Lina von Schrader will mit Deutschland den WM-Titel
Die aus Leutershausen stammende Torhüterin ist Teil des deutschen U20-Teams bei der Weltmeisterschaft in Kolumbien. Und hat viel vor
Die U20-Frauen des Deutschen Fußball-Bundes bestreiten am Donnerstag um 23.30 Uhr unserer Zeit (live auf FIFA+) das Achtelfinale bei der Weltmeisterschaft in Kolumbien. Gegner: Argentinien. Ausgang: offen. Favoritenrolle: klar verteilt. Die Weltmeisterinnen von 2004, 2010 und 2014 gelten als einer der Titelkandidaten. Mittendrin: Lina von Schrader. Die Torfrau aus Leutershausen, die sich über die Jugend der SG Hohensachsen zur TSG 1899 Hoffenheim in die Bundesliga arbeitete, hat inzwischen beim ambitionierten Erstligisten RB Leipzig einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Und sie ist Ersatztorfrau im DFB-Kader. Zwischen Spielvorbereitung und Mittagessen hatten wir die Gelegenheit, mit ihr im Mannschaftshotel in Kolumbiens Hauptstadt zu sprechen.
Lina, zunächst einmal Glückwunsch zur Nominierung. Seit wann sind Sie in Kolumbien?
Lina von Schrader: Danke! Seit inzwischen zweieinhalb Wochen. Wir hatten eine Woche zur Akklimatisierung, seit 31. August läuft die Weltmeisterschaft.
Deutschland hat nach Siegen über Venezuela und Nigeria den Gruppensieg trotz einer Abschlussniederlage gegen Südkorea errungen. Was ist der Mannschaft zuzutrauen?
Von Schrader: Das Korea-Spiel lief nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Vielleicht hat es eine Rolle gespielt, dass wir schon qualifiziert waren und es für Südkorea noch um alles ging. Wir wissen, dass wir im Achtelfinale eine Schippe drauflegen müssen. Aber das können wir auch. Wir finden uns immer besser zusammen.
Zur Person
Lina von Schrader wurde im Februar 20 Jahre alt und bestritt in Vorbereitung auf die WM in Kolumbien vier Länderspiele.
Die Leutershausenerin startete mit dem Fußballspielen bei der SG Hohensachsen, wurde aber schnell von der TSG 1899 Hoffenheim entdeckt. Für Hoffenheim stand die Torfrau in der 2. Bundesliga, einmal auch in der 1. Liga gegen Köln im Kasten.
Jetzt wechselte Von Schrader zu RB Leipzig. Zuletzt erhielten die Hohensachsener eine Ausbildungsprämie von 1700 Euro.
Wie ist Argentinien also einzuschätzen?
Von Schrader: Die Argentinierinnen sind sehr temperamentvoll und spielen einen anderen Fußball als den, den wir aus Europa gewöhnt sind.
Das heißt?
Von Schrader: In Europa spielen wir ja sehr aus der Ordnung heraus, Argentinien wird sich da anders aufstellen, spielt wahrscheinlich impulsiver.
Und wie stehen die Chancen?
Von Schrader: Es ist ein Endspiel, da ist vieles möglich. Aber wir sind in der Favoritenrolle und unser Ziel ist ganz klar ein Sieg.
Sie selbst kommen bislang nicht zu Spielanteilen, Rebecca Adamczyk ist als Nummer 1 im Tor gesetzt. Wie gehen Sie damit um?
Von Schrader: Die Rollenverteilung, gerade im Tor, war ja schon länger definiert. Wir verstehen uns in der Dreierkonstellation super. Für jede gilt es, ihre Rolle anzunehmen und zu unterstützen.
Das klingt nach guter Stimmung im Team.
Von Schrader: Auf jeden Fall, Lagerkoller gibt es bislang noch nicht. Wir spielen im Mannschaftshotel, in dem ungefähr die Hälfte aller Mannschaften, die in Bogota spielen, untergebracht ist, jeden Tag Karten oder Tischtennis zusammen, haben auch schon zwei Ausflüge unternehmen können. Wir haben eine gute Mischung aus verschiedenen Charakteren, das schafft ein gutes Gleichgewicht. Jede kann gut mit jeder.
Fernab vom DFB, wie kam es zum Wechsel aus Hoffenheim nach Leipzig? Viola Odebrecht, Leiterin Frauen- und Mädchenfußball bei RB, spricht von Ihnen als einem „der größten deutschen Talente“.
Von Schrader: Ich habe mich in Hoffenheim wohlgefühlt, ich komme ja auch aus der Nähe. Aber ich habe auch gemerkt, dass es mich sportlich und persönlich weiterbringen kann, wenn ich mich aus der Komfortzone bewege und den Konkurrenzkampf in Leipzig annehme. Ich bin offen für andere Impulse, egal ob es das Leben in einer neuen Stadt, eine neue Mannschaft oder ein anderes Training ist.
Können Sie die Bundesliga in Kolumbien mitverfolgen oder stört das den Fokus?
Von Schrader: Wegen der Zeitverschiebung können wir in der Theorie die Spiele schon sehen, aber es überschneidet sich leider sehr oft mit unseren Trainingszeiten hier vor Ort, wodurch man die Spiele meistens nie komplett sehen kann. Mehr als eine Halbzeit habe ich bislang nicht geschafft.
Und wer wird Weltmeister?
Von Schrader: Ich glaube das Ziel, Weltmeister zu werden, hat jede Mannschaft, die an der WM teilnimmt. Aber bei so einem Turnier muss immer viel zusammenkommen – auch ein bisschen Glück gehört dazu. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir das Potenzial dazu auf jeden Fall haben und würde daher jetzt einfach mal sagen, dass wir Weltmeister werden.