Warum für Hans Hein Sport der Schlüssel zur Demenzprävention ist
Neueste Studien sehen einen Zusammenhang zwischen Muskelmasse und Demenz. In seinem Weinheimer Fitnessstudio hält Hans Hein seine Kunden mit Vibrationstraining fit. Warum besonders das viszerale Bauchfett ein Gesundheitsrisiko ist.
Fit im Alter zu sein, lohnt sich nicht nur für die körperliche Gesundheit, sondern auch für die geistige. Forscher haben einen Zusammenhang zwischen Muskelmasse und Demenz gefunden. Wer an Demenz leidet, verliert oft auch viel Muskelmasse. Lange Zeit wurde das als typische Folge der Erkrankung betrachtet. Doch ein Forscherteam von der „University of California“ kam zu einem anderen Schluss, veröffentlicht im Journal „BMJ Medicine“. Das Team identifizierte Gene und Botenstoffe, die mit Muskeln in Verbindung stehen. Dabei stellte man fest, dass sich der gesundheitliche und kognitive Zustand direkt auf die Muskelmasse zurückführen lässt.
Hans Hein, der in seinem Sportstudio in Weinheim (Amtsgasse 10) seit über 15 Jahren Trainingseinheiten mit Vibrationstechnologie anbietet, kennt die Zusammenhänge und weiß aus jahrelanger Erfahrung, dass besonders das viszerale Bauchfett, das viele wichtige Organe umschließt, mit einer Reihe von Erkrankungen in Zusammenhang steht. „Dieses Fett ist gefährlich und kann zu Bluthochdruck, Diabetes und sogar Krebs führen“, sagt der ehemalige Fußball-Bundesligaprofi. Auch das größere Risiko durch das „schlechte Fett“ früher an Alzheimer zu erkranken, sei nach den neuesten Studien jetzt nachgewiesen. Wichtig sei, dass der Körper durch das Training mehr Sauerstoff erhalte und somit besser regenerieren und leistungsfähiger werden könne.
Wie wichtig ist regelmäßiges Training für die Gesundheit?
Bei einem 1,75 Meter großen Menschen senkten nach neuesten Studien 30 Gramm zusätzliche Muskelmasse das Alzheimer-Risiko um zwölf Prozent. Außerdem schnitten in den Studien muskulösere Probanden besser in den kognitiven Tests ab. Ein Krafttraining für den Muskelaufbau schützt also vermutlich vor Demenz, ähnlich wie Jogging und andere Ausdauersportarten, von denen das schon länger bekannt ist.
Wie lässt sich dieser Umstand erklären?
Als hauptsächliche Ursache vermuten die Wissenschaftler, dass Muskeln – in Abhängigkeit von ihrem Umfang – einen Botenstoff namens Irisin abgeben. Nach der Freisetzung gelangt Irisin über den Blutkreislauf ins Gehirn. Die Forschergruppe konnte zeigen, dass Patienten mit Alzheimer verminderte Irisin-Spiegel in der Hirnflüssigkeit haben. Dagegen zeigte sich in Arbeiten der Forschergruppe kaum eine Tendenz zu Alzheimer, wenn erhöhte Irisin-Spiegel vorlagen. Fazit: Diese und andere Ergebnisse belegen, dass eine beginnende Demenz durch körperliche Aktivität positiv beeinflusst werden kann. Einige Studien geben bereits Hinweise darauf, dass dies nicht nur vor Demenz, sondern auch vor Parkinson schützen könnte.
Wie wird das Muskelgewebe gemessen?
Die Menge an magerem Muskelgewebe und Fettgewebe wird mithilfe der Bioimpedanzanalyse in den Armen und Beinen ermittelt. Dabei fließt nicht fühlbarer elektrischer Strom mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durch den Körper, der den Zell- und Wasserwiderstand misst. Der Zellwiderstand zeigt, zu wie viel Prozent der Körper aus Muskeln und Organen besteht. Der Wasserwiderstand gibt Aufschluss über das im Körper gespeicherte Wasser und den jeweiligen Fettanteil. Daraus lässt sich dann die Körperzusammensetzung einer Person erschließen. Fast jedes Sportstudio in der Region kann mittlerweile diese Analyse vornehmen. Oft wird sie zum Start einer Trainingsinitiative angewandt.
Wie genau lief die Studie in den USA ab?
Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher Informationen aus der U.K. Biobank, einer britischen Langzeitstudie, in der Gesundheitsdaten sowie genetische Daten erfasst werden. Sie werteten diese zu Genen, magerer Muskelmasse, Fettmasse sowie kognitiver und allgemeiner Gesundheit von 450.243 Personen aus. Von diesen bildeten 21.982 eine Gruppe aus Alzheimer-Patienten, während 41.944 Menschen ohne Alzheimer die Kontrollgruppe bildeten. Mit zwei weiteren Gruppen – 7329 Alzheimer-Kranken und 252.879 Kontrollpersonen – replizierten die Wissenschaftler ihr Studiendesign, führten ihre Analyse also ein zweites Mal durch.
Wie kann die Studie eingeordnet werden?
Angesichts dieser Ergebnisse vermuten die Wissenschaftler, dass die Muskelmasse einen gewissen Schutzfaktor darstellen könnte. Mit anderen Worten: Wer es schafft, mithilfe von Ernährung und Training Muskeln aufzubauen, ohne Fett zuzulegen, könnte einer Alzheimer-Erkrankung vorbeugen – zumindest zu einem gewissen Grad.
Welche Risikofaktoren begünstigen Demenz?
Etwa 1,6 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Demenzerkrankung. Dabei ist eine Demenz infolge einer Alzheimer-Erkrankung die häufigste Form. Als Risikofaktoren, die die Entstehung einer Demenz begünstigen, sind, neben Alter, auch der Bewegungsmangel als großer Faktor zu nennen.
Sind die Ergebnisse der Studien zum Vibrationstraining ähnlich?
Ja. Neueste Veröffentlichungen in der United States National Library of Medicine, der weltgrößten medizinischen Bibliothek, bestätigen die Ergebnisse. Hier wurde festgestellt, dass die gesamte Körperschwingung beim Training physiologische Veränderungen bei menschlichen Probanden hervorruft, die ihre neuromuskulären, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Funktionen verbessern. Es gibt Beweise dafür, dass die gesamte Körperschwingung zu einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten beiträgt und altersbedingter kognitiven Störungen entgegenwirkt.
Wie funktioniert die Technologie genau?
Ausgestattet mit zwei Hochleistungsmotoren werden mechanische, multidimensionale Schwingungen erzeugt. Diese lösen in den Muskeln pro Minute bis zu 2400 Kontraktionen aus, dabei werden nahezu 100 Prozent der Muskelfasern trainiert, ohne dass man sich dafür bewegen muss. Das sind mehr als doppelt so viele wie bei einem normalen Work-out. Das Training wird als Bewegungstherapie auch bei älteren Menschen eingesetzt. Es eignet sich auch dafür, das viszerale Bauchfett zu reduzieren und – wie die neuesten Studien bewiesen haben – damit Demenz vorzubeugen. Das Training gilt als effizient und wurde bereits in den 70er Jahren für Astronauten entwickelt.