Kranker Kompany, kerngesunde Bayern: Díaz feiert Torshow
Probleme? Welche Probleme? Der FC Bayern demonstriert nach zwei Frust-Erlebnissen große Klasse. Bei der Machtdemonstration gegen Leipzig wird viel über den Trainer gesprochen. Nicht aus schönem Grund.
München (dpa) - Vincent Kompany verfolgte die Torshow seiner Stars von einem ungewohnten Platz aus: Sitzend auf der Bayern-Bank. Gesundheitlich angeschlagen schaute der belgische Coach nach einem halben Dutzend Treffern von Luis Díaz & Co. mal aufs Tablet, mal lachte er, mal klatschte er die Kollegen ab, mal gab es Applaus von ihm. Trotz aller Probleme: Die Gala-Vorstellung der Münchner beim 6:1 gegen RB Leipzig machte Kompany auch ohne die Rolle als Kommando-Geber an der Seitenlinie Spaß.
Infekt und Hüftprobleme
«Er hat die ganze Woche schon einen Virus gehabt, mit dem er sich durch die Woche gequält hat», sagte Sportvorstand Max Eberl, der den Coach bei Pressekonferenz und Interviews nach dem Spiel vertrat. «Es geht ihm wirklich nicht gut.» Zu dem Infekt seien dann auch noch Hüftprobleme gekommen.
Der Münchner Trainer mied angeschlagen die Treppenstufen des Spielertunnels und nutzte stattdessen eine Tür im Stadion-Eck auf dem Weg zur Kabine und auf den Platz. Nach dem Schlusspfiff ließ es sich Kompany aber nicht nehmen, langsamen Schrittes auf den Rasen zu gehen, um Díaz im Mittelkreis zu einem herausragenden Auftritt zu gratulieren.
Kane: Wichtig, ein Zeichen zu setzen
Das Rätsel über die Beschwerden von Kompany wurde nicht komplett gelöst. Dagegen wurde die Frage klar beantwortet, ob der FC Bayern nach zwei Frust-Erlebnissen gegen den FC Augsburg (2:2) und Viking Stavanger (3:3) in die Krise schlittert oder die angekündigte Reaktion zeigt. Es wurde eine Machtdemonstration, bei der sich die Münchner an harm- und hilflosen Leipzigern nach Belieben austobten.
«Nach den letzten beiden Ergebnissen war es wichtig, ein Zeichen zu setzen», sagte Harry Kane nach seinem 100. Bundesliga-Spiel. Der Engländer glänzte als Vorbereiter und erzielte seinen 102. Bundesliga-Treffer. «100 Spiele für Bayern München in der Bundesliga bestritten zu haben, darauf bin ich extrem stolz.» Aleksandar Pavlovic, Stavanger-Rotsünder Michael Olise und gleich dreimal Díaz waren die weiteren Torschützen.
«Auf einem anderen Level»
«Lucho war sicherlich der Mann des Abends», sagte Joshua Kimmich über Díaz. Der Kolumbianer hatte in dieser Saison wiederholt Großchancen ausgelassen, dazu kam Pech bei Abseitstoren. Der Flügelspieler selbst sprach nicht über seine Glanzleistung. Die Kapuze über den Kopf, den Spielball unter dem Arm zeigte Díaz auf dem Weg in den Abend nur kurz den Daumen nach oben.
«Ich glaube, dass ihm die Tage, als er nicht bei der Nationalmannschaft war, gutgetan haben», sagte Eberl zur jüngsten Díaz-Pause. Aber nicht nur der Flügelspieler wirkte äußerst frisch. «Gefühlt hatten wir einen Mann mehr auf dem Platz», sagte Kimmich, der den weiter fehlenden Manuel Neuer als Kapitän vertrat. «Die ersten 60 Minuten waren schon auf einem anderen Level.»
Bayern überholen Dortmund
Leipzigs Torwart Maarten Vandevoordt war der mit Abstand beste seines Teams und verhinderte eine zweistellige Packung. «Wir waren mit den sechs Toren dann noch gut bedient», sagte Sportchef Marcel Schäfer. Der Treffer zum 1:6 durch Andrija Maksimovic war auch kein Trost mehr. Mit einer Leistung wie dieser gibt es am Mittwoch in der Champions League bei Real Madrid die nächste Packung.
Dagegen blicken die Münchner dem Heim-Duell mit dem FC Arsenal, Finalist in der vergangenen Saison und einer der wenigen Bayern-Bezwinger, bester Laune entgegen. «Wenn du eine Phase hattest, in der du zweimal nicht gewonnen hast und dann zu Hause gegen eine der Top-Mannschaften in Deutschland spielst und sie so erdrückst, dann ist es einfach ein gutes Gefühl», sagte Eberl. An Borussia Dortmund, das beim 0:0 gegen Union Berlin enttäuschte, sind die Münchner zwei Wochen vor dem direkten Duell vorbeigezogen.
Flüssigkeit im Fuß bei Neuer - Einsatz offen
In Interviews analysierte Kompany das Spiel nicht, aber in der Kabine richtete er sich an seine Stars. «Er war zufrieden, sehr stolz auf die Leistung», sagte Kane. Es sei eine «schwierige Woche» gewesen und «ein paar Unentschieden sind beim FC Bayern schon eine große Sache», sagte der Stürmer.
Kane und Díaz in Topform werden gegen Arsenal besonders gefordert sein, weil Olise nach seiner Gelb-Roten Karte aus dem Stavanger-Spiel gesperrt fehlt. Ob der wegen Fußproblemen aussetzende Neuer erneut von Jonas Urbig im Tor vertreten wird, ist offen. Beim Kapitän sei «ein bisschen Flüssigkeit im Fuß gewesen», aber «nichts Dramatisches», berichtete Eberl.
Welche Rolle übernimmt Kompany gegen Arsenal?
Ob Kompany erneut von Assistent Aaron Danks an der Seitenlinie vertreten wird, ist ebenfalls nicht klar. «Er wird dabei sein. Welche Rolle er dann spielt, das kann ich noch nicht sagen», bemerkte Eberl.
Dass Kompany gegen Leipzig an die Bank gefesselt war, nahmen die Spieler mit einer Portion Humor. Als Kimmich auf TV-Bildern sah, wie Kompany an einer Treppe gestützt werden musste, war er überrascht. «Er ist auch nicht mehr der Jüngste, ne?! Das sieht nicht gut aus, ehrlicherweise.» Für Kane war Kompanys Coaching-Pause kein Problem. «Vielleicht hat er seine Stimme geschont, nachdem wir das Spiel nach etwa 50, 60 Minuten so gut wie in der Tasche hatten», sagte der Stürmerstar mit einem Augenzwinkern.