Wandertipp

Im Bullauer Eutergrund bleibt die Zeit ein bisschen stehen

Der Wandertipp führt in ein verwunschenes Wiesental und verspricht streckenweise die vollkommene Ruhe. Warum die lange Anreise lohnt.

Verwunschenes Wiesental im Eutergrund. Foto: Anja Treiber
Verwunschenes Wiesental im Eutergrund.

Region. Dass es im Odenwald etliche Orte gibt, an denen sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, ist hinlänglich bekannt. Auf der aktuellen Tour würde es gerade auf dem ersten Abschnitt nicht wundern, wenn dazu auch noch Wolf und Bär kämen – so einsam sind wir teilweise unterwegs. Und weil es an vielen Stellen auch keine Internetverbindung gibt, ist diese Tour ein Genuss für all jene, die es ganz ruhig mögen.

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„Letztes Café vor der Grenze“ steht am Laternenpfahl am Ortsausgang des Höhendorfs Bullau. Schräg gegenüber liegt das Café Best, eine Einkehrmöglichkeit direkt an der Wegstrecke der gut zwölf Kilometer langen Runde. Danach geht es abwärts. In den Bullauer Eutergrund, einen kleinen Weiler der Stadt Erbach. Und tatsächlich verläuft diese Tour im Grenzgebiet. Am anderen Ufer des Euterbachs, der dem Tal seinen Namen gibt, liegt Bayern. Das heißt auch: Die Anfahrt ist etwas länger. Die Einkehrmöglichkeiten im Erbacher Ortsteil Bullau bieten Zimmer zum Übernachten an, denn die Runde eignet sich in Kombination durchaus auch für die Marbachsee-Tour, die man am Folgetag noch anschließen kann. Damit lohnt sich die etwas weitere Anreise dann auch richtig.

Foto: Open Street Maps / Peter Niklaus

Im Eutergrund zeigt das Handy: kein Netz. Kartenmaterial oder die zuvor bei Komoot im Offline-Modus geladene Tour sind von daher absolut empfehlenswert. Wir starten am denkmalgeschützten Löwenbrunnen direkt neben der Bushaltestelle und gehen bergab in Richtung der quelligen Nasswiesen die den Eutergrund mit seinem natürlichen Bachlauf als Naturschutzgebiet ausweisen. Am Infoschild angekommen biegen wir rechts ab und gehen die kleine Straße „Zur Mühlweise“ mit zwölfprozentiger Steigung steil bergauf, bis nach knapp einem Kilometer der Ortseingang von Bullau und das aussichtsreiche Café Best erreicht ist. Den Wanderparkplatz und die Pension „Zum Bauernhof“ rechts liegen lassend, geht es links ab aufs Feld – immer den Wegzeichen Bu1 beziehungsweise Nibelungensteig (N) folgend.

Das Bullauer Bild steht geschützt in einem Oktagon. Foto: Anja Treiber
Das Bullauer Bild steht geschützt in einem Oktagon.

Geheimnisvoller Rutschstein

Am Waldrand angekommen, geht es rechts ab an einer Koppel entlang, gleich wieder rechts und dann am urigen Hinweisschild zum „Gasthaus Schumbert“ wieder links der Beschilderung nach in den Wald. Bei Kilometer 5 der Tour ist der „Rutschstein“ zu finden, ein Steinblock mit zwei parallel verlaufenden, tiefen Kerben, deren Herkunft unbekannt ist. Möglicherweise wurden hier Bäume über den Stein gezogen, um Holzkohle herzustellen, da sich in der Nähe ein ehemaliger Kohlenmeiler befand. Wir rutschen nicht und erreichen nach einem weiteren Kilometer den kleinen Oberzenter Weiler Gebhardshütte. Sehr viel versteckter kann man nicht wohnen.

Auf den Feldern des Hochplateaus bei Bullau gibt es viel Weitblick. Foto: Anja Treiber
Auf den Feldern des Hochplateaus bei Bullau gibt es viel Weitblick.

Wir verlassen den Wald und laufen wieder über freies Feld, folgen dem roten Kreuz nach links Richtung Kohlberg, bei Kilometer 7,6 und 550 Höhenmetern ist der höchste Punkt der Strecke erreicht. Von hier aus geht es einen guten Kilometer weiter zum Bullauer Bild. Dieser Bildstock war einst in einen Buchenstamm eingewachsen, inzwischen wurde ihm ein eigenes achteckigen Häuschen spendiert, das aufgrund des durchlässigen Holzes bei entsprechendem Sonnenstand für magisches Licht sorgt. Seit fast 500 Jahren ein Ort zum Verweilen, das Bild entstand einst an einer alten Handels- und Pilgerwegkreuzung „als Schützendes Heilzeichen.“ An dieser Wegkreuzung begegnen uns ob der nahen Kreisstraße 42 und dadurch besserer Erreichbarkeit deutlich mehr Menschen.

Über weite Strecken ist die Tour durch Bu1 und Nibelungensteig gekennzeichnet. Foto: Anja Treiber
Über weite Strecken ist die Tour durch Bu1 und Nibelungensteig gekennzeichnet.

Die Tour führt hier bei Kilometer 9 auf dem letzten Viertel der Wegstrecke und dem am Bild rechts abbiegenden Bu1 sanft bergab. Zunächst geht es auf einem Waldweg den nächsten Kilometer schnurgeradeaus. Nach einem Rechts- und Linksschlenker an der Rinderhütte ist bei Kilometer 11 wieder der Eutergrund erreicht, wo der Weg dann rechts als N/Wü3 an der Euterquelle und dem Rösselbrunnen vorbei auf der Straße „Am Diebsberg“ zurück zum Ausgangspunkt führt.