Ringen

Julian Metzgers nächster Schritt wird groß

Das Hemsbacher Ringer-Talent Julian Metzger startet in der kommenden Woche ein College-Studium in den USA. Und hat Ziele

Julian Metzger (rechts) im Angriffsmodus in Hausen-Zell: Künftig will der 17-Jährige in den USA alles geben. Foto: Zaid Kaisi
Julian Metzger (rechts) im Angriffsmodus in Hausen-Zell: Künftig will der 17-Jährige in den USA alles geben.

Julian Metzger ist kein Lautsprecher. Gerade erst 17 geworden, mag er Taten lieber als Worte – egal, ob auf der Matte oder daneben. Der Hemsbacher gehört zu den stärksten Ringer-Talenten der Region, wechselte 2023 von seinem Heimatverein, dem KSV Hemsbach, aus der Verbandsliga zum KSV Ketsch in die Regionalliga. Und trotz seiner damals gerade einmal 16 Jahre war er in der 57-Kilo-Freistilklasse gesetzt, brachte gegen renommierte Gegner sogar die Mehrzahl seiner acht Kämpfe nach Hause, fünf davon sogar als Schultersiege.

Die Ketscher hätten Metzger gerne gehalten, seine Lizenz bleibt auch in der Enderlegemeinde. Aber nach Abschluss seiner Fachschulreife an der Johann Philipp Reis-Schule in Weinheim zieht es ihn noch weiter weg: mit einem Sportstipendium zum Studium ans Northeastern Junior Collage ins amerikanische Sterling im Bundesstaat Colorado.

Aktuell läuft noch die Vorbereitung auf die Anfang September startende Regionalliga-Saison mit seinem Team in der Ketscher Rathaushalle, ab dem 14. August wird Metzger unweit der Rocky Mountains ein Collegezimmer mit einem Ringerkollegen beziehen. „Wir folgen uns schon auf Insta“, sagt Metzger, der, gespannt auf seinen neuen Mitbewohner, schon auf gepackten Koffern sitzt. Die Nervosität steigt, die Überraschungs-Abschiedsparty von Familie und Freunden, seinem ersten Hemsbacher Trainer Ismail Güner inklusive, ist gefeiert. Und nach der monatelangen Vorbereitung wird es jetzt einfach Zeit, dass am Dienstag der Flieger geht.

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Schnell und beweglich

Leicht fällt Julian Metzger der Abschied nicht, zumal er auch bei seinem neuen Verein in Ketsch eine wirkliche Gemeinschaft vorgefunden hat. „Ich ringe nicht mehr so gern auf Turnieren für mich selbst. Ich mag das Mannschaftsgefühl viel lieber. Deshalb würde ich als mein Ziel auch nicht eine Einzelmeisterschaft angeben. Viel lieber würde ich mal in der 2. oder sogar 1. Bundesliga ringen. Soweit weg von der 2. Liga bin ich ja nicht“, sagt der junge Mann, der aufgrund seiner Schnellig- und Beweglichkeit ein unangenehmer Gegner werden kann.

Foto: Bild: Zaid Kaisi

Deshalb blieben auch die Einzelerfolge nicht aus und die haben Metzgers Vita nicht geschadet. Und damit auch nicht der Bewerbung auf Scholarbook, einer Plattform für die Vermittlung für Studierende, die er ausfüllen musste. Kaum stand sein Profil mitsamt des Bewerbungsvideos seiner bisherigen sportlichen Highlights online, kam die erste Rückmeldung aus Amerika. „Nach einem Gespräch mit dem Ringertrainer in Sterling war klar, dass wir gut zusammenpassen könnten“, sagt Metzger, der sich aufgrund seines jungen Alters nur mit Zustimmung der Eltern bewerben durfte.

Für eine Aufnahme ist eigentlich das Abitur Voraussetzung, doch nach bestandenem Duolingo-Sprachtest gab auch das College grünes Licht fürs Studium. „Mein Verein in Ketsch musste zunächst schlucken, aber dann haben sie sich für mich gefreut.“ Schließlich wird der ehrgeizige Youngster neben täglichem drei- bis vierstündigem Unterricht zwei Trainingseinheiten bestreiten. „Meinen Stundenplan habe ich schon. Morgens geht es ins Gym, mittags auf die Matte. Dienstags ist Regenerationstag, da dürfen wir die Physiotherapeuten vor Ort genauso in Anspruch nehmen wie Eisbad, Sauna und Wellnessbereich. Ich dachte ja, Ketsch ist schon professionell aufgestellt, aber das, was ich bisher über das College gelesen habe, ist noch mal höher anzusiedeln.“

In den USA sehr beliebt

Metzger freut sich nicht nur auf die gute Infrastruktur, er hofft auch, dass er sportlich weitere Fortschritte machen wird. „Ringen ist in den USA sehr populär. Im Freistil gehören die Amerikaner zu den weltweit besten Nationen. Die interpretieren das zwar etwas anders, die Regeln variieren. Aber meine in Deutschland erlernte Technik werde ich auch dort umsetzen können.“

In Ketsch werden die Ringer schon von ihrem lautstarken Ultra-Fanclub unterstützt, in Colorado dürfte sich der Lärmpegel bei den College-Wrestling-Kämpfen noch einmal deutlich in die Höhe schrauben. Nicht nur aufgrund der traditionellen Begeisterungsfähigkeit des Publikums, sondern auch aufgrund der deutlich höheren Zuschauerzahl als in Deutschland.

Zunächst wird Julian Metzger mit seinen 20, 25 Teamkollegen hauptsächlich Turniere bestreiten. Die Saison startet in den USA erst im Januar. „Über Thanksgiving im November darf ich vier Tage nach Hause kommen, dann gehts direkt wieder hin“, macht sich Julian Metzger bei seinem vollen Programm keine Sorgen in Bezug auf Heimweh. Sein Bruder Dominik liebäugelt mit einem Besuch, selbst Ketschs Vorstand Özkan Bas will kommen. „Auch mein Trainer Scott Gottschling ist interessiert“, lacht der junge Mann mit den schnellen Beinen und den starken Armen.

„Wir wurden noch nicht gefragt, ob wir kommen wollen“, zuckt Julians Mutter lächelnd mit den Schultern. Sie ist stolz auf ihren Sohn, der in den letzten sechs Monaten neben dem Schulabschluss seine Bewerbung samt einhergehender Prüfungen in Eigeninitiative in Angriff genommen hat.

Aus Überbrückung wird Studium

Die Eltern waren am USA-Aufenthalt nicht unbeteiligt. Die Idee, sich bei Scholarbook anzumelden, hatte sein Vater. „Ich will eine Ausbildung zum Chemielaboranten bei einem amerikanischen Unternehmen in Mannheim machen. Um die zu starten, muss man aber 18 sein. Also muss ich überbrücken. Da hat sich ein Studium in den USA, mit den Schwerpunkt-Fächern Chemie und Englisch aufgedrängt.“ Sich auch sportlich weiterzubilden, macht die Sache richtig rund. In seinem Bewerbungsvideo muss sich Julian Metzger selbst beschreiben. „Ich will immer der Beste sein und gebe nie auf“, sagt er. Eigenschaften, die ihm das Ankommen in seiner Heimat auf Zeit leicht machen werden.