French Open

«Nie vergessen»: Jubel-Nacht in Paris für Hanfmann

Auf dem Platz verzichtet Yannick Hanfmann auf sein Hörgerät. Der schwerhörige Tennisprofi will «sein System» nicht überfordern. Bei den French Open wird er lautstark gefeiert.

Kämpfte sich erfolgreich durch ein Fünf-Satz-Match: Yannick Hanfmann. Foto: Fabrizio Corradetti/AP/dpa
Kämpfte sich erfolgreich durch ein Fünf-Satz-Match: Yannick Hanfmann.

Paris (dpa) - Ungläubig beobachtete Yannick Hanfmann kurz vor Mitternacht die deutsche Tennis-Party bei den French Open. Mit Gesängen feierten die Fans den 31-Jährigen auf den Rängen, minutenlang machte er Selfies mit den Anhängern und verschenkte Souvenirs.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

«Diesen Tag werde ich nie vergessen», erzählte Hanfmann am frühen Mittwochmorgen in Paris. Ein Höhepunkt in der Karriere des Karlsruhers mit der außergewöhnlichen Geschichte.

«Habe es mal probiert, mit Hörgerät zu spielen»

Seit Geburt ist Hanfmann schwerhörig, verzichtet auf dem Platz im Gegensatz zu seinem Leben abseits des Tennis aber auf ein Hörgerät. «Das wäre too much gewesen», erläuterte der Karlsruher nach dem Fünf-Satz-Krimi gegen den Brasilianer Thiago Monteiro.

«Ich habe es mal probiert, mit Hörgerät zu spielen. Das System ist aber irgendwann so überfordert, mit dem was los ist. Da würde ich keine fünf Stunden spielen können.»

In der Jugend spielte Hanfmann noch Fußball beim Karlsruher SC. Seine Schwerhörigkeit habe aber eine Karriere verhindert, erzählte er einmal in einem Interview eines Hörgeräte-Herstellers.

«Irgendwann hörte ich die Zurufe meiner Mitspieler und das Kommando der Trainer nicht mehr. Beim Tennis ist das ganz anders – hier sehe ich meine Gegner. Das vereinfacht das Ganze.» Auf dem Platz sei es «eher positiv, weil ich nicht alles höre, was auf den Tribünen geredet und gerufen wird».

»Glaube, dass ich auf einer kleinen Welle reite»

Im Schatten des Court Suzanne-Lenglen hallte die Anfeuerung für Hanfmann am späten Abend lautstark über das Stade Roland Garros. In 4:56 Stunden rang der Weltranglisten-65. seinen Gegner mit 6:3, 7:5, 6:7 (6:8), 6:7 (2:7), 6:4 nieder und erreichte erst zum zweiten Mal überhaupt die zweite Runde eines Grand-Slam-Turniers. 

Kurz vor dem Sandplatzklassiker in Paris hatte der Weltranglisten-65. bereits mit dem Viertelfinaleinzug beim Masters-Turnier in Rom und zwei Siegen gegen Profis aus den Top Ten für Aufsehen gesorgt. «Ich glaube, dass ich auf einer kleinen Welle reite», sagte er. «Ich hoffe, dass ich sie so weit wie möglich reite.»

Eigentlich war Hanfmann bei den French Open bereits in der Qualifikation gescheitert, rückte durch die Absage eines Kontrahenten als sogenannter Lucky Loser noch ins Hauptfeld. Nun könnte gegen den an Positionen 23 gesetzten Argentinier Francisco Cerundolo sein größter Erfolg bei einem Grand Slam folgen.

Im Land des nächsten Kontrahenten verbrachte Hanfmann erstmals seine Vorbereitung auf die Saison. Ein Schritt weg von zu Hause, um mit einem neuen Coach nach einem schwächeren Jahr und krankheitsbedingten Rückschlägen etwas Neues aus sich herauszukitzeln.

«Er ist körperlich viel besser geworden»

«Harte Arbeit und Disziplin ist da erforderlich», sagte Daniel Altmaier, der sich ebenfalls ein Team in Argentinien aufgebaut hat und bei den French Open auch in der zweiten Runde steht. «Ich glaube, das sieht man jetzt auch an Yannicks Spiel, das sich sehr nach vorne entwickelt hat. Er ist körperlich viel besser geworden und das merkt er auch.»

Mit dieser Fitness will Hanfmann auch am Donnerstag wieder für eine mögliche Extraschicht bereit sein. Gegen Monteiro feierte Hanfmann den ersten Fünf-Satz-Sieg seiner Karriere überhaupt. «Ich habe so davon geträumt, dass ich das auch mal durchleben will», schwärmte er. «So etwas ist halt verdammt schwer. Das gibt einem so viel Selbstvertrauen.»