SGL Handball GmbH meldet Insolvenz an
Das Verfahren ist eröffnet. Geschäftsführer Tobias Kleine-Nathland sieht sich aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit zu diesem Schritt gezwungen
Aus dem American Football der Weinheim Longhorns kommend war Tobias Kleine-Nathland ja einiges gewohnt. Im September 2019 übernahm er den Posten als neuer Marketing-Leiter der SG Leutershausen, Mark Wetzel und Uli Roth hatten den gelernten Sport- und Fitnesskaufmann überzeugt, ein „Roter Teufel“ zu werden. 2020 wurde Kleine-Nathland dann auch Geschäftsführer der SG Leutershausen Handball GmbH. Die war für die organisatorische und finanzielle Abwicklung des Spielbetriebes der 1. Männer-Handballmannschaft der SGL, die bezahlte Spieler und Trainer beschäftigt, zuständig. Jetzt meldete er wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz an.
Keine Einnahmen mehr
„Mir blieb nichts anderes übrig, da die GmbH ja keine Einnahmen mehr generieren kann und wir keine positive Fortführungsprognose stellen konnten. Ich war in dem Moment rechtlich verpflichtet Insolvenz anzumelden, um nichts zu verschleppen“, sagt Kleine-Nathland. Die Auflösung der GmbH hatte GmbH-Prokurist Uli Roth schon im vergangenen Jahr angekündigt, als klar war, dass es die Drittliga-Mannschaft der SG Leutershausen so nicht mehr geben kann. Mit Gründung der neuen Spielgemeinschaft Handball3Leutershausen Handball (S3L) wurde inzwischen die neue S3L-Spielbetriebs GmbH unter Leitung von Geschäftsführer Alexander Stiehl mit ähnlichem Zweck gegründet.
„Verbindlichkeiten beglichen“
Das Stammkapital von 25 000 Euro der alten GmbH war aufgebraucht, womit rechtlich eine Überschuldung vorliegen würde. „Wir haben aber alle Gehälter und Sozialleistungen bezahlt und die Verbindlichkeiten gegenüber unseren Partnern und Lieferanten beglichen“, sagt Kleine-Nathland. Gewinne habe die seit 2010 bestehende GmbH keine erwirtschaftet. Das hatte in Kleine-Nathlands (Bild: Marco Schilling) Wirkungszeit einige Gründe. Zunächst einmal die Ausrufung der Pandemie im März 2020, womit der SGL nicht nur die Einnahmen aus Wirtschaftsbetrieb und Ticketing bei den Heimspielen fehlten, auch beim Sponsoring gab es Einbußen. „Zudem wurden bestehende Verbindlichkeiten in Form von Darlehen abgebaut. Und wir haben so manche Nachforderung aus den Vorjahren beglichen.“
Gläubiger können sich melden
Über eventuell frühere bestehende Verbindlichkeiten, die 2022 noch im unteren sechsstelligen Bereich gelegen hatten, wollte Kleine-Nathland keine Auskunft geben. „Darüber kann ich nichts sagen. Die finanziellen Verhältnisse werden jetzt innerhalb des Insolvenzverfahrens aufgearbeitet.“ Das Verfahren wurde am 28. August eröffnet, Insolvenzverwalter ist der Mannheimer Rechtsanwalt Olaf Spiekermann. Insolvenzgläubiger haben bis zum 9. Oktober die Möglichkeit, ihre Forderungen anzumelden.
Schwere Zeit für Kleine-Nathland
Tobias Kleine-Nathland, der in Heddesheim ein Unternehmen für Meerwasserfloristik betreibt, spricht von vier sehr intensiven Jahren bei der SGL. „Es flossen viel Herzblut und unzählige Stunden Arbeit in die Handball GmbH. Ich hätte mir gewünscht, den SGL-Dampfer durch ruhigere Gewässer lenken zu dürfen“, sagt der 38-Jährige, der das Geschäftsführer-Amt neben seinem eigentlichen Job als großen Spagat bezeichnete. „Ein großer Dank an dieser Stelle für meine Lebensgefährtin, die das nicht nur alles mitgemacht, sondern mich auch tatkräftig unterstützt hat.“
Auch in Zukunft will sich Kleine-Nathland ab und an mal ein Spiel in Leutershausen anschauen. „Die S3L ist ein tolles und zukunftsträchtiges Objekt. Ich wünsche mir, dass der Handball an der Bergstraße dadurch neu aufblüht und die vier Vereine gemeinsam mehr erreichen. Das will ich mir natürlich live anschauen.“