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Ist das "Aktuelle Sportstudio" noch zeitgemäß? Das sagen Sportler

Am 24. August 1963 wurde die ZDF-Sportsendung zum ersten Mal ausgestrahlt. In 60 Jahren gab es so einige besondere Momente, an die sich auch Sportler, Trainer und Funktionäre aus der Region erinnern.


Marcel Sowa
von Marcel Sowa

24.08.2023


Moderator Jochen Breyer ist seit Dezember 2013 dabei und folgte auf Michael Steinbrecher. Foto: ZDF/Jana Kay
Moderator Jochen Breyer ist seit Dezember 2013 dabei und folgte auf Michael Steinbrecher.

Die Uhr, die Titel-Melodie, die Torwand: Das sind die wohl drei markantesten Symbole, wenn es um das "Aktuelle Sportstudio" im ZDF geht. Vor genau 60 Jahren, am 24. August 1963, wurde die Sportsendung zum ersten Mal ausgestrahlt. Seitdem ist die Sendung aus der Fernsehlandschaft eigentlich nicht mehr wegzudenken. Später Samstagabend bedeutete in vielen Haushalten: Jetzt läuft das Sportstudio. Doch in Zeiten von ständiger Live-Berichterstattung, neuen Formaten und immer mehr Fußballspielen, deren Zusammenfassungen immer schneller nach Spielende im Internet zu sehen: Ist das "Aktuelle Sportstudio" überhaupt noch zeitgemäß? Wir haben uns in der Region umgehört und wollten auch wissen, welche Momente aus 60 Jahren besonders in Erinnerung geblieben sind.

Für Thomas Felber ist ein Interview bis heute denkwürdig: "Als der Boxer Norbert Grupe auf die Fragen des Moderators Rainer Günzler keine einzige Antwort lieferte. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern." Wie der Funktionär der TSG 62/09 Weinheim und des SV Unter-Flockenbach schildert, wusste man als Zuschauer überhaupt nicht, was los war. "Ich weiß noch genau, wie erst im Nachhinein bekannt wurde, das Grupe mit der vorherigen Berichterstattung von Günzler über ihn nicht zufrieden war. Ich glaube, er soll daraufhin gesagt haben: Entweder ich sage gar nichts oder ich haue ihm eine rein."

Der Moderator Harry Valérien im Gespräch mit Pelé am 26. September 1970. Foto: ZDF/Renate Schäfer
Der Moderator Harry Valérien im Gespräch mit Pelé am 26. September 1970.

Felber gibt zu, dass er die Sendung seltener verfolgt, auch wenn er mit dem "Aktuellen Sportstudio" aufgewachsen ist. Was Felber schade findet, ist: "Heute weiß jeder alles besser und was alles falsch gemacht wird. Es wird auch viel schneller alles infrage gestellt, das war früher nicht so. Da ging es mehr um den Spieler des Tages, um besondere sportliche Leistungen."

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Aus den Analysen selbst etwas mitnehmen

Enrique Cazorla, Trainer der TSG 91/09 Lützelsachsen II, verfolgt die Sendung nach wie vor gerne und ausgiebig. Er gibt zu, grundsätzlich etwas "Oldschool" zu sein, aber: "Tagsüber kann ich mir die Spiele nur selten live anschauen. Und ich interessiere mich für die Analysen und Hintergründe besonders, da ich selbst Trainer bin." Am meisten freut es ihn, wenn ein Trainer als Studiogast mit dabei ist. Diesen zu beobachten und dessen Denkweise oder taktisches Verständnis zu sehen, sei sehr spannend.

Für Cazorla ist das Torwandschießen am Ende der Sendung ein richtiger Höhepunkt. Als Kind und Jugendlicher habe er nach eigener Auskunft mit großer Freude an Torwandschießen teilgenommen. "Das gehört einfach dazu und ich bin gespannt, ob wieder jemand vier oder fünf Treffer erzielt." Was die Zukunft der Sendung angeht, ist er zwiegespalten. "In dieser schnelllebigen Welt sind Traditionen sehr wichtig. Alles verändert sich und da tut so ein bewährtes Format gut. Ich glaube schon, dass das Sportstudio immer weniger geschaut wird. Die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne wird ja zunehmend geringer", findet der Trainer. Aber: Er kennt durchaus auch Jugendliche, die sich für die Sendung und die taktischen Hintergründe interessieren.

"Das ist eine Kultsendung"

Positiv gestimmt ist Reiner Held, der Bergsträßer Kreisfußballwart. "Das ist eine Kultsendung. Auch wenn sich die Zeiten ändern: Wenn ein Format so lange besteht, gibt es das bestimmt auch noch in zehn Jahren." Wenn es die Zeit zulässt, schaltet er immer wieder gerne ein. Das Sportstudio sei für ihn auch deshalb so unterhaltsam, weil auch Studiogäste aus anderen Sportarten mitmachen. Und das Format habe mit der Zeit durchaus einen Wandel durchlebte, findet der Kreisfußballwart. Er steht manchen Entwicklungen bei der Berichterstattung durchaus kritisch gegenüber. "Wenn jemand fünf Minuten nach Abpfiff bereits Rede und Antwort stehen muss, halte ich das für schwierig. Manchmal ist es auch angebracht, lockere Fragen zu stellen", findet Held.

Und welcher Moment ist ihm besonders in Erinnerung geblieben? Auch wenn er die Sendung nicht live verfolgt hat, so nennt Held ohne Umschweife den Vorfall mit dem Schimpansen. Dieser riss in einer Sendung der Frau des ehemaligen Schwimm-Olympiasiegers und Tarzan-Darstellers Johnny Weissmüller die Perücke vom Kopf.

Beckenbauer und das Weizenbierglas

Auch Mirko Schneider, langjähriger Trainer des SV Unter-Flockenbach, hat einen Lieblingsmoment. "Als Franz Beckenbauer beim Torwandschießen den Ball auf ein volles Weizenbierglas legte. Und dann trifft er auch noch", erinnert er sich mit einem Schmunzeln. Für ihn ist das "Aktuelle Sportstudio" deswegen auch ganz eng mit dem traditionellen Torwandschießen verknüpft. Schneider ist mit der Sendung als Kind aufgewachsen, denn "damals gab es noch kein Internet oder die ganzen Zeitungen wie den Kicker. Der Samstagabend lief immer gleich ab: erst die Sportschau bei der ARD und dann das Sportstudio beim ZDF".

Schneider glaubt indessen nicht daran, dass die Sendung noch eine lange Zukunft vor sich hat. Er selbst schaut sie immer seltener, denn: "Es gibt heutzutage ganz andere Möglichkeiten, vor allem an den Spieltagen. Durch die Berichterstattung wird schon mittags alles abgedeckt, mit Interviews, Analysen und Hintergründen. Und die Jüngeren schauen kaum noch die Öffentlich-Rechtlichen, die sind eher bei Netflix oder Prime unterwegs."

Oliver Kahn im Gespräch mit Moderator Wolf-Dieter Poschmann. Foto: ZDF/Kerstin Bänsch
Oliver Kahn im Gespräch mit Moderator Wolf-Dieter Poschmann.

Auch Bruno Bihn, in der Region als langjähriger Trainer und Spieler bekannt, hat eine eindeutige Meinung: "In zehn Jahren wird es das Sportstudio in dieser Form nicht mehr geben. Samstags um 23 Uhr, das passt nicht mehr." Andere Sendungen seien aktueller und auch lockerer, was das Format angehe. In jungen Jahren habe er das Sportstudio regelmäßig verfolgt, vor allem die Interviews mit den Studiogästen hätten ihn am meisten interessiert.

Andy Möller und Michael Steinbrecher in der Diskussion. Foto: ZDF/Renate Schäfer
Andy Möller und Michael Steinbrecher in der Diskussion.

Was Bihn besonders bedauert, auch bei anderen Sendungen, ist der Umgang mit Emotionen. Er findet: "Früher sagten die Spieler, was sie dachten. Heute sind alle Aussagen glatt geformt und wohlüberlegt." Er erinnert sich noch genau daran, als Jürgen Klinsmann am 10. Mai 1997 aus Frust über seine Auswechslung eine Werbetonne kaputt trat. "Oder als Lothar Matthäus bei einem Spiel gegen den KSC vom Spielfeld bis in die Kabine geschrien hat. Natürlich muss so etwas nicht sein, aber Emotionen gehören einfach dazu."

Moderator Harry Valérien  mit einem besonderen Auftritt in der Sendung am 12. April 1975.
Foto: ZDF/Georg Meyer-Hanno
Carmen Thomas moderierte das Aktuelle Sportstudio von 1973 bis 1974.
Foto: ZDF/Renate Schäfer
Rudi Völler und Rudi Cerne beim Torwandschießen.
Foto: ZDF/Kerstin Bänsch
Bernd Heller, moderierte das Aktuelle Sportstudio von 1980 bis 1993.
Foto: ZDF/Renate Schäfer
Der Moderator Harry Valérien im Gespräch mit Pelé am 26. September 1970.
Foto: ZDF/Renate Schäfer
Moderator Hanns-Joachim Friedrichs und Willy Brandt bei der Sendung am 16. März 1974.
Foto: ZDF/Renate Schäfer
Muhammad Ali und Karl Mildenberger (rechts) zu Gast bei Hanns Joachim Friedrichs.
Foto: ZDF/Georg Meyer-Hanno
Andy Möller und Michael Steinbrecher in der Diskussion.
Foto: ZDF/Renate Schäfer
Das Aktuelle Sportstudio in den Anfängen 1965. Hinten rechts: Helmuth Bendt und Walther Schmieding.
Foto: ZDF/Renate Schäfer
Moderatorin Dunja Hayali im Gespräch mit Fredi Bobic.
Foto: ZDF/Jana Kay
Oliver Kahn im Gespräch mit Moderator Wolf-Dieter Poschmann.
Foto: ZDF/Kerstin Bänsch
Moderator Jochen Breyer ist seit Dezember 2013 dabei und folgte auf Michael Steinbrecher.
Foto: ZDF/Jana Kay
Moderator Harry Valérien mit einem besonderen Auftritt in der Sendung am 12. April 1975.
Carmen Thomas moderierte das Aktuelle Sportstudio von 1973 bis 1974.
Rudi Völler und Rudi Cerne beim Torwandschießen.
Bernd Heller, moderierte das Aktuelle Sportstudio von 1980 bis 1993.
Der Moderator Harry Valérien im Gespräch mit Pelé am 26. September 1970.
Moderator Hanns-Joachim Friedrichs und Willy Brandt bei der Sendung am 16. März 1974.
Muhammad Ali und Karl Mildenberger (rechts) zu Gast bei Hanns Joachim Friedrichs.
Andy Möller und Michael Steinbrecher in der Diskussion.
Das Aktuelle Sportstudio in den Anfängen 1965. Hinten rechts: Helmuth Bendt und Walther Schmieding.
Moderatorin Dunja Hayali im Gespräch mit Fredi Bobic.
Oliver Kahn im Gespräch mit Moderator Wolf-Dieter Poschmann.
Moderator Jochen Breyer ist seit Dezember 2013 dabei und folgte auf Michael Steinbrecher.

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