Darmstadt vergisst über zwei Jahrzehnte eine alte Statue
Eine alte Statue gerät über 20 Jahre in Vergessenheit. Ein Streit um die Lagerkosten ist jetzt beigelegt.
Darmstadt (dpa/lhe) - Wallendes Haar, Lorbeerkranz, die Hand am Schwert und jede Menge Patina: Die Stadt Darmstadt hat mehr als zwei Jahrzehnte eine alte Germania-Statue in einer Werkstatt vergessen. 2003 habe man den Auftrag für eine Bronzekopie bekommen, sagte Andreas Heimbrock von der Werkstatt SteinSign der Deutschen Presse-Agentur. Die Kopie sei angefertigt worden und stehe im Stadtteil Eberstadt. «Dann kam nichts mehr, Kommunikation abgebrochen und ich hatte auch keinen Ansprechpartner.» Seither steht die fast mannsgroße Statue in der Werkstatt und geriet bei der Stadt in Vergessenheit.
Denkmalpflege findet Spur zur Statue
Wie kam die Stadt nun auf Spur der 1899 in Erinnerung an die Opfer des Deutsch-Französischen Krieges aufgestellten Germania? «Das hat die Denkmalpflege gemerkt. Eine neue Denkmalpflegerin hatte die Aufgabe entweder zu digitalisieren oder sonst irgendwas, jedenfalls war sie mit der Nachforschung betraut, wo das Original geblieben ist», sagte Heimbrock. «Wenn die Denkmalpflegerin dem nicht nachgestiegen wäre, dann wäre die Figur nach wie vor verschollen.»
Es habe einen Termin mit der Frau von der Denkmalpflege gegeben. Das sei ungefähr ein Jahr her. «Da wurde auch angesprochen, dass da eine Rechnung fällig wäre», sagte Heimbrock, der zusammen mit seiner Kollegin Ruth Andres die Werkstatt betreibt. Acht Euro pro Quadratmeter und Monat sollten für die Lagerung der Statue bezahlt werden. Die Antwort der Stadt sei gewesen, «wir haben kein Geld». Per E-Mail an seine Kollegin habe die Stadt zudem geantwortet: «Wenn die Figur nicht rausgegeben wird, wird es gerichtlich weitergehen.» Das sei für ihn das Ärgernis, so wolle er nicht mit sich umgegangen wissen, sagte der 68 Jahre alte Bildhauer und Steinmetz.
Darmstadt lenkt ein
Jetzt kommt die Kehrtwende der Stadt. Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz (SPD) habe mit Andres telefoniert und mitgeteilt, dass die Wissenschaftsstadt Darmstadt die Lagerkosten übernimmt: «276 Monate zu acht Euro pro Quadratmeter und Monat, insgesamt 2.627,52 Euro.»
«Wir danken Ruth Andres und Andreas Heimbrock, dass sie die Statue all die Jahre so sorgfältig behütet haben. Manchmal dauern die Dinge etwas länger», teilte Benz mit. Die Statue solle nun 2027 einen neuen Standort im Eberstädter Rathaus erhalten.
Gemälde in Frankfurt verloren geglaubt
In Frankfurt machte vor einigen Wochen ein verloren geglaubtes Gemälde ähnliche Schlagzeilen. Das Bild mit dem Namen «Schloss und Reich des Lira» von Ursula Schultze-Bluhm war laut Aufzeichnungen der Künstlerin Mitte der 60er-Jahre vom damaligen Frankfurter Kulturdezernent erworben worden, wie Kurator Martin Waldmeier auf Anfrage damals mitteilte. Jetzt sollte es in Bern in einer Ausstellung gezeigt werden. «Mit Hinblick auf die Bedeutung des Bildes, aber auch auf die Tatsache, dass es schon sehr lange nicht mehr gezeigt wurde, haben wir es als Leihgabe für die kommende Ausstellung angefragt», sagte er. «Daraufhin wurde vom Kulturamt der Stadt Frankfurt festgestellt, dass das Werk nicht auffindbar ist.»
Im Kulturdezernat wusste man nicht sofort, wo das Gemälde war - es sei aber nicht vermisst gewesen, hieß es auf Anfrage. «Da das Gemälde nicht am Hauptstandort der städtischen Kunstsammlung aufzufinden war, musste es ausgeliehen sein. Recherchen in städtischen Akten verwiesen schließlich auf die Albert-Schweitzer-Schule am Frankfurter Berg», teilte die Sprecherin auf Anfrage mit. Dorthin sei es «ganz regulär» 1970 ausgeliehen worden. «Und dort befand es sich offenbar auch heute noch», sagte Waldmeier im Juli. Es sei «also eine sehr schöne, überraschende und erfreuliche Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Seiten zur Wiederentdeckung dieses Bildes» gewesen.