Fußball

Die besonderen Sportler freuen sich ganz besonders

Beim Lions Club-Cup des Weinheimer Pilgerhauses werden nicht nur nordbadische Meister gesucht. Gefunden wird da noch viel mehr

Für die Teams von Lebenshilfe und Pilgerhaus ging es bei der nordbadischen Meisterschaft vor allem ums Dabeisein. Orgachef Charly Mildenberger (links), die Präsidentin Special Olympics Baden-Württemberg, Beate Slavetinsky (2. von links), Oberbürgermeister Manuel Just (4. von rechts), Special Olympics-Geschäftsführer Heiko Wipfler (3. von rechts) und die Betreuer Matthias Held und Michael Pauker vom Pilgerhaus freuten sich über die herausragende Stimmung in Hohensachsen. Foto: Gian-Luca Heiser
Für die Teams von Lebenshilfe und Pilgerhaus ging es bei der nordbadischen Meisterschaft vor allem ums Dabeisein. Orgachef Charly Mildenberger (links), die Präsidentin Special Olympics Baden-Württemberg, Beate Slavetinsky (2. von links), Oberbürgermeister Manuel Just (4. von rechts), Special Olympics-Geschäftsführer Heiko Wipfler (3. von rechts) und die Betreuer Matthias Held und Michael Pauker vom Pilgerhaus freuten sich über die herausragende Stimmung in Hohensachsen.

Es ist einer der Höhepunkte, auf den die Fußballer des Weinheimer Pilgerhauses und der Lebenshilfe hinfiebern: die nordbadische Hallenmeisterschaft um den Lions Club-Cup vor der eigenen Haustür. In der Sporthalle Hohensachsen waren am Samstag wieder Mannschaften in vier Special Olympics-Kategorien zu Gast, um sich für die Landesmeisterschaft zu qualifizieren. Und auch wenn das den jeweils drittplatzierten Lokalmatadoren nicht gelang, lebten sie das Miteinander und den Spaß am Sport.

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Das Pilgerhaus im Spiel gegen den späteren Turniersieger 1. CfR Pforzheim. Foto: Gian-Luca Heiser
Das Pilgerhaus im Spiel gegen den späteren Turniersieger 1. CfR Pforzheim.

„Wir sind in dieser Halle inzwischen eine echte Dorfgemeinschaft. Viele Fans und Spieler sind schon seit Jahren dabei, man kennt sich, das Zusammengehörigkeitsgefühl ist schon super“, sagt Michael „Charly“ Mildenberger. Dem Leiter der Offenen Angebote im Weinheimer Pilgerhaus und Vorsitzende des Integrativen Fanclubs ist Fußball ein Anliegen, nein eine Herzensangelegenheit. Seit Jahrzehnten fördert und fordert er seine „Klienten“, bei den Heimspielen der TSG 1899 Hoffenheim ist Mildenberger mit seinem Club regelmäßiger Gast. Und sollte das Hoffenheimer Spiel in Bochum auf samstagnachmittags datiert werden, wollen die Weinheimer mit einem Bus in den Ruhrpott fahren. „Mit einem großen. Und natürlich sind da im Sinne der Inklusion auch nicht gehandicapte Fußballfans willkommen.“

Inklusion ein Zauberwort

Inklusion, das ist das Zauberwort, das in Deutschland noch immer mit Leben gefüllt werden muss. Daran arbeiten auch Beate Slavetinsky, Präsidentin von Special Olympics Baden-Württemberg, und ihr Geschäftsführer Heiko Wipfler. Beide sind am Samstag in Hohensachsen unter den begeistert mitgehenden Zuschauern, ziehen am Nachmittag dann auch noch weiter in Emis Dance Academy, wo mit der Landesmeisterschaft im Tanzen die zweite Special Olympics-Veranstaltung in Weinheim stattfindet.

Aufschwung seit World Games

„Seit den World Games 2023 in Berlin, wo unsere speziellen Sportler auch medial auf richtig großes Interesse gestoßen sind, hat sich vieles getan. Wer diese Stimmung, das Zusammengehörigkeitsgefühl einmal erlebt hat, der will das wieder“, sagt Slavetinsky und zeigt in die Halle, wo nach einem Tor gerade wieder grenzenloser und ansteckender Jubel ausbricht. „Wir merken die Aufbruchstimmung, auch in den Vereinen. Aber noch gibt es zu viele Barrieren“, sagt Heiko Wipfler. „Und dabei ist es so einfach, mit uns in Kontakt zu treten.“

"Jeder Mensch hat seine Stärken"

Tatsächlich wird in der Sporthalle am Langewiesenweg jeder begrüßt, als gehöre er einfach dazu. Egal ob mit Trikot oder ohne. Denn auch wenn das fußballerische Niveau bei manchem Kicker aufgrund seines Handicaps nicht gar so hoch ist, die Werte des Sports werden in jedem Fall gelebt. Fair Play, Teamgeist – den Fokus auf die Stärken, nicht auf die Defizite zu legen, all das steht dabei ganz ganz oben. „Jeder Mensch hat seine Stärken“, sag Slavetinsky. Die zu sehen, das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, weit über den Fußballplatz hinaus.

In der Sporthalle in Hohensachsen wurden am Samstag die nordbadischen Special Olympics Fußballmeister gesucht. Foto: Anja Treiber
In der Sporthalle in Hohensachsen wurden am Samstag die nordbadischen Special Olympics Fußballmeister gesucht.

Um Inklusion zu erreichen, bedürfe es noch mehr Öffentlichkeitsarbeit und dafür brauche es wiederum Multiplikatoren. „Netzwerker wie Charly Mildenberger zum Beispiel. Von ihm können wir richtig viel profitieren“, sagt Beate Slavetinsky. Nicht nur mit seinem Fanclub ist er Vorreiter, bei der TSG 91/09 Lützelsachsen gibts inzwischen Inklusionstraining, auch zur TSG 1862/09 gibt es Kontakte. In der Kategorie A gibt es sogar den einen oder anderen beeinträchtigten Spieler, der in einer aktiven Fußballmannschaft spielt. Und auch bei Special Olympics Baden-Württemberg wird darauf geachtet, dass die Gremien inklusiv besetzt sind.

Nordbadische Meister wurden übrigens die Johannes-Diakonie Mosbach (Kategorie A, Caritas Pforzheim (B), die Lebenshilfe Mannheim-Schwetzingen-Hockenheim (C) und der 1. CFR Pforzheim (D). Turniersponsor Lions Club Mannheim-Rosengarten war mit Bert Forschelen als Helfer vor Ort, Michael Burckhart und Präsident Ulrich Hollerbach übernahmen die Siegerehrung. Spätestens da durften sich wieder alle als Sieger fühlen. Wer nicht gewonnen hat, hat eben sein Bestes gegeben – getreu dem Motto der Special Olympics.