Volksbank in Weinheim: Warum die neue Ausstellung so sehenswert ist
In der Galerie der Volksbank Kurpfalz in Weinheim sind aktuell Werke der Japaner Tomomi Morishima und Hirofumi Fujiwara zu sehen.
Wer beim Betreten der Weinheimer Volksbank den tropfenden Regenschirm zuklappte, den erwartete in der Lounge ein gewaltiger Kontrast. Schien gerade noch die graue, regnerische Welt unterzugehen, so tauchte man jetzt in ein warmes Bad aus kraftvoll leuchtenden Farben. Es waren die großflächigen, bis zu drei mal zwei Meter messenden Farbkompositionen des Japaners Tomomi Morishima, die den gesamten Raum beherrschten. Dazwischen bildeten die meist einzeln stehenden, figurativen Skulpturen des Künstlers Hirofumi Fujiwara sanfte Ruhepunkte.
„Echos“ nennen die beiden 40-jährigen japanischen Künstler ihre Gemeinschaftsausstellung. Beide haben an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe studiert und sind sich dort erstmals begegnet. Die beeindruckende Ausstellung in der Volksbank-Lounge, die vom Duo „Lounge Rebels“ musikalisch untermalt wurde, ist ein weiterer Meilenstein in der Reihe der Kooperationen mit dem Kunstförderverein Weinheim.
Nachdem Carsten Müller, Sprecher des Vorstandes der Volksbank, die zahlreichen Gäste begrüßt hatte, sprach Gerhard Berger, Vorsitzender des Kunstfördervereines Weinheim, von Spuren, die diese beiden Künstler mit ihren beeindruckenden Werken sicherlich hinterlassen werden.
Morishimas Welt
Kunsthistoriker Reinhold Weinmann beschrieb die Arbeitsweise von Tomomi Morishima als spontane Malerei direkt auf der Leinwand. Um die leuchtenden Ölfarben nach und nach aufzutragen, benötigt Morishima für ein Bild in der Regel mehrere Monate.
Dabei sind seine Farbkompositionen, die aus Architektur, Landschaft und Figuren bestehen, in den einzelnen Arbeitsetappen stimmungsabhängig und bleiben letztendlich großzügigen Interpretationen überlassen.
Botanische Namen
Er gibt seinen Bildern teilweise botanische Namen, obwohl es sich nicht um reine Pflanzenmotive handelt. Steht man als Betrachter vor seinen Objekten „Fulva“ oder „Fuchsia“, so fällt der Wechsel von Farbflächen und Leerräumen auf, die einen luftigen, surrealen Bildraum aus vibrierenden Farbsprengseln und fließenden Ebenen ergeben. Die Bilder laden dazu ein, Morishimas Welt zu betreten.
Etwas Geheimnisvolles umgibt sein gegenständliches Bild „Reminiscence“, das einen dunklen Wald darstellt, vor dem verloren ein Kind steht. Es scheint, als ginge es hier um etwas Erlebtes. Doch wie bei all seinen Werken, auf denen eine menschliche Figur dargestellt ist, wirkt der Mensch inmitten der komplexen Kompositionen wie ein Stellvertreter der Menschheit.
Spiel mit den Zeitdimensionen
Denn eines der Merkmale seiner Malerei ist sein Spiel mit den Zeitdimensionen. Es geht bei ihm also nicht um Erinnerungen an Vergangenes, sondern eher um Ahnungen von Zukünftigem. Daher ist auch die Zeitachse auf seinen Bildern eher surreal.
Traumwelten und stille Figuren
Ähnlich anonym wie die Menschen auf Morishimas Bildern sind auch die aus Keramik und Acrylglas gefertigten Skulpturen von Hirofumi Fujiwara. Die unergründlich wirkenden Personen zeigen keinerlei Mimik und scheinen mit leeren Augen nach innen zu blicken. Während ihre weiße Kleidung wie eine Uniform wirkt, sind ihre Gesichter hautfarben. Die stehenden oder kauernden Körper sind ohne Gestik.
Bei seinem Objekt „Utopian“ (redhair) kniet ein Mensch, dessen Einheitsweiß nur von seinem roten Schopf unterbrochen wird, hinter einem Gitter aus Acrylstäben. Das transparente, luftige Kunststoffmaterial, das Fujiwara verwendet, steht der festen Keramikmasse gegenüber. Wie sein Ausstellungspartner suggeriert auch er mit seinen Figuren Traum- und Gedankenwelten.
Dass die Bedeutung der Kunstwerke oder die Geschichten, die sie erzählen, letztendlich dem Betrachter obliegen, ist ein weiteres gemeinsames Merkmal der beiden japanischen Künstler.
Komplexe Geschichten
Für die Ausstellung „Echos“, die bis zum 7. Januar 2025 während der Banköffnungszeiten besucht werden kann, sollte man sich Zeit nehmen. Denn je länger man vor einem Bild oder einer Figur verharrt, desto komplexer werden die Geschichten, die sie erzählen.
Eine Führung durch die Ausstellung „Echos“ mit dem Kunsthistoriker Reinhold Weinmann gibt es am 28. November um 17 Uhr.