Den Verlagen kommen die Leser abhanden
Vor der Buchmesse ist die Stimmung in der Branche nicht gut. Vor allem junge Menschen kaufen weniger Bücher. Woran liegt das und was kann man dagegen tun?
Frankfurt/Main (dpa) - Die Stimmung in der Buchbranche ist vor dem Start der Frankfurter Buchmesse eher düster. Vor allem junge Menschen lesen weniger, die Zahl der Neuerscheinungen und der Übersetzungen sinkt, die Ab- und Umsätze ebenfalls. Die wichtigsten Zahlen im Überblick:
- Der Umsatz der Buchbranche lag 2025 mit 9,62 Milliarden Euro 2,7 Prozent unter dem von 2024. Nach den ersten acht Monaten 2026 ging der Wert noch weiter runter und liegt nun 3,0 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.
- Die Zahl der Buchkäuferinnen und -käufer schrumpft - insgesamt von 2024 auf 2025 um knapp fünf Prozent. Alarmierend: Die Zahl der Leser zwischen 10 und 15 Jahren ging im Vergleich zum Vorjahr um über 30 Prozent zurück, bei 20- bis 29-Jährigen um knapp 18 Prozent.
Was wird mehr und was weniger gelesen?
- In den meisten Themengebieten sinkt das Interesse: Reisebücher minus 11,6 Prozent, Ratgeber minus 8,1 Prozent, Sachbücher minus 4,6 Prozent, Kinder- und Jugendbücher minus 2,4 Prozent.
- Gestiegen sind die Umsätze nur in diesen Themenbereichen: Belletristik plus 1,2 Prozent, Young-Adult plus 4,8 Prozent, New-Adult plus 9,6 Prozent.
Wie sieht es bei E-Books und im Online-Handel aus?
- Die Zahl der Erstauflagen sinkt: 2025 erschienen 52.644 neue Titel - fast zehn Prozent weniger als 2024. Auch die Zahl der Übersetzungen ins Deutsche ging zurück.
- Während das Online-Geschäft stabil blieb, ging der stationäre Buchhandel 2025 um 3,7 Prozent zurück. Das Geschäft mit E-Books pendelte sich auf stabilem Niveau ein. Beim Hörbuch stiegen die Umsätze um mehr als 13 Prozent.
Was sind die Gründe für die Entwicklung?
Zum einen: Die Lesekompetenz sinkt. Rund 20 Prozent der Erwachsenen - 10,6 Millionen Menschen - zwischen 16 und 65 Jahren in Deutschland können nur schlecht lesen und schreiben. Das war das Ergebnis einer Sonderanalyse zur Entwicklung der Lese- und Schreibkompetenzen Erwachsener, auf die die Stiftung Lesen hinweist.
Die jüngste Pisa-Studie zeigt das auch für Schüler. Jedem dritten 15-Jährigen fehlt die «grundlegende Kompetenz beim Lesen», so der Studienleiter. «Rückläufige Buchkäufe unter Jugendlichen und die schwachen Pisa-Ergebnisse zur Lesekompetenz sind parallele Entwicklungen», sagt der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Sebastian Guggolz.
Wie weckt man Leselust?
Was kann man dagegen tun? Das ist die Frage schlechthin auf der Buchmesse. Messe-Chef Juergen Boos hofft, dass die Messe selbst dazu beiträgt, neue Leselust zu wecken. Der Hebel: eine emotionale Bindung zum Autor oder zum Thema herstellen. «Die Rezeption ist heute eine andere», sagt Boos. «Wir sehen eine Entwicklung vom Leser zum Fan.»
Damit möglichst viele Besucher «über das Fan-Sein zum Lesen kommen», befindet sich die Messe im Wandel. Die Zahl der «Events» steigt von Jahr zu Jahr. Im «Meet the Autor»-Areal stehen die Fans stundenlang für Selfies oder Autogramme an. Neu sind diesmal «Erlebniswelten» mit Mitmachangeboten, etwa für Krimifans, Podcast-Hörer oder Comic-Liebhaber.