Gesundheit

Angehörige von psychisch Kranken fordern passgenauere Hilfen

Wo bekommt man schnell und wirksam Unterstützung, wenn ein Familienmitglied psychisch erkrankt? Ein Angehörigenverband fordert auch für Hessen einen flächendeckenden, aufsuchenden Krisendienst.

Eine Frau steht in ihrer Wohnung an einem Fenster. Foto: Fabian Sommer/dpa/Archivbild
Eine Frau steht in ihrer Wohnung an einem Fenster.

Gießen (dpa/lhe) - Die Hilfen für Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen ist nach Einschätzung von Betroffenen in Hessen noch lückenhaft. Noch immer werde Erkrankten und ihrem Umfeld auch von Fachleuten teils Unverständnis entgegengebracht, sagte Rose Maria Konang vom Landesverband der Angehörigen und Freunde von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Hessen der Deutschen Presse-Agentur. Geeignete ambulante und zugehende Hilfen für schwer erkrankte, oft uneinsichtige Menschen seien Mangelware. Das System habe dafür keine geeigneten Strukturen und sei deshalb völlig überfordert. So fehle Hessen ein flächendeckender aufsuchender Krisendienst, der rund um die Uhr erreichbar sei. 

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Dabei könne manchmal schon helfen, wenn fachlich versierte Personen vor Ort kämen, das Gespräch auch mit dem sozialen Netz suchten, die Situation beruhigten und auch gemeinsam Perspektiven entwickelten, wie es weitergehen könne. Die gemeindepsychiatrischen Verbünde, in denen die jeweiligen regionalen Leistungserbringer zusammengeschlossen sind, funktionierten nur mancherorts im Bundesland gut, sagte Konang. Nötig seien zudem passgenaue Beschäftigungs- und Arbeitsangebote für Menschen mit psychischer Erkrankung, die sich einerseits oft nur schwer in einen strukturierten Arbeitsalltag einfinden können und andererseits mit den einfachen Tätigkeiten in einer Behindertenwerkstatt häufig unterfordert seien. 

Auch vom Landeswohlfahrtverband Hessen hieß es: «Psychiatrische Krisen sind zunehmend ein gesellschaftliches Problem, für das es keine einheitlichen Ansprechstellen in Notfällen gibt.» In den Landkreisen und Städten hätten die Sozialpsychiatrischen Dienste in den Gesundheitsämtern, die derzeit für solche Angebote zuständig seien, «sehr unterschiedlich ausgestattete Möglichkeiten geschaffen, um im Fall von Krisen Hilfen zu erhalten», so der LWV. Nachdem der in der vergangenen Legislaturperiode vereinbarte hessenweite Krisendienst noch nicht umgesetzt sei, setze sich nun auch die neue Landesregierung für die Schaffung eines flächendeckenden Krisenhilfe-Systems ein.