Tennis

«Nicht verstecken»: DTB-Spielerinnen träumen vom großen Coup

Nach dem Ende der Goldenen Generation um Kerber und Co. befürchteten viele Tristesse im deutschen Damen-Tennis. Doch die Nachfolgerinnen feiern Siege - mit einem besonderen Erfolgsrezept.

Kapitän Rainer Schüttler (l-r), Anna-Lena Friedsam, Jule Niemeier, Eva Lys und Laura Siegemund freuen sich über den Einzug in die Finalrunde. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Kapitän Rainer Schüttler (l-r), Anna-Lena Friedsam, Jule Niemeier, Eva Lys und Laura Siegemund freuen sich über den Einzug in die Finalrunde.

Stuttgart (dpa) - Nach dem beeindruckenden Sieg gegen Brasilien stürmten Jule Niemeier und Co. erst einmal die Pressekonferenz von Teamchef Rainer Schüttler und Schlusssiegerin Anna-Lena Friedsam. Das Wasser spritzte im Presseraum der Porsche-Arena, nachdem Deutschlands Tennis-Damen gegen die von der Weltranglisten-14. Beatriz Haddad Maia angeführten Südamerikanerinnen mit 3:1 gewonnen und sich damit für die Endrunde des Billie Jean King Cups qualifiziert hatten.

«Ich bin sehr stolz», sagte Schüttler, der mit seinen Personalentscheidungen wieder einmal goldrichtig gelegen hatte. «Es ist ein tolles Team, sie sind alle gut befreundet. Das macht es schön, mit ihnen zusammenzuarbeiten», sagte der Ex-Profi.

Friedsam: «Sind in der Breite ein gutes Team»

Der große Star fehlt in der Mannschaft, weil Angelique Kerber gerade eine Babypause eingelegt und Andrea Petkovic ihre Karriere beendet hat. Das sorgt zwar dafür, dass es schwerer geworden ist, Tickets zu verkaufen, weshalb die Porsche Arena am Freitag und Samstag jeweils nur sehr übersichtlich besetzt war. Es ist aber zugleich das Erfolgsgeheimnis.

«Wir sind in der Breite so ein gutes Team, dass wir sehr viele Variationsmöglichkeiten haben», sagte Friedsam. «Das zeichnet andere nicht so aus. Die haben oft nur eine Spitzenspielerin, auf der dann der ganze Druck lastet. Wir können dagegen aufeinander vertrauen.»

Gegen Brasilien setzte Schüttler Spitzenspielerin Jule Niemeier wegen ihrer Formkrise am ersten Tag auf die Bank. Stattdessen spielte Tatjana Maria, die mit dem Selbstvertrauen des Turniersieges in Bogotá nach Stuttgart gereist war. Als Maria am Samstag nach ihrem siegreichen Marathonmatch am Abend zuvor müde war, kam Niemeier zum Einsatz. Ein Schachzug, der mit dem 7:6 (7:3), 3:6, 6:2 der 23 Jahre alten Dortmunderin im Spitzeneinzel gegen Haddad Maia aufging. Für den entscheidenden Punkt sorgte dann Friedsam mit einem klaren 6:1, 6:0 gegen Laura Pigossi.

Das Ticket für die Endrunde ist gelöst

Das Ticket für die Endrunde vom 7. bis 12. November ist damit gelöst. Zum zweiten Mal nach 2021, als in Prag nach zwei Niederlagen bereits nach der Gruppenphase Schluss war. Das soll dieses Mal anders laufen, der Sieg gegen Brasilien hat Lust auf mehr gemacht. «Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken», sagte Friedsam.

Schüttler mahnte zwar, jetzt «nicht zu euphorisch» zu werden. «Aber ich sage immer: Wenn man nicht träumen würde, dann wäre man falsch. Man muss Ziele und Träume haben. Und man muss hart dafür arbeiten, um zu versuchen, sie zu erreichen», sagte der Ex-Profi, der 2003 im Finale der Australian Open stand.

Das nächste Ziel für Niemeier und Co. ist jetzt aber erst einmal der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart. Vor allem Niemeier will dort endlich auch auf der WTA-Tour wieder mal ein Match gewinnen. Bislang hat sie bei Turnieren erst zwei von 13 Spielen siegreich bestreiten können. «Ob das jetzt die Wende ist, kann ich noch nicht sagen. Aber ich versuche natürlich, den Schwung mitzunehmen», sagte die deutsche Nummer eins. Schüttler traut ihr weiterhin viel zu. «Für Jule war es sehr wichtig, dass sie gemerkt hat, dass sie Top-Spielerinnen schlagen kann», sagte der Teamchef. «Ich bin mir sicher, dass Jule ihren Weg gehen wird.»