Vitaly Kunin wird überraschend Deutscher Meister
Der Schachclub Freibauer Mörlenbach-Birkenau hat erstmals einen Deutschen Meister. So schaffte Vitaly Kunin aus Darmstadt die Sensation bei der Deutschen Meisterschaft.
Der für den Schachclub Freibauer Mörlenbach-Birkenau spielende Vitaly Kunin (39) ist neuer Deutscher Meister im Schach. In einer nervenaufreibenden letzten Runde sicherte sich der in Darmstadt wohnende Russe mit einem Sieg erstmals in seiner Laufbahn den nationalen Titel. Mehrere deutsche Spitzenspieler konnten in diesem Jahr nicht zur Meisterschaft in Ruit bei Stuttgart antreten, da zeitgleich auch ein wichtiges Weltcupturnier lief.
Trotzdem war die Meisterschaft mit immerhin fünf Großmeistern und etlichen jungen hungrigen Schachtalenten sehr gut besetzt. Vitaly Kunin hatten die wenigsten auf der Rechnung, auch weil er im Gegensatz zu vielen Mitspielern nicht in der 1. Bundesliga spielt, sondern seit 21 Jahren dem Schachclub Mörlenbach-Birkenau die Treue hält. Hinzu kam ein eher schleppender Start ins Turnier mit einem Unentschieden in der ersten Runde. Drei darauffolgende Siege brachten ihn jedoch in den Spitzenbereich.
Nervenstärke gezeigt
Im Nachhinein vorentscheidend erwies sich in der sechsten Runde ein umkämpftes Unentschieden gegen den eigentlichen Turnierfavoriten Daniel Fridmann. Im Gegensatz zu den übrigen Spitzenspielern leistete er sich in den letzten drei Runden keinen Ausrutscher mehr. Kunins e Nervenstärke zeigte sich in der letzten Runde gegen das Nachwuchstalent Christoph Dahl aus Dresden. Dieser investierte fast seine gesamte Bedenkzeit in eine wilde Partie und war mehrmals kurz vor dem Überschreiten des Zeitlimits. Gerade in dieser Phase riskierte Vitaly Kunin zu viel und stand phasenweise deutlich schlechter. Es gelang ihm aber, die Stellung nach vier Stunden Spielzeit wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Da ihm ein Unentschieden möglicherweise nicht reichte, hielt er mit großen spielerischen Fähigkeiten in der Verlängerung die Partie offen. Sein Gegner hielt dem Druck nicht stand und machte den entscheidenden Fehler, der für Laien aber nur schwer als solcher erkennbar war.
Konzentriert nutzte Vitaly Kunin diese Chance und jagte den gegnerischen König über das halbe Schachbrett. In hoffnungsloser Stellung gab sich Christoph Dahl nach sechseinhalb Stunden Spielzeit geschlagen. „Der Schachverein Mörlenbach Birkenau ist enorm stolz auf diese Leistung. Ich glaube nicht, dass sich ein solches Ereignis wiederholen lässt“, kommentierte Freibauer-Vorsitzender Paulus Wohlfart den Titelgewinn. Vitaly Kunin ist in Moskau geboren, zog aber auch in der Folge des russisch-ukrainischen Kriegs vor einigen Monaten mit seiner Familie wieder nach Darmstadt zurück. y Kunin wird im Oktober 40 Jahre alt. Das Schachspielen lernte er im Alter von vier Jahren von seinem Vater. Im Herbst 2001 zog er zum ersten Mal mit seiner Familie von Moskau nach Darmstadt. Da er ihm sein russisches Abitur in Deutschland nicht anerkannt wurde, wich er zum Studieren für mehrere Jahre nach Moskau aus. Zu diesem Zeitpunkt trug er den Titel FIDE-Meister.
Seit 2006 Großmeister
Im November 2002 erhielt er den Titel Internationaler Meister, seit Juni 2006 trägt er den Titel Schachgroßmeister. In Deutschland spielt er am Spitzenbrett für Freibauer Mörlenbach-Birkenau und war einer der Garanten für mehrmalige Aufstiege der ersten Mannschaft in die 2. Bundesliga.
Bereits 2006 machte er erstmals in der deutschen Schachszene auf sich aufmerksam, als er unglücklich hinter Thomas Luther Zweiter bei der Deutschen Einzelmeisterschaft in Osterburg (Altmark) wurde. Er war schon in mehreren hochklassigen Turnieren erfolgreich. Die Hessische Einzelmeisterschaft gewann er im April 2005 in Offenbach, im April 2006 in Marburg-Marbach und im März 2008 in Hanau-Großauheim. Im Februar 2009 gewann er das 15. Internationale Open in Lienz und im Juli desselben Jahres das Heart-of-Finland-Turnier in Jyväskylä.
Im August 2010 gewann er das 25. Open in Schwarzach im Pongau und siegte auch bei den folgenden vier Auflagen des Schwarzacher Opens. Im September 2013 gewann er das 10. Eschborner Schach-Open in Eschborn. Hier gelang ihm der Turniersieg als bisher einzigem Spieler mit fünf Siegen aus fünf Partien. Beim Zürcher Weihnachtsopen hatte er im Dezember 2015 hinter Arkadij Naiditsch den zweiten Platz belegt; das Turnier konnte Vitaly Kunin im Dezember 2019 gewinnen.