Lukas Stadlmüller macht Theater – und Tore
Der 19-Jährige von der SG Hemsbach präsentiert sich in seinem ersten Aktivenjahr so, als zähle er schon seit Jahren zum Team. Das beweist er nicht zuletzt im Derby. Doch der Mann hat noch andere Begabungen.
Hemsbach. „Der spielt schon wie ein alter Hase“, meinte Thomas Mahler, Pressewart von Fußball-A-Ligist SG Hemsbach, nach dem Derbysieg über den SV Schriesheim. „Er hat ein tolles Spiel gemacht, der Junge“, lobte auch Trainer Luciano Monachello seinen Jungspund Lukas Stadlmüller, der beim 2:1-Heimerfolg über den zuvor punktgleichen, tabellarischen wie geografischen Nachbarn eine Hauptrolle spielte. Der 19-Jährige brachte die SG gegen Schriesheim mit seinem Premierentor früh in Führung (18. Minute).
Zur Person
Privat ist Lukas Stadlmüller seit mehreren Monaten liiert. Freundin Pauline drückt ihm in den kommenden Derbys beim TSV Sulzbach und zuhause gegen die TSG Weinheim II die Daumen.
„Gegen Weinheim haben wir noch was gutzumachen, nachdem wir im Hinspiel nach unserer 1:0-Führung schwer abgebaut und noch 1:4 verloren haben“, blickt Stadlmüller voraus auf das nächste SG-Heimspiel.
Wenn die deutsche Nationalelf am Sonntag in Dortmund im Rückspiel des Nations League-Viertelfinals gegen Italien ums Halbfinale kämpft (20.45 Uhr), wird der vorher noch für Hemsbach gegen Sulzbach geforderte Bayern-Fan live mit im Signal-Iduna-Park dabei sein.
Später führte seine Ecke zum vorentscheidenden 2:0 (70.), das Pa Malick Fofana sogar auf Ansage unseres Fußballers der Woche erzielte. „Ich sagte vorher zu Pa, er solle auf den zweiten Pfosten gehen, weil ich die Bälle gern mit Schnitt dorthin bringe – und es hat genau gepasst, er musste nur noch einschieben“, blickt Stadlmüller lächelnd auf seine Vorlage, nachdem der Außenbahnspieler zuvor selbst sehenswert getroffen hatte. Nach einer Flanke von außen traf er am Strafraumrand mit dem linken Fuß zum 2:0 ins linke Eck.
Tongeber nicht nur auf dem Rasen
„Ich bin eigentlich geborener Rechtsfuß, habe es mir aber angelernt, auch mit dem linken Fuß gut unterwegs zu sein“, erklärt der meist als linker Schienenspieler eingesetzte Stadlmüller. Durch sein Premierentor gab Hemsbach im Derby klar den Ton an – so wie er selbst es schon lange auf der Theaterbühne tut.
„Ich singe bereits seit über zehn Jahren am Theater. Mein Opa hat früher auch auf der Theaterbühne gesungen. Wir waren ihm oft zuschauen, bis ich selbst damit anfing, im Chor zu singen“, erläutert der Bayern-Fan, der mit dem Theaterchor viel herumgekommen ist, unter anderem schon in Amsterdam einen Auftritt hatte. Zudem spielte er mehrere Jahre Klavier, wofür irgendwann aber keine Zeit mehr blieb. Nach seinem Abitur und der Ausbildung zum Rettungssanitäter, die er im Vorjahr absolvierte, möchte er sich nun in Heidelberg dem Studium der Physiotherapie widmen. „Ich wollte in die Richtung Sport, um später vielleicht mal in dem Bereich zu arbeiten“, sagt Stadlmüller.
Bei der SG Hemsbach läuft es
Sportlich läuft es für ihn und Heimatverein Hemsbach nicht erst seit Sonntag rund. Nach einem holprigen Start mit nur acht Punkten aus elf Spielen und dem vorletzten Platz holte die SG sechs Siege aus den nächsten sieben Partien und hat sich inzwischen auf Rang acht vorgearbeitet. „Anfang der Runde haben wir uns noch schwergetan. Wir hatten viele neue Spieler, mussten uns erst als Mannschaft finden – was uns aber immer besser gelungen ist“, erklärt Stadlmüller, der sein erstes Aktivenjahr bestreitet und wie erwähnt oft schon wie ein alter Hase daherkommt. „Die Partie gegen Schriesheim war mein bestes Spiel der Saison.“
Auch bei der TSG 62/09 Weinheim gelernt
Den starken Auftakt in die anstehenden Derbywochen möchte er gerne bestätigen, wenn am Sonntag beim TSV Sulzbach (15 Uhr) und eine Woche später im Heimauftritt gegen die TSG 1862/09 Weinheim II gleich die nächsten Lokalduelle warten. Für Weinheim spielte Stadlmüller selbst eine Saison, weil es bei der SG Hemsbach seinerzeit keinen A-Jugend-Jahrgang gab. Mit dem TSG-Nachwuchs stieg er von der Landes- in die Verbandsliga auf.
Kickende Geschwister
Das eine Jahr habe ihm in seiner Entwicklung viel gebracht. In Weinheim sei er auch mit der Position des Außenverteidigers so richtig warm geworden, erklärt Stadlmüller, der wegen seiner Freunde dann wieder zur SG zurückging, um dort das zweite A-Jugendjahr zu verbringen. In der jetzigen Hemsbacher A-Jugend spielt sein jüngerer Bruder Simon, der als „Zehner“ generell offensiver gepolt ist. „Es kann gut sein, dass wir bald zusammen in einer Mannschaft spielen“, frohlockt der ältere Bruder bereits. Auch Schwester Sarah spielt Fußball, ist Mittelfeldspielerin bei der B-Jugend des SV Laudenbach.
„Wer der beste Fußballer unter uns Geschwistern ist, kann ich gar nicht sagen“, sagt Lukas Stadlmüller augenzwinkernd –in Sachen Erfolge liegt er familienintern aktuell aber ganz weit vorne und hofft, dass der Lauf der SG anhält.