Astronomie

Wie Thorsten Dambeck von Weinheim aus das All erkundet

Der Weinheimer hat bereits sechs Bücher über die Astronomie veröffentlicht. Sein neustes Werk handelt vom Mars. Was ihn schon als Kind für die Sterne begeisterte.

Kürzlich veröffentlichte Weinheimer Thorsten Dambeck sein neues Buch über den Mars. Foto: Fritz Kopetzky
Kürzlich veröffentlichte Weinheimer Thorsten Dambeck sein neues Buch über den Mars.

Weinheim. Thorsten Dambeck erschließt sich von Weinheim aus das Universum und holt sich die Sterne in seine Bücher. Sechs Werke hat er über das Weltall geschrieben und bei dem Kosmos Verlag veröffentlicht. Das neueste handelt von dem Planeten Mars.

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Schon seit seiner Kindheit interessiert sich Thorsten Dambeck für die Astronomie. „Stark Trek hat mich mit Sicherheit beeinflusst“, erzählt er schmunzelnd. Auch die erste bemannte Mondlandung im Juli 1969 ist ihm bis heute im Kopf geblieben. „Meine Eltern haben mich damals vor den Fernseher gesetzt, weil sie wussten, dass es ein historischer Moment ist.“

Das große Ganze

Nach einem abgeschlossenen Physikstudium arbeitete er zunächst im Deutschen Bundestag als Referent für Energie und Umweltpolitik. Dabei hat er die Liebe zum journalistischen Schreiben entdeckt. Die wissenschaftlichen Magazinartikel, die er anfing, für die „Bild der Wissenschaft“ zu schreiben, reichten ihm jedoch bald nicht mehr, um diese Leidenschaft zu befriedigen. Denn dort berichtete er oft nur über einzelne Bereiche. Dambeck wollte den Blick aber auch auf das große Ganze richten und darüber in einem größeren Umfang schreiben. „Ein Buch gibt dir die Möglichkeit, ein Thema umfassender darzustellen“, erklärt der 62-Jährige.

Nachdem er ein Kinderbuch über Sterne, eine Lektüre über das Apollo-Projekt und jeweils eins über Sternenwelten, Planetenwelten und Mondlandschaften geschrieben hatte, veröffentlichte er im Oktober vergangenen Jahres sein neustes Werk: „Mars – die Geheimnisse des Roten Planeten.“ In dem Buch geht es um die Historie der Forschung, die Atmosphäre und die Landschaft des Mars. Natürlich wird auch die Frage nach dem Leben auf dem Roten Planeten gestellt. Um zu sehen, wie es auf dem Nachbarn der Erde aussieht, ist die Menschheit auf die Bilder von unbemannten Weltraumfahrzeugen wie die Mars-Rover „Curiosity“ und „Perseverance“ angewiesen. Und auch das, was auf den Aufnahmen der NASA (National Aeronautics and Space Administration) alles zu sehen ist, wird in dem 216 Seiten langen Band erklärt.

Für Dambeck ist der Mars einer der interessantesten Planeten im Sonnensystem. Foto: Fritz Kopetzky
Für Dambeck ist der Mars einer der interessantesten Planeten im Sonnensystem.

Der Blick lohnt sich

Dambeck selbst wirft mit seinem Teleskop auch von Weinheim aus den Blick in den Sternenhimmel. Doch abgesehen von ganz hellen Planeten kann man von städtischer Umgebung aus nicht wirklich in die Weiten des Universums blicken. Grund dafür ist die Lichtverschmutzung. Ohne Observatorien, also astronomische Beobachtungsstationen, kommen Wissenschaftler also nicht weit. „Ich habe aber viel mehr im Auge, was die Profis herausfinden“, erklärt Dambeck. Das Buch über den Mars basiert auf fertigen Studien, Beobachtungen und Berechnungen von Wissenschaftlern und Forschern. Der Autor nutzt die Informationen, erklärt sie, ordnet sie ein und schafft so einen Überblick für seine Leser. Denn die umfassende Anschauung lohnt sich: Der Mars ist einer der interessantesten Planeten im Sonnensystem. Gerade wegen der Ähnlichkeit zur Erde herrscht internationales Interesse. Ob Vulkane, ausgetrocknete Flusstäler oder Eiskappen – das alles sind Landschaftsformen, die man auch hier findet. Deswegen sieht Dambeck den Mars als Schwerpunkt in der Planetenforschung. „Die Wissenschaft entwickelt sich immer weiter. Nach fünf Jahren ist das Buch über das Weltall in der Stadtbibliothek schon nicht mehr aktuell“, so der 62-Jährige. Er hofft auf die Bodenproben, die durch das Weltraumfahrzeug „Perseverance“ gesammelt wurden und bis 2030 auf die Erde gebracht werden sollen. „Es würde uns in der Forschung (wie damals das Mondgestein) sehr viel weiter bringen“, erklärt der Physiker. Wann und ob die Proben überhaupt auf die Erde kommen – das steht aber noch in den Sternen. „Europa ist sehr interessiert, die Bodenproben auf die Erde zu bringen. Aber die USA überlegen, ob das Projekt jetzt nicht zu teuer ist.“

Noch lange „lebensfeindlich“

Bisher konnte also noch nicht geklärt werden, ob und in welcher Form es einst Leben auf dem Mars gab. Und ob irgendwann in der Zukunft ein Leben auf dem Mars möglich ist, kann man heute auch noch nicht sagen. „Es gibt zwar Wasser, aber in gefrorener Form an den nördlichen und südlichen Polarregionen“, erklärt Dambeck. Klar ist, dass der Rote Planet durch Sonnenstürme und die geringe Schwerkraft für Menschen noch für lange Zeit „lebensfeindlich“ bleiben wird. Trotzdem gibt es schon Pläne für den Nachbarn des Jupiter. Elon Musk, der Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX, verfolgt die Idee, auf dem Mars schon bald eine Stadt zu bauen, und den Planeten mit Menschen zu besiedeln. Das sieht Dambeck als verfehlte Zielsetzung: „Grob gesagt halte ich das für Bullshit.“ Keiner habe das Anrecht auf ein Stück Stern oder Planet. Schon gar nicht für Geldmacherei. Genauso kritisiert er die Satellitennetzwerke im All. Über 10.000 Satelliten sind aktuell im Weltraum unterwegs. Dabei ist auch der Weltraumschrott, der unkontrolliert herunterkommen und in die Atmosphäre eintreten kann, eine Gefahr.

Satelliten nehmen Sicht

Für den 62-Jährigen selbst stellen sie keine Beeinträchtigung bei seinem Blick ins Weltall dar. Zumindest noch nicht. Anders ergeht es vielen Experten, die die für Dambeck so wichtigen Aufnahmen liefern. Sie sind über die tausenden Satelliten im Orbit zunehmend beunruhigt. „Die Bilder, die sie aufnehmen, müssen lange belichtet werden. Manchmal nur zehn Minuten, manchmal auch bis zu einer Stunde. Da kann eine vorbeirauschende Satellitenkolonne das Bild zerstören.“

Die Forschung zum Mars ist also im Wandel und entwickelt sich stetig weiter. Doch für Dambeck ist die Reise durch das All noch nicht zu Ende. „Im Universum gibt es so viel zu entdecken, es wird nie langweilig.“ Der Autor hat auch schon neue Ideen für weitere Bücher. „Aber die können noch reifen.“ Bis dahin schaut Dambeck weiter Star Trek und widmet sich seinen wissenschaftlichen Artikeln in Zeitschriften.