Wie KI den Unterricht in Weinheim und Birkenau verändert
Das Privatgymnasium Weinheim, die Langenbergschule in Birkenau und die Weinheimer Johann-Philipp-Reis-Schule berichten von ihrem Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Schulalltag.
Weinheim/Birkenau. Was früher Kreidetafeln waren, sind heute Touchscreens und Whiteboards. Digitale Werkzeuge wie Tablets, smarte Tafeln und Lernplattformen gehören längst zum Schulalltag. Auch die Künstliche Intelligenz (KI) hält Einzug in die Klassenzimmer. Mit wenigen Eingaben erstellt KI komplette Texte – schnell, oftmals fehlerfrei und häufig erstaunlich überzeugend. Doch KI verändert nicht nur Unterrichtsalltag: Sie wirft grundlegende Fragen nach Lernmethoden, Leistungsbewertung und der Rolle der Lehrkraft auf – und verleitet mitunter zum Schummeln.
„Es fällt eigentlich immer auf, wenn Schüler KI für ihre Aufsätze verwenden“, sagt Mubashra Hilmer, Lehrerin für Deutsch und Englisch an der Johann-Philipp-Reis-Schule (JPRS) in Weinheim. Ob eine Hausaufgabe mit KI entstanden ist, prüft die 31-Jährige im direkten Austausch: „Beim Vorlesen fordere ich die Schüler auf, bestimmte Passagen mit eigenen Worten zu erklären oder Fachbegriffe zu erläutern, die sie verwendet haben.“ Meist sei dann schnell klar, ob der Inhalt wirklich verstanden wurde. „Und oft geben sie zu, dass sie KI unerlaubt eingesetzt haben.“
Großes Potenzial
Trotzdem sieht Hilmer großes Potenzial – und integriet selbst entsprechende Angebote wie FieteAI im Fremdsprachenbereich oder QuillBot zur Textzusammenfassung in ihren Unterricht. Die Schüler erhalten dabei neue Übungsmöglichkeiten: Zu einem selbst geschriebenen Aufsatz könne die KI zum Beispiel individuelles Feedback geben – eine Aufgabe, die sonst die Lehrer übernehmen. „Das kann uns Lehrkräfte entlasten“, sagt Hilmer.
Der Lernprozess beginne bereits beim Erstellen des Prompts, also der Arbeitsanweisung, die die Schüler der KI geben: „Schon dabei fragen sich viele: Was genau muss ich eigentlich herausfinden?“, erklärt die junge Lehrerin. Diese Auseinandersetzung stärke das Verständnis für die Aufgabe – aber nur, wenn die Jugendlichen bereit seien, kritisch mitzudenken. Ein bewusster Umgang mit digitalen Informationen gehöre inzwischen zum pädagogischen Grundverständnis. „Im Unterricht zeigen wir den Schülern, wie sie Quellen zuverlässig prüfen können“, betont Hilmer. Denn: „Digitale Kompetenzen sind ein verpflichtender Bestandteil des Bildungsplans.“
Seit eineinhalb Jahren wird der digitale Helfer an der JPRS für Unterrichtszwecke genutzt. Schulleiter Timo Tuschling berichtet: „60 Prozent der Lehrkräfte verwenden mittlerweile KI im Klassenzimmer.“ Jedoch stecke der Umgang mit der neuen Technologie noch in den Kinderschuhen. „Wir brauchen neue Leistungsbeurteilungen“, sagt Tuschling. Man müsse sich zum Beispiel fragen, ob eine PowerPoint- Präsentation, die theoretisch mit KI erstellt werden könnte, überhaupt als Teil einer Prüfungsleistung noch Sinn ergebe.
Konkretes KI-Projekt
Ein Blick nach Hessen: An der Langenbergschule in Birkenau geht man bereits konkrete Schritte: Ab dem nächsten Schuljahr startet ein Wahlpflichtkurs zum 3D-Druck, bei dem KI die Erstellung digitaler Modelle unterstützen soll. Die Ausstattung ist vorhanden: CAD-Programme, CNC-Technik und moderne 3D-Drucker. „Im Fach Werken wurde im Zuge des Schulumbaus umfassend digitalisiert“, sagt Thomas Rech, stellvertretender Schulleiter. Doch nicht nur dort: Moderne Technologien durchdringen längst den gesamten Unterricht. „Sie sind fester Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit“, betont Rech.
Tablets, digitale Klassenbücher und Microsoft Teams gehören ebenso zur Ausstattung wie interaktive Tafeln, die in jedem Klassenraum installiert sind. Um die digitale Entwicklung nachhaltig zu verankern, setzt die Schule auf gezielte Fortbildungsmaßnahmen: „Der Kreis Bergstraße stellt über das Medienzentrum ein vielfältiges Weiterbildungsangebot bereit, das wir regelmäßig wahrnehmen. Zusätzlich führen wir interne Schulungen durch, um unsere Kompetenzen im Umgang mit neuen Technologien kontinuierlich zu stärken.“
Kreative Methoden
Am Privatgymnasium Weinheim (PGW) hat der digitale Wandel längst den Klassenraum erreicht – und das mit überraschend kreativen Methoden. Mal schlüpfen Schüler mithilfe von KI in die Rollen historischer Persönlichkeiten, mal lassen sie sich von ihr eine politische Rede schreiben oder analysieren mathematische Paradoxa.
„KI darf bei uns im Unterricht verwendet werden – aber nur, wenn die Lehrkraft das erlaubt und die Schüler erklären können, warum die Antwort richtig ist“, heißt es aus dem Lehrerkollegium. Über die App Apple Classroom behalten Lehrkräfte dabei die Übersicht über die iPads der Schüler.
Auch das Lehrpersonal selbst greift gerne auf digitale Assistenten zurück: KI liefert Ideen für Aufgaben, Modelllösungen oder Fragenkataloge – individuell anpassbar und zeitsparend. Das schafft Freiräume für die individuelle Förderung. „KI kann strukturieren, erklären und Rückmeldungen geben – und sie lernt mit“, lautet das Fazit einer internen Umfrage am PGW. Gleichzeitig werden die Jugendlichen angeleitet, kritisch zu hinterfragen, zu reflektieren und nicht jede Antwort unüberprüft zu übernehmen. Denn eines sei klar: Nicht alles aus der KI-Schmiede ist Gold wert. am