Black Friday in Weinheim: Für kleine Läden oft ein Verlustgeschäft
Der Black Friday lockt weltweit mit riesigen Rabatten in die Geschäfte, doch in der Weinheimer Innenstadt sehen lokale Händler die Rabattschlacht eher kritisch.
Überfüllte Einkaufswägen, rekordverdächtig niedrige Preise, massenhafte Kundenströme weltweit – am Freitag stand wieder die größte Rabattschlacht des Jahres an. Traditionell läutet der sogenannte „Black Friday“ einen Tag nach dem US-amerikanischen Feiertag Thanksgiving den Beginn der Weihnachtseinkaufsaison ein.
Sowohl bei großen Online-Händlern als auch beim lokalen Einzelhandel sollte der „Extrem-Spartag“ mit (oftmals vermeintlich) hohen Vergünstigungen zu einem größeren Kaufverhalten anregen. Unsere Redaktion hörte sich im Weinheimer Einzelhandel um, was er vom „Black Friday“ hält.
Hoher Preisnachlass schwierig
„Für kleinere Unternehmen ist es schwieriger, einen hohen Preisnachlass zu gewähren“, erklärte Natascha Rude. Sie führt in der vierten Generation das Lederwarengeschäft „Leder Rude“, gleich am Anfang der Fußgängerzone.
Dennoch: Bei dem Familienbetrieb waren am Freitag alle Kleidungsstücke um 50 Prozent reduziert. „Der Wettbewerb diktiert die Vergünstigungen“, sagte die 34-Jährige. „Es hört ja nie auf mit den Rabatten.“ „Leder Rude“ beteilige sich jedes Jahr an dem Aktionstag.
Auch wenn die Aktion nur selten neue Käufer anlocke. Sie ist überzeugt: „Wer nur nach einem günstigen Preis sucht, findet nie das richtige Produkt.“
"Lohnt sich nicht"
Im Laden von Alexandra Ebert-Rödel suchte man allerdings vergebens nach Preissenkungen. „Der Black Friday lohnt sich für mich einfach nicht“, sagte die 53-Jährige. Sie betreibt „Das Lieblingsstück“ in der Grabengasse, ein Geschäft für Dekoration und Möbel.
Während Internet-Versandhändler durch die schiere Masse an Artikeln von der Rabattaktion profitieren, könne es für den Einzelhandel in die roten Zahlen gehen. „Große Online-Händler werfen förmlich mit Ermäßigungen um sich – für uns kleine Läden ist das ein Verlustgeschäft“, bedauerte die Inhaberin. „Bei uns würde nach so einer Aktion nichts übrig bleiben.“
Mittel zum Zweck
Für Sebastian Kerner spielt der Black Friday keine Rolle. „Jede Ware hat ihren Wert, daher finde ich, dass man sie nicht unter diesem verkaufen sollte“, erklärte der 41-Jährige, der das Herrenmodegeschäft „Englert“ in der Hauptstraße führt.„Die sogenannten Mondpreise sind für mich eher ein Mittel zum Zweck. Der wahre Rabatt liegt oft bei fünf bis zehn Prozent – nicht so astronomisch hoch, wie es auf den ersten Blick aussieht“, sagte Kerner.