Taxi-Streife: Diese Weinheimer Ampeln ergeben keinen Sinn
Viele Weinheimer Ampeln sind nicht mit einer Sensorik ausgestattet. An manchen von ihnen könnte sich jedoch bald etwas zum Positiven verändern.
Jürgen Steinhof kennt den Weinheimer Verkehr wie seine Westentasche. Der Taxifahrer verbringt sein Arbeitsleben seit 2006 auf der Straße. Auf einer Streiffahrt mit den WN zeigt er, wo Vorsicht geboten ist und welche Ampelanlagen keinen Sinn ergeben.
„Oh, jetzt war ich wieder zu schnell. Sehen Sie: Das geht ruckzuck“, bemerkt Taxifahrer Steinhof und tritt auf die Bremse. Er befindet sich in der Tempo-30-Zone der Bergstraße in Richtung Sulzbach. Ob er sich so schon Strafzettel eingebracht hat? Der 68-Jährige macht eine wegwerfende Handbewegung: „Schon so einige.“ Er finde Tempo 30 ja völlig in Ordnung. Der wiederholte Wechsel zwischen 30 und 50 Stundenkilometern, wie es ihn auch zwischen dem Händelknoten und der Kreuzung „Alte Post“ gibt, sei aber tückisch. Hinzu komme, dass dort die Taktung der Ampeln nicht auf die Verkehrsbedingungen abgestimmt ist. Was zur Folge hat, dass Autofahrer auf der Mannheimer Straße gerne einmal auf einer roten Welle surfen. „Aber das sehen wir uns vor Ort an“, sagt Steinhof und setzt den Blinker.
Hin und Her auf Mannheimer
„Hier kann es jetzt passieren, dass wir an jeder der drei Ampeln stehen“, warnt der 68-Jährige vor. Und bei dieser Durchfahrt hat er (fast) recht: „Das ständige Losfahren und Anhalten sorgt erst recht für Lärm und CO2-Ausstoß“, kritisiert er. „Die 30er-Zone wurde aus Lärmschutzgründen eingerichtet“, erklärt Rathaussprecher Thomas Fischer auf Anfrage. Auf den ersten Metern ab dem Händelknoten dürfe dagegen noch mit 50 Stundenkilometern gefahren werden, da es dort nur die Grünfläche beziehungsweise Haltestelle und keinen Wohnbereich wie weiter stadteinwärts gibt. Die Mannheimer Straße sei auf 30 Stundenkilometer bemessen. Grundsätzlich gebe es aber diverse Faktoren (Busse, Straßenbahn, Krankenwagen, Feuerwehr), welche die Schaltung kurzfristig unterbrechen beziehungsweise verändern und damit für mehrere Phasen beeinflussen können. „Wir prüfen hier gerade, wie die Ampelschaltung geregelt ist, um möglichst eine grüne Welle zu bekommen“, sagt Fischer.
Ungleichgewicht nach Sulzbach
Eine weitere Ampel, deren Schaltung nicht auf die Verkehrsbedingungen abgestimmt zu sein scheint, begegnet Autofahrern auf dem Weg nach Sulzbach. Links: der Zubringer zur Westtangente. Rechts: die Spur Richtung Sulzbach. Geradeaus: rote Ampel. „Hier steht man einfach zu lange, wenn man aus Weinheim kommt“, sagt Jürgen Steinhof. „Dabei kommen viel weniger Autos aus Sulzbach, seit die Kreisverbindungsstraße bei Hemsbach gebaut wurde.“ Tatsächlich erklärt Landratsamtssprecherin Susanne Uhrig, dass die Planungen der Ampel-Steuerung noch aus dem Jahr 2000 sind – und damit von vor der Freigabe der Kreisverbindungsstraße bei Hemsbach (2015). Aktuell sei zwar keine Überarbeitung der Steuerung vorgesehen. Jedoch werde im Zuge der aktuellen Fahrbahnsanierung auf der B 3 die Technik der Lichtsignalanlage komplett erneuert. „Anschließend sollte durch die neuere Technik eine verbesserte Situation eintreten.“
Wie wäre es mit Sensoren?
Allgemein stellt sich die Frage, warum die starre Zeitschaltung der Ampeln nicht durch eine Sensorik ersetzt wird, die auf das tatsächliche Verkehrsaufkommen reagiert. „Bei einigen Lichtsignalanlagen ist für die Anpassung der Sensorik die komplette Erneuerung der Technik erforderlich“, erklärt die Landratsamtssprecherin.
Die Kosten hingen dabei von der Größe des Knotenpunktes und der erforderlichen Technik ab. Zwischen 50 000 und 200 000 Euro sei alles möglich – Planungsbudget nicht mit einberechnet.
Die Taxistreife steuert die Südliche Bergstraße in Richtung Lützelsachsen an. Dort löst die bahnbedingte Ampelschaltung, wie sie an der Ecke Moltkestraße und Prankelstraße zu beobachten ist, bei Jürgen Steinhof Kopfschütteln aus.
Das Problem: Gerade in den Morgenstunden staut sich sowohl auf der „Einflugschneise“ in die Innenstadt als auch auf den Straßen, die aus den Wohngebieten hinausführen, ganz schön der Verkehr. Wenn nun eine Straßenbahn kommt, gehen schon recht frühzeitig die Schranken herunter. Linksabbieger müssen erst einmal stehen bleiben. Dass die Schranken so lange unten sind, ist aber nichtmal Steinhofs Problem: „Ich habe mich beim RNV erkundigt“, erzählt der Taxifahrer. Es brauche aus Sicherheitsgründen einfach einen gewissen Vorlauf, um rechtzeitig auf etwaige Hindernisse auf den Schienen reagieren zu können.
Was passiert, wenn die Schranken wieder oben sind, versteht der 68-Jährige dagegen nicht: „Da haben erst einmal die Autos, die vom Wohngebiet kommen, grünes Licht, bevor die Linksabbieger der B 3 an der Reihe sind. Obwohl sich der Verkehr dort morgens auf über 100 Metern staut.“ Den Grund nennt das Landratsamt hierfür nicht, außer dass die Ampelschaltung auf den Vorgaben der Bahn beruht.
Eine Kreuzung, die Fußgänger auf eine Geduldsprobe stellt, ist die Anlage an der Ecke Bahnhofstraße/Bismarckstraße. Hier treffen Passanten häufig auf ausgedehnte Rotphasen. Aber nicht jeder will so lange warten. „Hier!“, zeigt Taxifahrer Steinhof auf eine Fußgängerin, die nach einigem Warten bei Rot über die Straße läuft. „Das ist leider oft der Effekt.“ Thomas Fischer von der Stadt Weinheim erläutert hierzu, dass Fußgänger sich die grüne Ampelphase bis vor einigen Jahren mit Autofahrern teilten. Dann blinkte der gelbe Pfeil für die abbiegenden Pkw auf. Mittlerweile haben Fußgänger ihre eigene Grünphase. „Darauf hatte man sich vor einigen Jahren verständigt, als es an dieser Stelle zu einem tragischen Unfall gekommen war, bei dem eine Frau von einem abbiegenden LKW übersehen wurde. Beide hatten grün“, sagt Fischer. Bei wenig Verkehr sei es aber sogar so, dass Passanten länger Grün als eigentlich erforderlich haben.
Im Berufsverkehr wird’s schwierig
„Im Tagesbetrieb läuft es ja allgemein mit den Ampeln“, stellt Berufsfahrer Jürgen Steinhof am Ende der Streife fest. „Aber sobald Berufsverkehr dazu kommt, wird’s schwierig.“ Und für Fahrgäste etwas teurer: Denn das Taxameter tickt – auch wenn die Zeit an der roten Ampel stillzustehen scheint.