Weinheim: Gemeinsam für lebendige Innenstädte kämpfen
Das erste Treffen des „Netzwerks Innenstadt und Wirtschaft“ bringt Akteure zusammen. Welche Vorträge ab Dienstag, 22. Oktober, in Weinheim stattfinden
Landesweit kämpfen viele Innenstädte ums Überleben. Die Betriebe sehen sich mit steigenden Kosten, einem akuten Fachkräftemangel und rückläufigen Umsätzen konfrontiert, die zum Teil in den Online-Handel abgewandert sind. Hinzu kommen Probleme bei der Suche nach geeigneten Nachfolgern, aber auch bürokratische Hürden, die wertvolle Personalressourcen binden.
So beschreibt Axel Nitschke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, die aktuelle Situation. Doch Aufgeben ist keine Option. Denn funktionierende Innenstädte sind auch ein Stück Lebensqualität.
Deshalb sind – mit finanzieller Unterstützung des Landes Baden-Württemberg – schon seit 2021 die „IHK-Innenstadtberater“ unterwegs, um Städte zwischen 10 000 und 50 000 Einwohnern mit ihrer Expertise zu unterstützen. 16 Kommunen aus dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Neckar-Odenwaldkreis machen mit und haben bereits 110 konkrete Maßnahmen umgesetzt. Die beteiligten Kommunen sind: Buchen, Dossenheim, Eberbach, Eppelheim, Hockenheim, Ladenburg, Leimen, Mosbach, Neckargemünd, Nußloch, Schriesheim, Schwetzingen, Sinsheim, Walldorf, Weinheim und Wiesloch.
Vernetzen und Weiterentwickeln
Für Patrick Rapp, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, ist den Beteiligten damit ein „Leuchtturmprojekt“ gelungen, das nun seine Fortsetzung mit dem „Netzwerk Innenstadt und Wirtschaft“ findet. Zur Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung der beiden Landkreise mit der IHK trafen sich die Akteure aus Verwaltung, Gewerbe- und Handelsvereinen am Montag in Weinheim.
Das Ziel formulierte Nitschke so: „Innenstädte sind Orte des Miteinanders. Zugleich sind sie auch Wirtschaftsstandorte mit einem vielfältigen Angebot an Handel, Gastronomie und Dienstleistungen. Diese Vielfalt gilt es zu erhalten und weiterzuentwickeln.“ Mit dem neuen Netzwerk werde der passende Rahmen dafür geschaffen, dass die beteiligten Kommunen voneinander lernen und ihre Kräfte bündeln. Dabei geht es nicht um „Ideen von der Stange“, sondern um maßgeschneiderte Lösungen – zum Beispiel „Gastregale“ in Geschäften, die Waren benachbarter Läden präsentieren (Walldorf), die Aktivierung der Unternehmerschaft für die gemeinsame Gestaltung der Innenstadt (Schriesheim) oder ein „Feierabendmarkt“, der Nahversorgung mit Eventcharakter verbindet (Hockenheim).
Was Weinheim zu bieten hat
In Weinheim entwickelten die Akteure gemeinsam die Zweiburgen-Karte, die in mehr als 60 Geschäften beim Einkauf akzeptiert wird. Einmal im Monat treten Musiker aus der Region bei der Konzertreihe „Woinem Live“ mitten in der Fußgängerzone auf. Und seit November 2023 gibt es in der angrenzenden Hauptstraße den Pop-up-Store „Design Stories“, der von der Stadt Weinheim unterstützt wird.
Von dieser Idee konnten sich die Teilnehmer des ersten Netzwerktreffens beim Rundgang durch die Innenstadt gleich selbst ein Bild machen. Design-Unikate aus dem 3-D-Drucker gibt es dort ebenso zu entdecken, wie Gemälde, Skulpturen, Fotografien und kreative Produkte aus Papier. Im Gespräch mit den Betreibern wurde deutlich, wie viel Kreativität und Leidenschaft sie mitbringen, auch wenn der Laden wegen seiner „1B-Lage“ kein Selbstläufer ist. Besondere Events – wie kürzlich der „Weinheimer Herbst“ mit verkaufsoffenem Sonntag und Slow-Food-Markt – seien deshalb besonders wichtig, um auf sich aufmerksam machen zu können.
„Zukunftslabor“ in der „Weinheim Galerie“
Anschließend machte sich der Tross auf den Weg in das Einkaufszentrum „Weinheim Galerie“, wo im Untergeschoss für drei Tage das „Mobile Zukunftslabor“ eingezogen ist. Dort werden noch bis Donnerstag, 24. Oktober, digitale Innovationen für den stationären Einzelhandel und die Gastronomie vorgestellt – vom individuell regelbaren Tischlicht, das im Restaurant zugleich als Ladestation für das Smartphone fungiert, bis zum digitalen BH-Größenberater, der den Kundinnen auch gleich zeigt, wo das passende Teil im Laden zu finden ist.
Im „Zukunftslabor“ werden noch bis Donnerstag kostenlose Führungen zwischen 9 und 12 sowie zwischen 14 und 18 Uhr angeboten. Ferner finden mehrere öffentliche Vorträge statt. Am Dienstag, 22. Oktober, heißt es von 18.30 bis 19.30 Uhr „Vom Like zum Umsatz: praktische Tipps und Tricks, um durch Social Media neue Kunden zu erreichen“. Am Mittwoch, 23. Oktober, geht es von 10 bis 11 Uhr um „Recruiting-Strategien für die digitale Personalgewinnung“. Ebenfalls am Mittwoch beschäftigt sich das „Zukunftslabor“ von 18.30 bis 19.30 Uhr mit der Frage: „Wie ticken junge Konsumenten?“ Am Donnerstag, 24. Oktober, von 9 bis 10 Uhr geht es schließlich um „Einsatz und Potenziale von Point-of-Sale-Technologien im Einzelhandel“.