Computerspiele

Süchtig nach Drachentöten

Als Zwölfjähriger übertrieb es WN/OZ-Redakteur Gabriel Schwab gerne selbst einmal, mit dem Zocken von World of Warcraft. Doch das Spiel nur mit Sucht in Verbindung zu bringen, ist zu kurz gegriffen, wie er findet.

In der Welt von „Warcraft“ werden die Spieler beispielsweise zu Kriegern oder Magiern und bekämpfen gemeinsam Monster. Im Gegenzug erhalten sie Erfahrungspunkte und Ausrüstung. Foto: ©2024 Blizzard Entertainment, Inc. All rights reserved
In der Welt von „Warcraft“ werden die Spieler beispielsweise zu Kriegern oder Magiern und bekämpfen gemeinsam Monster. Im Gegenzug erhalten sie Erfahrungspunkte und Ausrüstung.

Man sollte alles in Maßen genießen, sogar World of Warcraft! Das ist keine oberlehrerhafte Binsenweisheit von mir. Sondern ein Hinweis, der regelmäßig in World of Warcraft (kurz WoW) selbst eingeblendet wird. Und Junge, Junge, wünschte ich mir, mein zwölfjähriges Ich hätte ihn sich mehr zu Herzen genommen.

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Weihnachten 2005: Das Spiel, über das die ganze Gamingwelt und wegen seines Suchtpotenzials auch bald die Medien sprachen, lag unterm Christbaum. Ein Geschenk, das an eine Bedingung geknüpft war – nur eine Stunde pro Tag zocken!

Blöderweise lässt sich in 60 Minuten herzlich wenig in dem Spiel erreichen und auch mein Dopaminspiegel wollte noch keine Ruhe geben. Jedes Mal, wenn man im Level aufsteigt, einen schwierigen Gegner besiegt oder ein besonders schmuckes Schwert ergattert, kommt das Glück in kleinen Dosen. Und so machte ich, was alle Jugendlichen machen, um sich Freiräume zu schaffen – ich suchte mir Schlupflöcher und vertuschte.

Sehr zum Leidwesen meiner Schulnoten. Vor der Schule, während des Unterrichts, in der großen Pause: Immer und überall kreisten die Gedanken um WoW. Endlich zu Hause angekommen, landete der Ranzen in der Ecke und der PC wurde hochgefahren. Mein Avatar wurde stärker, meine Noten schlechter.

Ich selbst schaffte immer die Versetzung. Das kann ich aber nicht von jedem meiner Freunde behaupten. WoW jedoch immer nur mit Sucht in Zusammenhang zu bringen, ist bei diesem Phänomen zu kurz gegriffen. Einen gänzlich anderen und erwachseneren Umgang legte ich während der Pandemie an den Tag. Damals kam ich pünktlich zum großen Shutdown in eine mir völlig fremde Stadt. Keine Bars und Cafés – dafür Home-Office.

Ich packte also wieder WoW aus – und der soziale Aspekt des Spiels, machte mein Eremitenleben erträglich. Noch mehr als das: Innerhalb des Spiels entwickelten sich Freundschaften, die über die digitale Welt hinausgingen. Der große Unterschied, den macht der Umgang. Man sollte alles in Maßen genießen, sogar (!) World of Warcraft.