Der alte Kramaric ist zurück: Hoffenheim im Aufwind
Andrej Kramaric wird in Hoffenheim auch scherzhaft mit einem Tier in Verbindung gebracht. In der Europa League meldet sich der Torjäger zurück - und die TSG empfiehlt sich für das Leverkusen-Spiel.
Sinsheim (dpa) - Bevor Andrej Kramaric sich vor dem Fanblock im Sinsheimer Stadion feiern ließ und zu Interviews ging, verlangte er vehement nach einem trockenen Trikot und warf sich noch eine Daunenjacke über. Jetzt bloß nicht erkälten - auch das ist Erfahrung. Die TSG Hoffenheim freute sich nach dem 3:0 gegen Olympique Lyon nicht nur über den ersten Saisonsieg in der Europa League, sondern auch über die Rückkehr von Matchwinner Kramaric.
«Es war schon kalt draußen nach dem Spiel. Ich habe auch Kinder, jeden Tag nach dem Kindergarten weißt du nie, was die da mit nach Hause bringen. Besser Prävention als krank zu werden», sagte der 35 Jahre alte Kroate.
Noch «Luft nach oben mit 35»
Vor dem Erfolg gegen den Spitzenreiter der französischen Ligue 1 stand Kramaric für die bis dato schwierige Saison des nordbadischen Fußball-Bundesligisten. Bei der Heimniederlage gegen Besiktas Istanbul durfte er erstmals in der Startelf ran - und ging mit unter. Nach der Weltmeisterschaft, einer Leisten-Operation und der verpassten Vorbereitung ist der Rekord-Torjäger noch immer nicht ganz der Alte. «Es gibt noch Luft nach oben mit 35», sagte er schmunzelnd.
Gegen Lyon absolvierte Kramaric erstmals die volle Partie - und wie: Mit seinem ersten Tor in dieser Saison erzielte er die Führung (45.+ 4. Minute) und bereitete die Treffer durch Adam Daghim (49.) und Adam Hlozek (83.) vor.
Vor 21.029 Zuschauern profitierten die Hoffenheimer auch davon, dass sich Olympique vor dem französischen Spitzenspiel am Sonntag bei Paris Saint-Germain am Ende nicht mehr voll verausgabte.
«Heute haben wir eine Topleistung gezeigt, aber in drei Tagen ist Leverkusen - auch wieder eine Topmannschaft. Wir brauchen auch Punkte in der Bundesliga, das ist die Realität», mahnte Kramaric vor der Partie am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN). Er habe jedoch gegen Lyon viele gute Sachen gesehen: «Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel heute gemacht. Auch gegen den Ball.»
Ilzers Sonderlob für Baumann
Sein Trainer Christian Ilzer berichtete, dass er und Sport-Geschäftsführer Christian Schicker sich in Interviews vor dem Anpfiff «fast rechtfertigen» mussten, dass der WM-Zweite von 2018 und WM-Dritte von 2022 von Anfang an spielte. Danach wollte der Österreicher Kramaric erst gar nicht in den Himmel loben und verwies auch auf die Leistung von Torhüter und Kapitän Oliver Baumann.
«Olli hat uns mit zwei super Saves die Null gehalten. Sehr großes Lob für die Mannschaft. Das ist für uns emotional, für unser Selbstvertrauen, für unsere Energie sehr, sehr wertvoll», sagte Ilzer und sprach von einer kollektiven Leistung.
Der «TSG-Goat» ist zurück
«Wir brauchten so einen Sieg fürs Selbstvertrauen», sagte der kroatische Offensivspezialist. Nach dem Sieg zuletzt in Mönchengladbach und nun diesem internationalen Auftritt möchte die TSG endlich richtig vorankommen. «Ich habe schwierige zwei Monate hinter mir. Es ist ein sehr schönes Gefühl, wieder zu treffen nach einer Verletzung, einer Pause», sagte Kramaric. «Wir brauchen nicht über Serien reden, wir brauchen Siege.»
Auch Baumann war die Erleichterung anzusehen. «Man hat heute wieder gesehen, was für eine Klasse er hat. Wie er uns guttut, wie er Räume findet, wie er torgefährlich ist. Er ist nicht umsonst unser TSG-GOAT, wie wir hier so schön sagen hier», lobte er seinen langjährigen Kollegen.
Als «GOAT» («Greatest Of All Time - Der Größte aller Zeiten») der TSG wurde Kramaric bei seiner Vertragsverlängerung im Mai zusammen mit einer echten Ziege, was die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen ist, abgelichtet. «Ich bin noch nicht hundert Prozent fit, aber GOAT wird bald zurück sein», versprach der Routinier lächelnd.