Humanitäre Hilfe

Warum es "Weinheim" auch in Südafrika gibt

Was mit Virienne Kalkers Hilfe begann, wirkt bis heute: Das Township „Weinheim“ in Kapstadt wächst – getragen von Spenden, Engagement und Solidarität.

Besuch in Südafrika: Florian Krämer, Gründer von Vulamasango, Oberbürgermeister Manuel Just, Nokethula Krämer, Geschäftsführerin von Vulamasango, Heiner Bernhard und Michael Kupito, Township Weinheim (von links). Foto: Stadt Weinheim
Besuch in Südafrika: Florian Krämer, Gründer von Vulamasango, Oberbürgermeister Manuel Just, Nokethula Krämer, Geschäftsführerin von Vulamasango, Heiner Bernhard und Michael Kupito, Township Weinheim (von links).

Weinheim. Gemeinsam mit seinem Vorgänger Heiner Bernhard besuchte Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just kürzlich das südafrikanische Township „Weinheim“. Diese Armensiedlung am Rande Kapstadts trägt ihren Namen in Erinnerung an die Verbindung zur badischen Stadt – eine Verbindung, die auf die 2017 verstorbene Virienne Kalker, geb. Kauffmann, zurückgeht.

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Kalker, gebürtig aus Luxemburg und langjährige Bürgerin Weinheims, hatte sich gemeinsam mit der Kapstädterin Barbara Kupito und deren Ehemann Michael über Jahre hinweg für die Menschen im Township engagiert. Die Siedlung entstand aus einem sogenannten „Squattercamp“, einer illegalen Ansammlung von Wellblechhütten.

Mit Spenden aus der Weinheimer Geschäftswelt – vor allem aber durch persönliche Mittel – sorgte Kalker für regelmäßige Essensausgaben, insbesondere für Frauen und Kinder. Gleichzeitig setzte sie sich für bessere Lebensbedingungen ein: Elektrizität wurde gelegt, sanitäre Gemeinschaftsanlagen mit fließendem Wasser und Kanalisation eingerichtet.

Ein Ort erhält seinen Namen

Auf Einladung Kalkers besuchte Heiner Bernhard 2017 erstmals das Township. Sie hatte ihn gebeten, sein Einverständnis zur symbolischen Namensgebung „Weinheim“ zu geben – sichtbar gemacht durch ein Schild an einer Gemeinschaftshütte. Ein halbes Jahr nach Kalkers Tod im Oktober 2017 verstarb auch Barbara Kupito. Seitdem führt Michael Kupito die Arbeit vor Ort weiter, unterstützt von Angehörigen und Freunden. Die finanzielle Basis bildet ein von Bernhard verwaltetes Vermächtnis Kalkers, das gezielt zur Unterstützung der Bewohner eingesetzt wird.

Inzwischen hat sich viel verändert: Bis auf einige Hütten, die als Gemeinschafts- und Gebetsräume dienen, wurden alle Bauten durch feste Wohnhäuser ersetzt. Rund 500 Familien sind in moderne Unterkünfte mit vollständiger Haustechnik eingezogen – ermöglicht durch staatliche Unterstützung.

„Die Lebensverhältnisse haben sich deutlich verbessert“, stellte Bernhard bei seinem aktuellen Besuch fest. Solche Entwicklungen seien zwar in mehreren Regionen der Westkap-Provinz zu beobachten, doch trotz kostenloser Gesundheitsversorgung und Bildungszugang bleibe die Situation fragil.

Michael Kupito sorgt weiterhin für die regelmäßige Versorgung der Familien mit Lunchpaketen. Er erkennt Bedarfe und hilft unbürokratisch, etwa bei der Beschaffung eines Rollstuhls. Auch Spielangebote für Schulkinder nachmittags liegen ihm am Herzen – hierfür steht er im Austausch mit den örtlichen Behörden.

Verbindung zu Vulamasango

Ein weiteres Beispiel für nachhaltiges Engagement in Kapstadt ist das Projekt „Vulamasango“ („Offene Tore“ in der Sprache der Xhosa), das der Mannheimer Florian Krämer 2009 gründete. Die Non-Profit-Organisation nimmt verwaiste, verlassene und missbrauchte Kinder aus Kapstadts Townships auf und bietet ihnen ein sicheres Zuhause sowie Perspektiven.

Nach einem Austausch mit einem Vorstandsmitglied des Mannheimer Fördervereins lernte Heiner Bernhard das Projekt kennen. Gemeinsam mit Manuel Just und Michael Kupito besuchte er das weitläufige Gelände und ließ sich von Gründer Florian Krämer und dessen Adoptivtochter, der heutigen Leiterin, über die Arbeit informieren.

Beim Treffen vereinbarten Kupito und Vulamasango eine engere Zusammenarbeit – mit dem Ziel gegenseitiger Unterstützung. Seit 2018 ist Vulamasango staatlich anerkannt als „Child and Youth Care Centre“ (CYCC), einem Kinder- und Jugendheim. Getragen wird es unter anderem vom Förderverein Positiv Leben e.V. in Mannheim-Neckarau und einem Schwesterverein in der Schweiz. (tak)

Weitere Infos gibt es im Internet: https://www.vulamasango.org/de/