Vom Acker auf den Teller

Wie ein Weinheimer Verein Kindern Landwirtschaft näherbringt

Der Weinheimer Verein „Landerlebnis“ bringt Kindern die Natur näher und lässt Landwirtschaft zum Erlebnis werden. Warum die 6-jährige Mathilda begeistert ist.

Vorsitzender Arnulf Tröscher (rechts) ist ein Landwirt aus Leidenschaft. Die gibt er gern an die Kinder weiter. Foto: Roland Robra
Vorsitzender Arnulf Tröscher (rechts) ist ein Landwirt aus Leidenschaft. Die gibt er gern an die Kinder weiter.

Weinheim. Fragt man die kleine Mathilda, warum der Weinheimer Verein Landerlebnis so wichtig ist, muss sie nicht lange nachdenken: „Weil ich da was fürs Leben lernen kann“, findet die Sechsjährige und fügt hinzu: „Und dann kann man noch Tiere füttern, sie streicheln und was erleben.“

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Impressum

Mathilda ist begeistert vom Angebot des Vereins, der sich 2014 zum Schutz von landwirtschaftlich genutzten Böden, Grünflächen und Naturschutzflächen gründete. Und sie ist nicht die Einzige. Dutzende Kinder aus Weinheim und der Umgebung nutzen die Gelegenheit, bei der Kartoffelernte zu helfen, Äpfel zu sammeln und zu keltern, Kühe zu füttern, auf einem Traktor mitzufahren oder bei der Schafschur dabei zu sein. Landwirtschaft wird dabei zum naturnahen Erlebnis, zum Gegenpart der modernen Welt, in der viele Kinder Feld und Flur kaum noch mit den Händen begreifen.

Beim Kürbisschnitzen legen auch die Eltern mit Hand an. Foto: Roland Robra
Beim Kürbisschnitzen legen auch die Eltern mit Hand an.

„Viele Kinder kennen die Zusammenhänge gar nicht mehr zwischen der Natur und dem, was sie auf dem Tisch haben“, weiß Ulrike Engler. Sie ist Erzieherin und Fachkraft für tiergestützte Pädagogik. Beim Verein Landerlebnis koordiniert sie die Übungsleiter. Und zweiter Vorsitzender Roland Robra muss vor dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrung als Umwelt- und Naturschutzbeauftragter der Stadt Weinheim feststellen: „Viele Kinder verlieren den Kontakt zum Boden.“

Kinderaktionen ausgebaut

Dieser traurigen Entwicklung setzt der Verein ein nachhaltiges Engagement entgegen. In den vergangenen Jahren hat Landerlebnis sein Angebot besonders für Kinder und Jugendliche stark ausgebaut – 2025 stehen 18 Aktionen an, um Kindern die Natur näherzubringen und darüber vielleicht auch die Eltern für den Bodenschutz zu sensibilisieren und die Wertschätzung für die Landwirte und ihre harte Arbeit zu fördern.

„Das ist Erfahrungslernen!“

Dazu zählt auch Arnulf Tröscher, Vorsitzender von „Landerlebnis“. Er ist Landwirt aus Leidenschaft und nimmt die Kinder gerne mit aufs Feld und in den Stall. Seine hübschen Coburger Fuchsschafe, die er zusammen mit einer Thüringer Waldziege in Lützelsachsen hält, sind die Lieblinge der Kinder. Die dürfen sie füttern und zusehen, wie sie geschoren werden. „Es ist richtig anrührend, wie die Kinder mit den Tieren umgehen“, freut sich Roland Robra. Das findet auch Ulrike Engler, die ihre Arbeit besonders wegen ihrer Sinnhaftigkeit schätzt. „Bei uns geht es nicht nur um Kinderbespaßung“, erklärt sie. Der Nachwuchs kann die Natur mit allen Sinnen erleben – beim Melken von Kühen das warme Euter spüren, das Muhen hören, die selbstgemachte Butter schmecken. Ulrike Engler: „Das ist Erfahrungslernen!“

Die Schafe in Lützelsachsen sind die Lieblinge der Kinder. Foto: Roland Robra
Die Schafe in Lützelsachsen sind die Lieblinge der Kinder.

Die Begeisterung ist den Kindern deutlich anzusehen, wenn sie Kürbisse schnitzen oder sich beim Auflesen der Kartoffeln auf dem Acker die Hände schmutzig machen. Wer so schwer „schafft“, bekommt als Belohnung gedämpfte Kartoffeln, ein großes Glas des selbst gepressten Apfelsaftes oder Eier – frisch aus dem Hühnerstall. So nah sind Kinder selten an der Produktion ihrer Nahrung, abseits des Supermarktes.

Mit einem Unkostenbeitrag von 5 Euro pro Familie sind die Aktionen durchaus erschwinglich. Wer sich selbst das nicht leisten kann, gibt, was er kann. Die Arbeit finanziert sich ohnehin nur zum geringen Teil aus diesen Kleinstbeträgen. Mehr in die Vereinskassen spült da schon das jährliche Ochsenfest auf einem Bauernhof in Weinheim. Der Name kommt nicht von ungefähr: Der jeweilige Landwirt spendet einen Ochsen, der zu Hamburgern und Rindwürsten verarbeitet wird. An die 2.500 Gäste kamen im zurückliegenden Jahr zu diesem Fest der Begegnung. Neben reichhaltiger Verköstigung gibt es ein Angebot an regionalen Produkten und jede Menge Infos zum Thema Boden, Landwirtschaft, Umwelt und Ernährung. Tröscher: „Das Fest ist auch eine Einladung, sich mit aktuellen Fragen der heutigen Landwirtschaft auseinanderzusetzen.“ In diesem Jahr ist der Bauernhof Großhans am 21. September Ort für das Ochsenfest.

Neue Homepage

Um seine Anliegen noch besser nach außen zu tragen, hat der Verein Landerlebnis jetzt seine Homepage völlig überarbeitet. Federführend war Roland Robra selbst am Werk und kann dank der Unterstützung seines Sohnes Dario eine informative und übersichtliche Seite präsentieren, die auch mit den sozialen Medien verknüpft ist.

Der Verein Landerlebnis freut sich über jede finanzielle Unterstützung. Spenden sind willkommen auf folgendes Konto: Volksbank Kurpfalz, IBAN E35672901000065533103, BIC GENODE61HD3; Konto-Nr. 65 5331 03 BLZ: 672 901 00.