Radsport

Darum bremsten Tour-Motorräder Pogacar aus

Zwei Motorräder bremsen Superstar Tadej Pogacar bei einer Attacke gegen Konkurrent Jonas Vingegaard aus. Ex-Profi Rolf Aldag hat eine Erklärung, warum das häufiger passieren kann.

Tadej Pogacar kühlt sich während der 14. Etappe ab. Foto: Jasper Jacobs/Belga/dpa
Tadej Pogacar kühlt sich während der 14. Etappe ab.

Morzine (dpa) - Der Teamchef von Tadej Pogacar hat das Ausbremsmanöver gegen seinen Star durch zwei Motorräder heruntergespielt.

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«Das ist die Tour, so viele Leute überall. Das Motorrad hätte nicht dort sein sollen, aber die Fotografen wollten auch nur ihren Job machen», sagte UAE-Chef Mauro Gianetti. An eine Beschwerde denkt der 59-Jährige nicht. Dafür griff die Tour-Organisation ASO durch.

Der Vorfall

Pogacar attackierte Titelverteidiger Jonas Vingegaard etwa 500 Meter vor der Passhöhe des Col de Joux Plane, musste nur wenige Meter später in dem steilen Anstieg bremsen. Ein Fotografen- und ein TV-Motorrad fuhren nebeneinander und blockierten die Straße. Pogacar räumte im Ziel in Morzine ein, dass ihm dadurch im Sprint um die Bonussekunden am Gipfel die Kraft gefehlt habe. So holte Vingegaard drei Sekunden mehr als der Gesamtzweite.

Die Strafe

Die ASO agierte noch am Samstagabend. Sowohl die beiden Motorradfahrer als auch der Kameramann und der Fotograf dürfen nicht an der 15. Etappe am Sonntag nach Saint-Gervais am Mont Blanc teilnehmen. Zudem wurden beide Crews mit einer Geldstrafe von 500 Schweizer Franken (rund 515 Euro) belegt. Laut Reglement sind insbesondere Motorradfahrer angehalten, immer genügend Abstand zu den Fahrern zu halten.

Einen Tag nach dem Ausbremsmanöver entschuldigte sich der Motorrad-Fotograf. «Ich werde das Unhaltbare nicht verteidigen. Wir sollten nicht in dieser Situation sein. Ich hätte meinen Biker bitten sollen, mich schneller und früher zu distanzieren», sagte Bernard Papon, ein Mitarbeiter der französischen Sportzeitung «L'Équipe».

Die Auswirkungen

Noch ist man sich einig, dass die Bonussekunden am Ende keine Rolle spielen werden. «Ich glaube nicht, dass die Tour mit drei Sekunden in Paris gewonnen wird», sagte Rolf Aldag, Sportchef beim deutschen Team Bora-hansgrohe. Früher habe es solche Störungen auch gelegentlich gegeben, nur seien die Fahrer heute viel schneller. «Die haben eine Beschleunigung, das ist wie ein Sprintfinale. Bis der Motorradfahrer an seinem Gashahn dreht, ist der Rennfahrer schon bei ihm am Kofferraum.»

Das Ärgernis

Bora-Profi Nils Politt störte sich unabhängig von dem Vorfall daran, dass es bei der Tour immer enger zugehe. «Das ist schon extrem teilweise», sagte der deutsche Zeitfahrmeister. «Irgendwie sollte man das schon einschränken», die Fahrer müssten freie Fahrt haben. Am Ende des Joux Plane war allerdings genügend Platz, die Fans wurden von Polizisten und durch ein Seil zurückgehalten.