Weinheimer findet regungslosen Einbrecher auf seinem Dach - Haft!
"Ich dachte erst, er sei tot", berichtet Wolfgang Eberle über den Anblick des regungslosen Mannes. Schlussendlich geht alles gut ... und endet im Gefängnis
„Wolfgang, bei dir liegt ein Mann auf dem Dach!“ Als der Nordstädter Wolfgang Eberle diesen Anruf seiner Nachbarin erhält, denkt er zunächst, sie will ihn veräppeln. Natürlich ist er neugierig. Und tatsächlich haben ihn bereits in aller Herrgottsfrühe eigenartige Geräusche aus dem Schlaf geholt. Nun, da er vor seinem Häuschen steht und realisiert, dass es kein nachbarlicher Scherzanruf war, greift er selbst zum Hörer – und wählt die 112. Kurz darauf holen Blaulicht und Sirenen auch den letzten Anwohner aus dem Bett.
Ich dachte erst, er sei tot. - Anwohner Wolfgang Eberle
Was war in der Nordstadt los? Wie Stefan Wilhelm, Sprecher beim Polizeipräsidium Mannheim, erklärt, wurden die Einsatzkräfte wegen eines medizinischen Notfalls alarmiert. Ein 21-Jähriger lag bewusstlos auf besagtem Dach in der „Kurzen Straße“ und musste von dort gerettet werden. Feuerwehrkommandant Ralf Mittelbach erläutert, dass die Brandschützer mit der Drehleiter angerückt sind. Nachdem die Person von der Polizei gesichert wurde, habe die Feuerwehr den jungen Erwachsenen herunter auf die Straße geholt, wo bereits der Rettungsdienst bereitgestanden hatte, um den fröstelnden 21-Jährigen entgegenzunehmen. „Weitere Ermittlungen ergaben, dass der Mann möglicherweise in einen Einbruch involviert war“, so Polizeisprecher Wilhelm. Denn vom Haus schräg gegenüber aus wurde genau ein solcher gemeldet.
Als unsere Redaktion in die „Kurze Straße“ kommt, ist Horst Kadel gerade dabei, sein Kellerfenster einbruchsicher zu machen. Zumindest, was davon übrig ist. Denn das Glas wurde eingeschlagen, das Fenster als Einstieg in die Kellerräume genutzt. Ähnlich wie bereits Nachbar Wolfgang Eberle berichtet auch Kadel, dass es zu eigenartigen Geräuschen in der Nacht kam. Diesmal nicht vom Dach, sondern aus dem Souterrain. Der Sohn sei daraufhin die Treppe heruntergelaufen und der Einbrecher direkt in seine Arme. „Er hat dann geschrien: Wer sind Sie? Ich rufe die Polizei!“ Hierauf habe der Täter die Flucht ergriffen, dabei denselben Weg nach draußen genommen, über den er hineingekommen war. Ob etwas geklaut wurde? So ganz ist sich Horst Kadel noch nicht sicher – wer weiß schon auswendig, was er alles im Keller stehen hat. „Eine Dose Erdnüsse hat er mitgenommen“, berichtet er schmunzelnd.
Wie ist er auf dem Dach gelandet?
Die Vermutung aller Beteiligten: Alarmiert von der Drohung und dann der tatsächlichen Präsenz der Ordnungshüter, versuchte sich der Einbrecher in Sicherheit zu bringen. Eberle meint, den Fluchtweg rekonstruieren zu können. Von Kadels Haus aus muss er auf den gemeinsamen Hof von Eberle und seinem Nachbarn geflüchtet sein.
Dort ist er wahrscheinlich über die Mauer und das Dach eines Fahrradschuppens auf Eberles Haus gestiegen. Ein abgerissenes Fliegengitter unterstützt die These. Der Senior vermutet, dass sich der Einbrecher daran festhalten wollte und es abgerissen hat. Die weitere Vermutung: Um den Blicken der Polizei zu entgehen, die mittlerweile angerückt war, legte sich der 21-Jährige flach auf das Dach und harrte dort aus.
Die niedrigen Temperaturen könnten dann zur Unterkühlung und Bewusstlosigkeit geführt haben. „Ich dachte erst, er sei tot“, erinnert sich Wolfgang Eberle an den Anblick des regungslosen Mannes. Gesundheitlich scheint jedoch schlussendlich alles halb so wild gewesen zu sein. Am Nachmittag erklärt Polizeisprecher Wilhelm, dass der 21-Jährige nach seiner Behandlung einem Haftrichter vorgeführt wurde. Nun befindet er sich in einer Justizvollzugsanstalt.
So schätzt die Polizei das Problem ein
In Weinheim und Umgebung häufen sich seit gut zwei Monaten die Einbruchsdelikte. Allein die Fälle, die die Polizei publik machte (etwa weil sie Zeugen sucht), summieren sich auf über ein Dutzend. Die allermeisten davon spielten sich in Weinheim ab (wir haben berichtet). Philipp Kiefner, Sprecher beim Polizeipräsidium Mannheim, kann für das Jahr 2024 noch keine genauen Zahlen nennen. Auf eine Anfrage von vergangener Woche beruhigt er jedoch, dass sie bislang unter dem Niveau von 2023 liegen. Gleichzeitig betont er, dass es sich dabei um eine vorläufige Einschätzung handele.
Die Zahlen für 2023 sind jedoch gesichert: In Weinheim gab es 55 Einbrüche, der entstandene Schaden war mit 200 000 Euro besonders hoch. Ob es zwischen den vielen Einbrüchen in Weinheim im aktuellen Jahr Zusammenhänge gibt, bei dieser Frage bittet das Polizeipräsidium Mannheim um Verständnis: Man könne über die teils noch laufenden Verfahren aus dem Jahr 2024 keine Auskünfte geben. „Das betrifft auch die Frage, ob ein Tatzusammenhang zwischen einzelnen Einbrüchen besteht“, sagt Polizeihauptkommissar Kiefner.