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Deutsche-Börse-Aktionäre mit Fragen zur geplanten Übernahme

Die Geschäfte liefen zuletzt blendend, nun will die Deutsche Börse mit dem größten Zukauf ihrer Geschichte für weiteren Rückenwind sorgen. Aktionärsvertreter sehen das nicht nur positiv.

Die DAX-Kurve im Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt. Foto: Boris Roessler/dpa/Symbolbild
Die DAX-Kurve im Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt.

Frankfurt/Main (dpa) - Aktionäre der Deutschen Börse sehen den geplanten Zukauf des dänischen Softwareanbieters Simcorp nicht uneingeschränkt positiv. Mit rund 3,9 Milliarden Euro greife die Börse tief in die Tasche und nehme eine hohe Bewertung von Simcorp in Kauf, sagte Deka-Vertreter Andreas Thomae am Dienstag bei der Online-Hauptversammlung des Dax-Konzerns: «Ob sich das auszahlt, bleibt abzuwarten.»

Die Deutsche Börse will mit der größten Übernahme ihrer Geschichte ihr Geschäft mit Daten stärken und sich so unabhängiger von Schwankungen an den Finanzmärkten machen. «Wir wollen mindestens 50 Prozent der Anteile plus eine Aktie (...) erreichen. Und wir nehmen gerne deutlich mehr», sagte Konzernchef Theodor Weimer. Weimer äußerte sich zuversichtlich, dass das Übernahmeangebot von Ende April im dritten Quartal 2023 erfolgreich sein wird. Der Einfluss einer erfolgreichen Übernahme von Simcorp auf die Erträge des laufenden Jahres werde jedoch begrenzt sein.

Nach dem Rekordjahr 2022 peilt das Management weiteres Wachstum an. Angestrebt sind Nettoerlöse von 4,5 Milliarden bis 4,7 Milliarden Euro nach rund 4,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), das zuletzt gut 2,5 Milliarden Euro betrug, liegt der Zielkorridor bei 2,6 Milliarden bis 2,8 Milliarden Euro. Nach dem starken Jahresauftakt sei der Vorstand «zuversichtlich, das obere Ende der Bandbreite zu erreichen oder gar zu übertreffen, wenn der Rückenwind anhält», bekräftigte Weimer.

Kritik äußerten Aktionärsvertreter, dass die Deutsche Börse ihre Hauptversammlung trotz des Endes der Corona-Pandemie erneut nicht in Präsenz abhielt. Das Unternehmen habe «leider verpasst wieder zur Normalität zurückzukehren», sagte Andreas Lang von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Markus Kienle aus dem Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kritisierte, im virtuellen Format bleibe der Aktionär «Zaungast».

Trotz solcher Widerstände eröffnete die Hauptversammlung dem Unternehmen per Satzungsänderung die Möglichkeit, auch künftige Aktionärstreffen virtuell abhalten zu dürfen. Ein entsprechender Vorschlang von Vorstand und Aufsichtrat erhielt 80,05 Prozent Zustimmung. Vertreten war in der diesjährigen Hauptversammlung mit etwa 79 Prozent ein so großer Anteil des Aktienkapitals der Deutsche Börse AG wie noch nie. Die nun beschlossene Ermächtigung zum Abhalten einer virtuellen Hauptversammlung gilt zunächst für zwei Jahre.