Fußball

Ein Ex-Waldhöfer ist jetzt Anführer in Ostwestfalen

Gerrit Gohlke genießt bei Arminia Bielefeld große Wertschätzung. Sein Einsatz gegen Ex-Club Waldhof am Samstag ist aber offen

Gegen Jahn Regensburg erzielte der Neu-Bielefelder Gerrit Gohlke einen Treffer der Marke Traumtor. Insgesamt ist der Verteidiger seit seinem Wechsel vom SV Waldhof bei der Arminia schnell zu einem Führungsspieler geworden. Foto: Imago/osnapix /Titgemeyer
Gegen Jahn Regensburg erzielte der Neu-Bielefelder Gerrit Gohlke einen Treffer der Marke Traumtor. Insgesamt ist der Verteidiger seit seinem Wechsel vom SV Waldhof bei der Arminia schnell zu einem Führungsspieler geworden.

Als Arminia Bielefeld im Frühjahr tief im Abstiegskampf der 2. Bundesliga steckte, saß Gerrit Gohlke in Mannheim und drückte die Daumen. Für den Verteidiger, der sich frühzeitig für einen Wechsel vom SV Waldhof zum ostwestfälischen Traditionsverein entschieden hatte, ging es darum, ob er in der kommenden Saison zweit- oder drittklassig spielen würde. Das Ende der Geschichte ist bekannt. Die Arminia stieg in der Relegation gegen den SV Wehen Wiesbaden ab (0:4, 1:2).

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„Ich blicke nicht in die Vergangenheit und bin deswegen traurig“, sagte der 24-Jährige vor dem Wiedersehen mit seinen ehemaligen SVW-Kollegen am Samstag (14 Uhr). „Vielleicht ist es gut, dass ich noch in der 3. Liga spiele und irgendwann vielleicht mit Arminia den Aufstieg schaffe.“ Noch zu Zeiten von Ex-Sportchef Samir Arabi hatte sich der gebürtige Darmstädter trotz der ungewissen Arminia-Zukunft zu einem Transfer Richtung Ostwestfalen entschlossen. Ein bewusst gewähltes Wagnis.

„Ich bin ein gläubiger Mensch, der alles in seinem Leben mit Überzeugung macht und sich Gedanken macht, bevor er etwas unterschreibt.“ Die sportliche Situation in Bielefeld sei in der vergangenen Winterpause nicht so gewesen, „dass man sagen konnte: ,Arminia steigt nicht ab’. Ich war mir des Risikos bewusst“.

Probleme am Oberschenkel

Zum Zeitpunkt seiner Unterschrift laborierte der Verteidiger an den Folgen einer schweren Schulterverletzung. Während der SV Waldhof gezögert habe und erst nach einer Genesung über eine Vertragsverlängerung habe verhandeln wollen, habe er bei Arminia „trotzdem das Vertrauen vom Verein bekommen“. Nach 66 Pflichtspielen verließ Gohlke Mannheim deshalb im Sommer in Richtung Ostwestfalen.

Bei seinen 66 Partien für den SVW galt der Mann, der im Januar 2020 von Regionalligist Kickers Offenbach an den Alsenweg gewechselt war, als Verteidiger mit riesigem Potenzial, der aber immer wieder einmal auch für einen Aussetzer gut war. In Bielefeld trifft er nun mit Michael Mutzel und Mitch Kniat auf ein vollkommen anderes sportliches Führungsduo. Eines, das in seine Verpflichtung nicht involviert war.

Sorge, dass er als „Arabi-Transfer“ ins Hintertreffen gerät, hatte er aber nicht. „Als die beiden Namen öffentlich gemacht wurden, kannte ich weder Michael Mutzel noch Mitch Kniat persönlich. Die Gespräche waren dann aber ausgesprochen gut und ich habe es offen auf mich zukommen lassen.“ Das hat sich für Gohlke ausgezahlt. In der Mannschaft hat er mit Nassim Boujellab schnell einen Kumpel gefunden. „Mit ihm hat es direkt am Anfang gefunkt. Wir haben uns am ersten Trainingstag vor der Kabine die Hand gegeben und wir konnten direkt miteinander.“ Auch abseits des Rasens verbringt das Duo viel Zeit zusammen.

Auf dem Platz ist der Innenverteidiger unter Kniat gesetzt, bei der 1:3-Niederlage vor einer Woche im Derby beim SC Verl musste Gohlke allerdings mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt werden und fehlte am vergangenen Samstag gegen Borussia Dortmund II (2:2). Ob er gegen den Waldhof wieder spielen kann, entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Die Partie am Samstag ist für die Arminia, die innerhalb von zwei Jahren aus der 1. in die 3. Liga durchgereicht wurde und jetzt schon wieder auf einem Abstiegsplatz steht, von enormer Bedeutung. „Jetzt kommt Waldhof Mannheim hier hin und da müssen wir dieselbe couragierte Leistung wie gegen Dortmund wieder bringen“, sagte Coach Kniat.

Kniat: „Ein absoluter Leader“

In Bielefeld schlägt Gohlke auf jeden Fall viel Wertschätzung entgegen. Kniat sieht in ihm zudem einen „absoluten Leader“. Eine Aufgabe, die er sich zutraut. „Ich sehe mich in der Rolle, die Jungs anzutreiben, aber auch Ruhe reinzubringen. Es macht mir Spaß, voranzugehen.“ Auch mit der Spielidee seines neuen Trainers kann er sich identifizieren. Er sei „kein Verteidiger, der nur Langholz spielt“, sondern vielmehr ein Typ, der „spielerische Lösungen suchen möchte“.

Einige Wackler insbesondere in der Partie gegen Regensburg führt Gohlke auf das zum Teil unpräzise Spiel der Arminen zurück. Das Team sei von der flachen Spieleröffnung aber komplett überzeugt. „Natürlich muss man auch erwachsen im Kopf sein und die Momente erkennen, in denen es richtig ist, den Ball nach vorne zu hauen.“ Gohlke geht nicht nur in der Defensive mit Körpersprache, Einsatz und Leistung voran. Auch in der Offensive setzt er Akzente. Ein souverän verwandelter Elfmeter im Pokal gegen Bochum sowie ein Treffer im Münster-Derby und das Traumtor gegen den Jahn stehen bereits zu Buche.

Mit den beiden Toren kratzt Gohlke bereits nach fünf Ligaspielen an seiner Marke aus Mannheim, wo er dreimal traf. Seine Prioritäten liegen als Verteidiger allerdings woanders. „Es kann gerne so weitergehen. Aber ich halte hinten lieber die Null.“

Von Benedikt Riemer und Alexander Müller