Bahn verschiebt Sanierungen – weniger Strecken bis 2031
Weniger Baustellen, aber auch längere Wartezeiten: Warum die Sanierungspläne der Bahn jetzt teilweise vorerst auf Eis gelegt werden und welche Strecken in Baden-Württemberg betroffen sind.
Stuttgart/Berlin (dpa/lsw) - Bahn und Bund wollen in den kommenden fünf Jahren deutlich weniger vielbefahrene Strecken sanieren als bislang geplant. Bis 2031 sollen nur noch 13 statt 21 Strecken umfassend erneuert werden, wie die Deutsche Bahn und das Verkehrsministerium in Berlin mitteilten. Die übrigen Sanierungen folgen demnach später. «Es werden keine Korridorsanierungen gestrichen, sondern nur verschoben», hieß es. «Die Priorisierung der Korridorsanierungen ab dem Jahr 2032 erfolgt im kommenden Jahr.»
Folgende vier Verbindungen mit Bezug auf Baden-Württemberg werden dann später in Angriff genommen: Ulm-Augsburg (ehemals für 2034 geplant), Mannheim-Karlsruhe (ursprünglich 2031 geplant) sowie Frankfurt/Main-Heidelberg und Stuttgart-Ulm (ursprünglich 2030 geplant).
Was besser werden soll
Besser werden sollen bei all diesen Generalsanierungen die Umleitungen. Die für die Infrastruktur zuständige Bahn-Tochter InfraGo bereite die Umleiterstrecken intensiver vor und stimme den Bauablauf mit weiteren Baustellen im Schienennetz ab. Insbesondere die Wettbewerber im Güterverkehr hatten zuletzt immer wieder kritisiert, dass Umleitungen nicht ausreichend vorbereitet und kommuniziert worden seien.
Nach Abschluss der Bauarbeiten soll der Zugverkehr künftig nur schrittweise wieder hochgefahren werden - statt, dass wie bisher an einem bestimmten Datum alle Verkehrsträger wieder fahren sollten. Bei den bislang abgeschlossenen Generalsanierungen hatte es nach Abschluss der Arbeiten immer wieder Probleme etwa mit verspäteten Zügen gegeben.
Anders als bisher sollen alle Strecken künftig zudem vollständig für das digitale Zugleitsystem ETCS vorbereitet werden. «Das heißt, dass alle erneuerten
Stellwerke bereits ETCS-fähig werden, und dass angepasste Signalstandorte und moderne Achszähltechnik verbaut werden», teilte die Bahn mit. Bisher war das auf vielen Strecken nur auf einzelnen Abschnitten geplant.
Ein Konzept der alten Regierung
Das Konzept der Generalsanierung entstand unter dem früheren Verkehrsminister Volker Wissing und dem damaligen Bahnchef Richard Lutz und wurde im Februar 2023 vorgestellt. Bis 2031 sollten rund 40 vielbefahrene Bahnstrecken in Deutschland über Monate gesperrt und grundlegend saniert werden. Dafür sollten sie im Anschluss für rund zehn Jahre baufrei bleiben und deutlich weniger störanfällig werden. Nach und nach würde sich die Pünktlichkeit im gesamten Netz auf diese Weise verbessern, betonten beide.
Der Plan sah ursprünglich bis zu acht Sanierungen pro Jahr vor. Nach deutlicher Kritik insbesondere von den Wettbewerbern im Güterverkehr wurde das Konzept unter der neuen Bundesregierung im Jahr 2025 erstmals grundlegend angepasst. Die Anzahl der Sanierungen pro Jahr wurde auf vier bis fünf begrenzt. Der Gesamtzeitplan wurde bis zum Jahr 2036 gestreckt.
Mit viel Aufbruchstimmung startete im Jahr 2024 die erste der 40 Sanierungen auf der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Nach sechs Monaten Bauzeit wurde die Strecke im Dezember desselben Jahres wiedereröffnet.