WM-Traum lebt weiter: USA ziehen uns Achtelfinale ein
In einem emotionalen Spiel vor großer Kulisse schlägt die USA die Auswahl von Bosnien-Herzegowina. Folarin Balogun wird zum Hauptdarsteller - nicht nur wegen seines Tores.
Santa Clara (dpa) - Die US-Fußballer träumen dank eines Sieges in Unterzahl gegen Bosnien-Herzegowina weiter von einer glorreichen Heim-Weltmeisterschaft. Das Team um Superstar Christian Pulisic bezwang die Mannschaft von Trainer Sergej Barbarez im Sechzehntelfinale verdient mit 2:0 (1:0). Im Achtelfinale geht es für die USA nun gegen Belgien.
Folarin Balogun (45. Minute) und Malik Tillman (82.) ließen mit ihren Toren die meisten der 68.827 Zuschauerinnen und Zuschauer im Super-Bowl-Stadion in Santa Clara frenetisch jubeln. Weil Balogun eine umstrittene Rote Karte sah, mussten die von Mauricio Pochettino trainierten Co-Gastgeber rund 30 Minuten zu zehnt spielen. Für die Bosnier um Sturm-Legende Edin Dzeko endet die erste WM-Reise seit 2014 und die zweite überhaupt.
US-Treffer zählt nicht
Im sonnendurchfluteten Stadion der San Francisco 49ers sorgte bereits das Aufwärmen des US-Teams für große Begeisterung. Ob als Freiheitsstatue oder Weißkopfseeadler verkleidet, ob mit gigantischer Fahne oder Cowboyhut: Viele Fans des Pochettino-Teams hatten sich für den speziellen Anlass besonders in Schale geworfen. Schon rund zwei Stunden vor der Partie hallten «USA, USA»-Rufe durch die Arena. Vier Jets, die kurz vor Anpfiff über das komplett offene Stadion flogen, sorgten ebenfalls für Jubel.
Auf dem Platz hatten allerdings die Bosnier die ersten Gelegenheiten. Stuttgarts Ermedin Demirovic schoss aus aussichtsreicher Position zu unplatziert. Jungstar Kerim Alajbegovic probierte es bei einer Ecke direkt, doch US-Keeper Matt Freese war gerade noch rechtzeitig zur Stelle.
Die USA übernahmen nun die Kontrolle und hatten mehr Ballbesitz. Immer wieder versuchten sie es mit Chipbällen hinter die gegnerische Abwehr, zunächst ohne Erfolg. Nach einer halben Stunde war Balogun nach einem Fehler in der bosnischen Defensive dann plötzlich frei durch. Der Stürmer traf ins Eck, löste aber nur kurz großen Jubel aus: Balogun stand im Abseits.
Balogun belohnt sich
Der agile Angreifer von der AS Monaco sorgte aber weiter für Unruhe - und belohnte sich dann auch für seinen auffälligen Auftritt. Ein Pass von Tillman von Bayer Leverkusen wurde abgefälscht, sprang zu Balogun, und diesmal zählte das Tor. Bei einem Lattentreffer kurz vor dem Halbzeitpfiff hätte er sogar fast noch einmal getroffen.
Die Bosnier mussten jetzt kommen, aber zunächst den nächsten Rückschlag verkraften. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff fasste sich Kapitän Dzeko an den Oberschenkel und konnte nicht weiterspielen. Barbarez wechselte gleich dreifach, doch an den Kräfteverhältnissen änderte sich zunächst wenig. Die USA spielten zielstrebiger, genauer und blieben die bessere Mannschaft.
Umstrittener Platzverweis nach Videostudium
Nach einer Stunde hätte eine Entscheidung von Schiedsrichter Raphael Claus dem Spiel noch einmal eine neue Richtung geben können. Nach einem Zweikampf, bei dem Balogun seinen Gegenspieler Tarik Muharemovic hart, aber offensichtlich unabsichtlich getroffen hatte, schaute sich der Brasilianer die Szene noch einmal an und entschied auf Rot. «Das ist kein guter Einsatz des VAR. Das war ein Unfall und für mich keine Rote Karte», sagte der frühere englische Spitzenschiedsrichter Mark Clattenburg beim amerikanischen Sender Fox.
Mit einem Mann mehr nahm der bosnische Druck etwas zu. Auch Bundesligastürmer Haris Tabakovic wirkte nun als Joker mit. Mit einem sehenswerten Freistoßtreffer beseitigte Tillman aber letzte Zweifel am Sieg des US-Teams.