Deutschland Cup

Eishockey-Neustart unter erschwerten Bedingungen

Beim Deutschland Cup sollte unter dem neuen Bundestrainer André Rankel ein Hype auf die Heim-WM entstehen. Nach dem Cas-Urteil zur Rückkehr Russlands ist alles anders. Auch der B-Kader mag irritieren.

André Rankel macht es sich zur Premiere als Eishockey-Bundestrainer nicht einfach. (Archiv) Foto: Sven Hoppe/dpa
André Rankel macht es sich zur Premiere als Eishockey-Bundestrainer nicht einfach. (Archiv)

Düsseldorf (dpa) - Von einer gewünschten Aufbruchstimmung ein halbes Jahr vor dem Start der Heim-WM ist in Düsseldorf wenig zu spüren. Vor dem Start des Deutschland Cups am Donnerstag muss der neue Eishockey-Bundestrainer André Rankel Fragen zur Wiedereingliederung russischer Mannschaften anstatt zum Neustart nach der Trennung von Harold Kreis beantworten. «Natürlich hätte ich mir da auch eine andere Entscheidung gewünscht», sagte Rankel am Mittwoch nach dem deutschen Training. «Aber in der Kabine ist das jetzt kein Thema mehr. Wir können nur das kontrollieren, was wir kontrollieren können.»

Dass das deutsche Eishockey in Düsseldorf in eine neue sportliche Ära starten soll, ist in den Hintergrund getreten. Dabei braucht der Deutsche Eishockey Bund nach zuletzt drei enttäuschenden großen Turnieren dringend wieder eine Initialzündung. Dass beim traditionellen Vier-Nationen-Turnier mit Österreich, Lettland und der Slowakei bis Sonntag nicht nur der Sport im Vordergrund steht, haben freilich weder der DEB noch Rankel zu verantworten.

Seit der Internationale Sportgerichtshof Cas die Suspendierung russischer Mannschaften durch den Weltverband IIHF aufgehoben hat, ist die Eishockey-Welt in großer Aufregung. Der in pro- und kontra-russische Fraktionen gespaltene IIHF-Rat (Council) tagt seit Montag, kam aber noch zu keinem Ergebnis. Wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine darf die Sbornaja seit 2022 nicht mehr an IIHF-Turnieren teilnehmen. Dass der Cas dies nun aufhob, kritisierte die IIHF erneut: «Die weitreichenden Folgen der Entscheidung des Cas-Schiedsgerichts und die damit verbundenen Herausforderungen für alle Beteiligten wurden erheblich unterschätzt.»

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Der DEB wartet auf den Weltverband und die Politik

Der DEB als Ausrichter der WM 2027 wartet auf den Weltverband, dem seit kurzem dessen ehemaligen Präsident Franz Reindl vorsteht, und die Politik. Die Bundesregierung sieht die Cas-Entscheidung «sehr kritisch», wie ein Sprecher bereits am Montag sagte. Man werde mögliche Folgen für die Eishockey-WM 2027 zeitnah mit dem DEB diskutieren, hieß es dazu auch am Mittwoch.

Etwas hilflos scheint der DEB bislang angesichts möglicher finanzieller und organisatorischer Folgen für das Sicherheitskonzept, sollte Russland tatsächlich erstmals seit 2021 wieder an einer A-WM teilnehmen dürfen - und am Ende möglicherweise sogar Aufsteiger Ukraine ersetzen.

«So weit habe ich überhaupt noch nicht gedacht. Ich bin nur froh, endlich mit der Mannschaft arbeiten zu können», sagte Rankel. Etliche Nationen drohen bereits mit Boykott, Sponsoren mit dem Rückzug. Kein Wunder, dass sich DEB-Chef Frank Lutz mit der Option befasst, «dass wir diese Weltmeisterschaft zurückgeben». Weitergehende Statements des DEB zu dem Thema sind vor dem Start des Deutschland Cups nicht zu bekommen, eine Entscheidung dazu schon einmal gar nicht.

Und nun soll eine - bestenfalls - deutsche B-Auswahl in Düsseldorf eine Aufbruchstimmung für ein Turnier entfachen, das in den Sternen steht. Die erste Kadernominierung Rankels war jedenfalls genauso bemerkenswert wie die Berufung des 41 Jahre alten Trainernovizen zum neuen Bundestrainer. Denn eigentlich sollte nach der Trennung vom zuletzt arg glücklosen Harold Kreis (67), der Deutschland vor drei Jahren noch ins WM-Finale von Tampere geführt hatte, ein neuer Hype entstehen vor der geplanten Heim-WM.

B-Kader soll Euphorie für WM entfachen, die in den Sternen steht

2015 hatte Marco Sturm - damals ebenfalls ein Frischling im Trainergewerbe - genau diesen nach ebenfalls enttäuschenden Jahren wieder entfacht. Doch Rankel ist keine NHL-Legende wie Sturm, sondern ein selbst national nur Eingeweihten näher bekannter ehemaliger Nationalstürmer. Die Erklärung für die überraschende Wahl fiel hölzern aus. «Für mich ist André kein Rookie als Trainer», sagte DEB-Sport-Vorstand Christian Künast. Die Begründung dafür blieb er indes schuldig. «André war der Beste», hieß es dazu nur.

Die besten Spieler nominierte Rankel für seine Premiere als Bundestrainer jedenfalls nicht. Anstatt mit einigen bekannten Stars in Düsseldorf Lust auf die neue Ära zu machen, sind in Düsseldorf beim Turnierstart am Donnerstag (19.45 Uhr/MagentaSport) gegen Österreich sehr viele Spieler dabei, an die sich selbst Eishockey-Fans erst noch gewöhnen müssen.

Rankel verzichtete nach eigener Aussage bis auf drei Ausnahmen bewusst auf Spieler der Eisbären Berlin, Adler Mannheim und Kölner Haie, die noch in der Champions League aktiv sind. «Für mich geht es darum, dass ich die Spieler, was ihr Energielevel betrifft, da managen muss», sagte Rankel.

Neu-Bundestrainer Rankel: «Ergebnis zweitrangig»

Neben den 2023-Vize-Weltmeistern Leon Hüttl (Ingolstadt), Fabio Wagner (München) und Wojciech Stachowiak (Örebro/Schweden), Ex-NHL-Stürmer Tobi Rieder und dem Olympia-Silbergewinner von 2018, Yasin Ehliz (beide München), ist im erst 17 Jahre alten Max Calce (Mannheim) auch ein Supertalent dabei, das allerdings außerhalb des Eishockeys auch noch unbekannt ist.

Daraus ergibt sich ein bemerkenswerter Ansatz Rankels für das Turnier, das eine Euphorie entfachen sollte: «Das Ergebnis ist für mich in jedem Spiel jetzt erstmal zweitrangig. Mir geht es um die Art und Weise, um das Auftreten. Wie wir als Mannschaft agieren.»