Ist das "Aktuelle Sportstudio" noch zeitgemäß? Das sagen Sportler
Am 24. August 1963 wurde die ZDF-Sportsendung zum ersten Mal ausgestrahlt. In 60 Jahren gab es so einige besondere Momente, an die sich auch Sportler, Trainer und Funktionäre aus der Region erinnern.
Die Uhr, die Titel-Melodie, die Torwand: Das sind die wohl drei markantesten Symbole, wenn es um das "Aktuelle Sportstudio" im ZDF geht. Vor genau 60 Jahren, am 24. August 1963, wurde die Sportsendung zum ersten Mal ausgestrahlt. Seitdem ist die Sendung aus der Fernsehlandschaft eigentlich nicht mehr wegzudenken. Später Samstagabend bedeutete in vielen Haushalten: Jetzt läuft das Sportstudio. Doch in Zeiten von ständiger Live-Berichterstattung, neuen Formaten und immer mehr Fußballspielen, deren Zusammenfassungen immer schneller nach Spielende im Internet zu sehen: Ist das "Aktuelle Sportstudio" überhaupt noch zeitgemäß? Wir haben uns in der Region umgehört und wollten auch wissen, welche Momente aus 60 Jahren besonders in Erinnerung geblieben sind.
Der 24. August 1963 war für Sportbegeisterte gleich aus zwei Gründen ein historisches Datum. An diesem Samstag wurde der erste Spieltag der neu gegründeten Fußball-Bundesliga ausgetragen, am Abend erlebte Deutschland eine TV-Premiere: Heribert Meisel moderierte das erste "Aktuelle Sportstudio".
Am Ende jeder Sendung gibt es das traditionelle Torwandschießen. Sechs Treffer sind bislang noch keinem Teilnehmer gelungen.
Doch fünf Treffer gab es schon einige Male:
- 18. Mai 1974: Günter Netzer, Real Madrid
- 30. März1985: Rudi Völler, SV Werder Bremen
- 7. Mai 1988: Günter Hermann, SV Werder Bremen
- 12. Oktober 1991: Reinhard Saftig, Bayer 04 Leverkusen (Trainer)
- 26. März 1994: Matthias Becker, Eintracht Frankfurt
- 16. September 1995: Rolf Fringer, VfB Stuttgart (Trainer)
- 21. August 1999: Frank Pagelsdorf, Hamburger SV (Trainer)
- 11. Dezember 1999: Frank Rost, SV Werder Bremen (Torhüter)
- 12. Oktober 2019: Inka Grings, SV Straelen (Trainerin)
Aktuelle Moderatoren:
Jochen Breyer (seit 14. Dezember 2013), Nachfolger von Michael Steinbrecher
Katrin Müller-Hohenstein (seit 28. Januar 2006), Nachfolgerin von Rudi Cerne
Sven Voss (seit 30. Juli 2011), Nachfolger von Wolf-Dieter Poschmann
Für Thomas Felber ist ein Interview bis heute denkwürdig: "Als der Boxer Norbert Grupe auf die Fragen des Moderators Rainer Günzler keine einzige Antwort lieferte. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern." Wie der Funktionär der TSG 62/09 Weinheim und des SV Unter-Flockenbach schildert, wusste man als Zuschauer überhaupt nicht, was los war. "Ich weiß noch genau, wie erst im Nachhinein bekannt wurde, das Grupe mit der vorherigen Berichterstattung von Günzler über ihn nicht zufrieden war. Ich glaube, er soll daraufhin gesagt haben: Entweder ich sage gar nichts oder ich haue ihm eine rein."
Felber gibt zu, dass er die Sendung seltener verfolgt, auch wenn er mit dem "Aktuellen Sportstudio" aufgewachsen ist. Was Felber schade findet, ist: "Heute weiß jeder alles besser und was alles falsch gemacht wird. Es wird auch viel schneller alles infrage gestellt, das war früher nicht so. Da ging es mehr um den Spieler des Tages, um besondere sportliche Leistungen."
Aus den Analysen selbst etwas mitnehmen
Enrique Cazorla, Trainer der TSG 91/09 Lützelsachsen II, verfolgt die Sendung nach wie vor gerne und ausgiebig. Er gibt zu, grundsätzlich etwas "Oldschool" zu sein, aber: "Tagsüber kann ich mir die Spiele nur selten live anschauen. Und ich interessiere mich für die Analysen und Hintergründe besonders, da ich selbst Trainer bin." Am meisten freut es ihn, wenn ein Trainer als Studiogast mit dabei ist. Diesen zu beobachten und dessen Denkweise oder taktisches Verständnis zu sehen, sei sehr spannend.
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Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogenen Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzbestimmungen .Für Cazorla ist das Torwandschießen am Ende der Sendung ein richtiger Höhepunkt. Als Kind und Jugendlicher habe er nach eigener Auskunft mit großer Freude an Torwandschießen teilgenommen. "Das gehört einfach dazu und ich bin gespannt, ob wieder jemand vier oder fünf Treffer erzielt." Was die Zukunft der Sendung angeht, ist er zwiegespalten. "In dieser schnelllebigen Welt sind Traditionen sehr wichtig. Alles verändert sich und da tut so ein bewährtes Format gut. Ich glaube schon, dass das Sportstudio immer weniger geschaut wird. Die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne wird ja zunehmend geringer", findet der Trainer. Aber: Er kennt durchaus auch Jugendliche, die sich für die Sendung und die taktischen Hintergründe interessieren.
"Das ist eine Kultsendung"
Positiv gestimmt ist Reiner Held, der Bergsträßer Kreisfußballwart. "Das ist eine Kultsendung. Auch wenn sich die Zeiten ändern: Wenn ein Format so lange besteht, gibt es das bestimmt auch noch in zehn Jahren." Wenn es die Zeit zulässt, schaltet er immer wieder gerne ein. Das Sportstudio sei für ihn auch deshalb so unterhaltsam, weil auch Studiogäste aus anderen Sportarten mitmachen. Und das Format habe mit der Zeit durchaus einen Wandel durchlebte, findet der Kreisfußballwart. Er steht manchen Entwicklungen bei der Berichterstattung durchaus kritisch gegenüber. "Wenn jemand fünf Minuten nach Abpfiff bereits Rede und Antwort stehen muss, halte ich das für schwierig. Manchmal ist es auch angebracht, lockere Fragen zu stellen", findet Held.
Und welcher Moment ist ihm besonders in Erinnerung geblieben? Auch wenn er die Sendung nicht live verfolgt hat, so nennt Held ohne Umschweife den Vorfall mit dem Schimpansen. Dieser riss in einer Sendung der Frau des ehemaligen Schwimm-Olympiasiegers und Tarzan-Darstellers Johnny Weissmüller die Perücke vom Kopf.
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Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogenen Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzbestimmungen .Beckenbauer und das Weizenbierglas
Auch Mirko Schneider, langjähriger Trainer des SV Unter-Flockenbach, hat einen Lieblingsmoment. "Als Franz Beckenbauer beim Torwandschießen den Ball auf ein volles Weizenbierglas legte. Und dann trifft er auch noch", erinnert er sich mit einem Schmunzeln. Für ihn ist das "Aktuelle Sportstudio" deswegen auch ganz eng mit dem traditionellen Torwandschießen verknüpft. Schneider ist mit der Sendung als Kind aufgewachsen, denn "damals gab es noch kein Internet oder die ganzen Zeitungen wie den Kicker. Der Samstagabend lief immer gleich ab: erst die Sportschau bei der ARD und dann das Sportstudio beim ZDF".
Schneider glaubt indessen nicht daran, dass die Sendung noch eine lange Zukunft vor sich hat. Er selbst schaut sie immer seltener, denn: "Es gibt heutzutage ganz andere Möglichkeiten, vor allem an den Spieltagen. Durch die Berichterstattung wird schon mittags alles abgedeckt, mit Interviews, Analysen und Hintergründen. Und die Jüngeren schauen kaum noch die Öffentlich-Rechtlichen, die sind eher bei Netflix oder Prime unterwegs."
Auch Bruno Bihn, in der Region als langjähriger Trainer und Spieler bekannt, hat eine eindeutige Meinung: "In zehn Jahren wird es das Sportstudio in dieser Form nicht mehr geben. Samstags um 23 Uhr, das passt nicht mehr." Andere Sendungen seien aktueller und auch lockerer, was das Format angehe. In jungen Jahren habe er das Sportstudio regelmäßig verfolgt, vor allem die Interviews mit den Studiogästen hätten ihn am meisten interessiert.
Was Bihn besonders bedauert, auch bei anderen Sendungen, ist der Umgang mit Emotionen. Er findet: "Früher sagten die Spieler, was sie dachten. Heute sind alle Aussagen glatt geformt und wohlüberlegt." Er erinnert sich noch genau daran, als Jürgen Klinsmann am 10. Mai 1997 aus Frust über seine Auswechslung eine Werbetonne kaputt trat. "Oder als Lothar Matthäus bei einem Spiel gegen den KSC vom Spielfeld bis in die Kabine geschrien hat. Natürlich muss so etwas nicht sein, aber Emotionen gehören einfach dazu."
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