Trotz Erhöhung: Weinheimer BKK Freudenberg in den „Top Ten“
Die Weinheimer Krankenkasse hat zum Jahreswechsel zwar auch den Zusatzbeitrag erhöht, aber sie liegt damit deutlich unter dem Durchschnitt. Warum die Beiträge erhöht werden.
Fast alle gesetzlichen Krankenkassen haben zum Jahreswechsel den Zusatzbeitrag erhöht. Die BKK Freudenberg in Weinheim ist da keine Ausnahme. Zum 1. Januar kletterte der Zusatzbeitrag von 1,5 auf 2,49 Prozent. Auch wenn das für die Bestandskunden natürlich unerfreulich ist, sind die Folgen für die Weinheimer Krankenkasse aktuell sogar positiv.
Bereits 500 Neukunden
Denn mit ihrem neuen Beitragssatz von 17,09 Prozent (14,6 Prozent gesetzlich festgelegter Beitragssatz plus 2,49 Prozent Zusatzbeitrag) rangiert die BKK Freudenberg sowohl in Baden-Württemberg als auch in Hessen nach Angaben des Vergleichsportals „Krankenkasseninfo“ auf Platz acht der günstigsten Krankenkassen. Die Folge: „Zum Jahreswechsel haben wir bereits 500 Neukunden gewonnen“, berichtet BKK-Vorstand Helmut Heller auf Nachfrage der Redaktion.
Nach Angaben des Spitzenverbandes der Kassen (GKV) liegt der Durchschnittswert beim Zusatzbeitrag bei 2,91 Prozent; der amtliche Orientierungswert wurde auf 2,5 Prozent festgelegt. Auch wenn die BKK noch knapp darunter liegt, ist Heller bewusst, dass die Erhöhung um 0,99 Prozentpunkte für die Versicherten eine zusätzliche Belastung ist. Bei einem monatlichen Einkommen von 3.500 Euro bedeutet das Mehrkosten für einen Arbeitnehmer in Höhe von 17,33 Euro pro Monat (207,96 pro Jahr).
„Ich kann den Unmut verstehen, denn das ist schon ein großer Schritt“, räumt er ein. „Aber angesichts der weiter steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen waren wir dazu gezwungen.“ Denn die Ausgaben der gesetzlichen Kassen seien im vergangenen Jahr um 7,4 Prozent gestiegen, die Einnahmen dagegen nur um 5,6 Prozent, erläutert Heller.
Forderungen an die Politik
Schuld an den Kostensteigerungen seien in erster Linie politische Entscheidungen der vergangenen Jahre. Im Jahr 2012 hätten die Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für die Gesundheit in Deutschland noch bei 3.785 Euro je Versicherten gelegen. Zehn Jahre später seien es bereits 5.939 Euro gewesen – ein Anstieg um 56,9 Prozent.
Auch die mittlerweile gescheiterte Ampel-Koalition habe keine ihrer Zusagen aus dem Koalitionsvertrag gegenüber den Krankenkassen umgesetzt, schreibt die BKK auf ihrer Homepage. Weiter heißt es dort: „Wir sind überzeugt, dass die Politik mehr Verantwortung für die Stabilisierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen übernehmen und langfristige Lösungen schaffen sollte. Eine sinnvolle Maßnahme wäre, die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln sicherzustellen und den Mehrwertsteuersatz für Arzneimittel auf sieben Prozent zu senken. Diese Schritte könnten die Beitragszahler jährlich um rund 13 Milliarden Euro entlasten und den Zusatzbeitragssatz um 0,7 Prozentpunkte senken.“
Um für 2025 einen soliden Haushalt zu planen, habe der Verwaltungsrat der BKK Anfang Dezember 2024 die Erhöhung des Zusatzbeitrages beschlossen. „Aber bei den Leistungen, die wir unseren Kunden anbieten, werden keine Abstriche gemacht“, fügt der BKK-Vorstand hinzu. Das Vergleichsportals „Krankenkasseninfo“ bewertet die Leistungen der Weinheimer Kasse mit der Testnote 1,1 – ein Spitzenwert.
Zum Vergleich: Die AOK (Zusatzbeitrag 2,6 Prozent) wird dort zum Beispiel mit der Testnote 1,6 bewertet, die Barmer (Zusatzbeitrag 3,29 Prozent) mit der Note 1,5 und die Techniker Krankenkasse (Zusatzbeitrag 2,45 Prozent) mit der Note 1,3.
38.000 Versicherte
Die BKK Freudenberg feierte im vergangenen Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Bis 1995 konnten sich dort nur Beschäftigte der Firma Freudenberg und deren Angehörige versichern, ab 1996 öffnete sich die BKK für alle gesetzlich Versicherten in acht Bundesländern. Zum Start der neuen Ära hatte sie knapp 22.000 Versicherte. Bis 2024 stieg diese Zahl auf 38.000. Rund 60 Mitarbeiter arbeiten für die BKK Freudenberg, die 2023 bei der Krankenversicherung ein Haushaltsvolumen von 134 Millionen Euro hatte. Der Hauptsitz befindet sich im Industriepark von Freudenberg in Weinheim.
Hinweis der Redaktion: In der ersten Fassung des Online-Beitrags hatte sich leider ein Rechenfehler bei der Mehrbelastung der Versicherten eingeschlichen. Vielen Dank an den aufmerksamen Leser, der die Redaktion darauf hingewiesen hat. Der Fehler wurde korrigiert.