Umzug erster Höhepunkt der Kerwe
Von der Eröffnung bis zum Kerweumzug am Sonntag erlebten die Besucher in Nieder-Liebersbach originelle und bunte Unterhaltung.
Ein Asteroideneinschlag hinter der katholischen Kirche in Nieder-Liebersbach, Kerweborschte, die als Wissenschaftler in dem Stein, der vom Himmel fiel, eine goldene Flasche Apfelwein entdecken, und zwei Aliens, die erst mal eingefangen werden mussten – dieser Vor-Ort-Termin anlässlich des Kerweauftakts im Birkenauer Ortsteil war wahrhaft journalistisches Gold. Schließlich war das traditionelle Ausgraben der Kerwe in diesem Jahr eine galaktische Veranstaltung – und dies durchaus im wahrsten Sinne des Wortes.
Umzug mit 40 Nummern
Bevor der gestrige Kerweumzug mit der stolzen Zahl von 40 Zugnummern einen weiteren Höhepunkt der vier tollen Tage im Birkenauer Ortsteil darstellte, hatten sich die Borschte um Kerwepfarrer Peter Jochim für die Ausgrabung der Kerwe am Freitag – in diesem Jahr auf einem Acker gegenüber der Grundschule vollzogen – nämlich besonders kreativ ins Zeug gelegt. Vor einer großen Zahl an Zuschauern sorgten die Kerweborschte für einen fantasievoll gestalteten und besonders unterhaltsamen Auftakt des Festes mit viel Science-Fiction-Flair.
Nachdem das Kerwevolk – darunter die Kerweborschte und die Kerwepfarrer aus Laudenbach, Hemsbach, Sulzbach, Lützelsachsen, Schriesheim, Heddesheim, Alt-Weinheim, Bonsweiher und Leutershausen sowie die Weinhoheiten aus Hemsbach, Lützelsachsen und Schriesheim – den Kerwepfarrer an der alten SVG-Halle abgeholt hatte, zog es zu den Marschmusikklängen des Spielmannszuges der SVG Nieder-Liebersbach unter der musikalischen Leitung von Stefanie Scheuermann zur Kerweausgrabungsstelle, nur um dort eine Asteroideneinschlagstätte vorzufinden. Das war aber nur ein Teil einer erstklassigen Gesamtinszenierung.
Ein silberner, großer Stein, mit Absperrband vorschriftsmäßig eingegrenzt, war auf der Wiese zu sehen, offensichtlich erst kürzlich und erstaunlich unbemerkt hinter dem Gotteshaus zur Erde gefallen. Grund genug für die Borschte, die Wissenschaftlerkittel überzustreifen und dem Mysterium auf den Grund zu gehen. Mit Erfolg: Eine goldene Flasche Apfelwein befreiten sie aus dem Inneren des Weltallbrockens. Als dann noch zwei grüne Männchen aus dem All, die auf dem Gelände ihr Unwesen trieben, erfolgreich eingefangen waren – der guten Ringerschule der SVG sei Dank – konnte das Fest nach alter Sitte eröffnet werden.
Die von Jochim traditionell mit Klobürste und Wassereimer gesegneten Borschte und das Kerwevolk sorgten mit dem Singen der traditionellen Kerwelieder für den brauchtumsgerechten Festauftakt. Jochim dankte in Reimform für den Umstand, dass die Flasche Äppler nach tausendjähriger Reise durch die Galaxie ausgerechnet in Nieder-Liebersbach gelandet war, und lud die Zuschauer zur Feier des Tages ins Kerwedorf ein, das „Cape Canaveral“ des Odenwaldes, wie Jochim sagte.
Der Mensch im Mittelpunkt
Im Festzelt wurde der Zug gebührend willkommen geheißen vom Vorsitzenden des Vereins Liewerschbescher Kerwe, Reiner Jöst. Der Vorsitzende begrüßte besonders Birkenaus Bürgermeister Milan Mapplassary und den ehemaligen langjährigen Ortsvorsteher Volker Buser und dankte den etlichen Helfern, die den Dorfplatz auch in diesem Jahr wieder für vier Tage zum geselligen Mittelpunkt des Ortslebens werden lassen. „Es ist nicht das Bier, nicht die Musik, nicht das Zelt – es ist die besondere Kraft, die Liebersbach zusammenhält“, lobte der Bürgermeister in Reimform die vielen Ehrenamtler, die einer Kerwe, in der der Mensch im Mittelpunkt stehe, Jahr für Jahr das Leben einhauchten.
Einen tollen Auftritt trotz ganz junger Jahre brachte das Kerwepärchen Hannah Wagner und Moritz Klos auf die Bühne, die in Trachten gekleidet im besten Liewerschbescher Dialekt und ebenfalls in Reimform im freien Vortrag das Fest eröffneten. Die Band „Die Singles“ sorgte mit Stimmungskrachern für die passende Untermalung des Abends und trug bei zu einem tollen Start des Festes, das seinem Ruf als „beste Kerwe des Odenwalds“ wieder mal gerecht wurde.