert. Foto: Thomas Rittelmann
Die Hallendecken werden mitsamt der Technik erneuert.

Dass die Hallen jetzt komplett gesperrt werden und die Baumaßnahmen nicht parallel zum Sportbetrieb durchgeführt werden, dafür führt Zschippig gleich mehrere Gründe ins Feld: zum einen die Sicherheit der Sportler, zum anderen die höheren Kosten, die dadurch anfallen würden, und zum Dritten die zeitliche Komponente.

Was ist dem Sportunterricht?

Nichtsdestotrotz: Anderthalb Jahre sind eine lange Zeit. Wie wird sich der Sportunterricht an der DBS in diesen Monaten bewerkstelligen lassen? Die kommissarische Schulleiterin Andrea Volz bleibt entspannt: „Im Sommer werden wir ins Freie ausweichen.“ Zum Sepp-Herberger-Stadion ist es nicht weit. Außerdem können andere Hallen genutzt werden. Ausweichorte in der Nähe sind die Heidi-Mohr-Halle sowie die Sporthallen von AC und TSG. Grundsätzlich stehen aber auch die Mehrzweckhallen in Hohensachsen und Lützelsachsen zur Verfügung sowie die Kreissporthalle am Kreisschulzentrum. „Falls die Schulen dahin ausweichen wollen, gibt es auch ein Budget für die Schülerbeförderung dorthin“, erklärt Weinheims Pressesprecher Roland Kern.