Tourismus

Camper als Tourismus-Booster: Warum Kommunen Plätze ausbauen

Wohnmobilgäste buchen zwar kein Hotelzimmer - aber sie bringen zusätzlichen Umsatz für heimische Geschäfte. Das ist aber nur ein Grund, warum hessische Kommunen in Camper-Stellplätze investieren.

Den Campern Rolf und Sabine ist ein stadtnaher Stellplatz wichtig. Foto: Florian Wiegand/dpa
Den Campern Rolf und Sabine ist ein stadtnaher Stellplatz wichtig.

Alsfeld/Kiedrich (dpa/lhe) - Das Ehepaar Rolf und Sabine G. aus Hannover ist mit seinem Wohnmobil auf der Durchreise nach Berlin im mittelhessischen Alsfeld gelandet. Auf dem städtischen Stellplatz wird erst mal Kaffee getrunken. «Wir sind gerade angekommen, aber finden es direkt ganz schön», sagt Sabine. «Uns war ein Stellplatz wichtig, der in der Nähe der Stadt ist - denn da wollen wir gleich noch hin.» Und Rolf ergänzt: «Bei uns ist der Weg das Ziel.» Auf den Platz im Vogelsberg ist das reiselustige Paar über die guten Bewertungen im Internet aufmerksam geworden.

Rund ein Dutzend Wohnmobile stehen an einem Tag unter der Woche auf dem ruhigen Platz direkt am Flüsschen Schwalm. Zur mittelalterlichen Altstadt von Alsfeld sind nur wenige Hundert Meter. Die Urlauber sind überwiegend im Rentenalter, einige haben ihre Campingstühle vor dem Wohnmobil aufgestellt. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre.

Jede vierte Übernachtung in Alsfeld ist im Wohnmobil

Gäste mit Wohnmobilen buchen zwar keine Übernachtung im Hotel oder in der Pension - aber sie sind in Alsfeld trotzdem sehr gerne gesehen. Rund ein Viertel aller Übernachtungen in dem Städtchen werden inzwischen auf dem Wohnmobilstellplatz registriert - insgesamt sind es derzeit 23.000 jährlich, wie das Stadtmarketing mitteilt. 

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Der Stellplatz ist in Alsfeld ein wichtiger Bestandteil der Tourismusförderung. Foto: Florian Wiegand/dpa
Der Stellplatz ist in Alsfeld ein wichtiger Bestandteil der Tourismusförderung.

Der Alsfelder Wohnmobilstellplatz ist im laufenden Betrieb wirtschaftlich, die Kosten werden durch die Einnahmen gedeckt, wie die Stadt erklärt. «Unabhängig von der Wirtschaftlichkeit liegt für uns der größere Mehrwert jedoch in der Gesamtwirkung: Der Wohnmobilstellplatz bringt zusätzliche Gäste nach Alsfeld.» Der Stellplatz sei mittlerweile selbst außerhalb der Wochenenden und Hauptreisezeiten voll belegt, teilt das Stadtmarketing mit.

Der Stellplatz sei ein wichtiger Bestandteil der Tourismusförderung. Wohnmobilgäste blieben nicht ausschließlich an ihrem Fahrzeug, sondern verbrächten Zeit in der Stadt. «Sie besuchen Gastronomiebetriebe, Geschäfte, Veranstaltungen und touristische Einrichtungen - und davon profitiert wiederum die lokale Wirtschaft.» Gemäß Studien gebe ein Wohnmobilist pro Tag in Deutschland zwischen 50 und 70 Euro aus, ergänzt das Stadtmarketing. 

Aus einer Stippvisite wird oft mehr

«Wohnmobiltouristen waren nicht nur während Corona ein bedeutender Rettungsanker für die Wirtschaft in der Innenstadt», heißt es aus der Alsfelder Verwaltung. Durch die gute verkehrstechnische Anbindung an die Autobahn kämen viele Gäste nicht zielgerichtet nach Alsfeld, sondern suchten einen zentral gelegenen Platz für ihre Nord-Süd/Süd-Nord Reise. Über diese funktionale Nutzung entdeckten sie erstmals die Stadt und seien in aller Regel so positiv überrascht, dass die Aufenthalte verlängert würden oder weitere folgten.

Aufgrund der guten Auslastung wurde der Stellplatz in den zurückliegenden 16 Jahren stetig erweitert und umfasst zurzeit 45 Stellplätze mit Stromversorgung. Die anhaltend hohe Nachfrage sei letztlich auch ausschlaggebend dafür, dass weitere 28 Stellplätze hinzukommen sollen.

Ein offizielles Angebot hilft dabei, Wildcamping zu verhindern. Foto: Florian Wiegand/dpa
Ein offizielles Angebot hilft dabei, Wildcamping zu verhindern.

«Wohnmobilisten sind in der Regel kaufkräftige Gäste, die auf die lokale Wertschöpfung einzahlen. Die Nachfrage nach Stellplätzen nimmt in den letzten Jahren immer mehr zu», erläutert auch Susanne Beier, die in der Rheingaugemeinde Eltville für Tourismus zuständig ist. Daher wolle die Stadt Eltville ihren Wohnmobilgästen einen sicheren, zentrumsnahen Stellplatz bieten. 

«Campingfans werden nicht auf ein Hotel oder eine Ferienwohnung ausweichen, wenn keine Stellplätze vorhanden sind, sondern als Ziel erst gar nicht Eltville ansteuern», erklärt Beier. «Auch das Wildcampen soll durch ein vernünftiges Stellplatzangebot eingedämmt werden.» Da der aktuelle Stellplatz zwar praktisch, aber nicht sehr idyllisch zwischen Bahnlinie, Gewerbe- und Wohngebiet liegt, ist Eltville derzeit auf der Suche nach einer neuen Lösung. In der Stadt nutzen rund 500 bis 600 Wohnmobile den Stellplatz im Jahr. 

«Camping auf dem Weingut» steht bei Gästen hoch im Kurs

«Ein entsprechendes Angebot für Wohnmobilisten ist in einem Tourismusort wie Eltville am Rhein unerlässlich», ist Beier überzeugt. «Ob es sich dabei um einen kommunalen Stellplatz handelt oder die Nachfrage durch andere touristische Akteure abgedeckt wird, ist dabei unerheblich.» Gerade die Angebote rund um «Camping auf dem Weingut» stehen bei den Gästen hoch im Kurs.

Die Nachbargemeinde Kiedrich im Rheingau hat gerade drei neue Wohnmobilstellplätze ausgewiesen und eine moderne Ver- und Entsorgungsstation in Betrieb genommen. Dort kann die Toilettenbox entleert und frisches Wasser getankt werden. 

Offizielles Areal verhindert Wildcamping

Von den Campern profitiere direkt die heimische Wirtschaft – «insbesondere die Gastronomie, die Winzerbetriebe sowie der lokale Einzelhandel und Lebensmittelmärkte», erklärt die Gemeinde. Ein offiziell ausgewiesenes Areal verhindere Wildcamping und schützte sensible Naturräume.

«Camping-Touristen lassen erfahrungsgemäß pro Kopf und Tag erhebliche Summen für Verpflegung, Freizeitaktivitäten und Weineinkäufe direkt im Ort», heißt es aus der Ortsverwaltung. «Zudem fungieren zufriedene Camper als Multiplikatoren und Botschafter, die das Image Kiedrichs positiv nach außen tragen.»