Ein Frankfurter bei den All Blacks: Segner lebt seinen Traum
Der deutsche Rugby-Spieler Anton Segner sorgt im fernen Neuseeland für Furore. Warum der Frankfurter als Nationalspieler für den dreimaligen Weltmeister auflaufen darf und was seine Ziele sind.
Wellington (dpa) - Vom übergewichtigen Jungen aus Frankfurt ins Trikot der «All Blacks»: Anton Segner lebt im fernen Neuseeland seinen Traum und hat es als erster Deutscher nach einem märchenhaften Aufstieg in die legendäre Rugby-Nationalmannschaft geschafft.
Aber wie schaffte es «The German», wie Segner in Neuseeland auch genannt wird, ins Team des dreimaligen Weltmeisters? Zunächst brauchte es den Mut, als Teenie an das andere Ende der Welt zu ziehen. Dann war viel harte Arbeit nötig - und etwas Geduld. Denn um tatsächlich für Neuseeland auflaufen, half dann eine Regel des Weltverbandes. Demnach ist es bereits möglich, für eine Nationalmannschaft anzutreten, wenn bei einem Spieler eine «glaubwürdige und gefestigte nationale Verbindung» vorliegt, etwa wenn er unmittelbar vor dem ersten Länderspieleinsatz fünf Jahre in dem betreffenden Land zugebracht hat.
Ehrgeiz und Zielstrebigkeit
Jetzt will der Deutsche, der als Kind übergewichtig war und bei anderen Sportarten schon aussortiert worden war, für Neuseeland noch höher hinaus. Wer Segner begegnet, erkennt schnell zwei herausragende Merkmale. Zum einen ist der 25-Jährige ein wahnsinnig ehrgeiziger Typ. «Wenn ich spiele, dann geht es um den Sieg», sagt er selbst. An seiner eigenen Leistung hat er dabei nur Freude, wenn sie auch zum Teamerfolg beiträgt.
Zum anderen zeichnet Segner seine Zielstrebigkeit aus: «Wenn ich etwas im Visier habe, dann höre ich nicht auf, bis ich es habe.» Für diese Eigenschaften wird er im Rugby-verrückten Neuseeland gefeiert - und dank dieser Charakterzüge hat er es schließlich auch in das prestigeträchtige schwarze Trikot geschafft.
Konkurrenzkampf gegen das Idol
Segners nächste Herausforderung ist es nun, bei den «All Blacks» zu bleiben. «Es in den Kader zu schaffen, ist eine Sache. Aber da drinzubleiben, ist eine andere», sagte er nach seinem Debüt der Deutschen Presse-Agentur. Auf Segners Position als Dritte-Reihe-Stürmer («Loose Forward») herrscht in der Nationalmannschaft große Konkurrenz. Hinter seinem großen Vorbild, «All Blacks»-Kapitän Ardie Savea, tummeln sich dort etliche Weltklasse-Spieler, und die Nicht-Nominierung einiger Top-Leute für den aktuellen Kader löste im Land große Diskussionen aus.
Segners Nominierung steht dabei allerdings kaum zur Debatte. Denn «The German» hat sich eine Vielseitigkeit erarbeitet, mit der er sich von den meisten anderen Stars im Team abhebt. So kann er etwa alle drei «Loose Forward»-Positionen gleichermaßen auf Spitzenniveau beackern. Er hat es zu einem echten Unterschiedsspieler im sogenannten «Lineout», dem Einwurf im Rugby, gebracht. Das hat ihn für Nationaltrainer Dave Rennie bereits zur «unwiderstehlichen» Option als Einwechselspieler gemacht.
Dabei bleiben soll es aber freilich nicht. Denn dass Segner mehr kann und will, hat er bisher bei all seinen Stationen bewiesen. Sowohl bei seiner Schulmannschaft am Nelson College als auch im Juniorenteam der Christchurch Crusaders sowie bei seinem aktuellen Verein, den Blues aus Auckland, spielte er sich irgendwann in die Kapitänsrolle. In der Nationalmannschaft wäre das ebenfalls denkbar, auch wenn es bis dahin noch ein sehr weiter Weg ist.
Die «härteste Tour im Rugby» als große Chance
Deutlich näher ist Segner da schon der Teilnahme an der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr, die im nahegelegenen Australien stattfindet. Zunächst wartet auf den Frankfurter aber die schwerste Aufgabe, die es in seinem Sport derzeit gibt: der Weltmeister aus Südafrika. Gleich viermal hintereinander geht es in den nächsten sieben Wochen bei der laut Rennie «härtesten Tour im Rugby» gegen den Rekordweltmeister und Weltranglistenersten.
Für Segner ist es eine große Chance. Überzeugt er gegen die physisch wie spielerisch starken «Springboks», wird er automatisch zum Kandidaten für Rennies Mission, die «All Blacks» endlich wieder zur weltweiten Nummer eins zu machen. Dann könnte Segner seiner schon jetzt unglaublichen Geschichte ein noch beeindruckenderes Kapitel hinzufügen und vielleicht sogar der erste deutsche Rugby-Weltmeister werden.
Es wäre ein weiterer großer Schritt auf dem Weg, seine Sportart auch in Deutschland populärer zu machen. Denn hierzulande ist die Nationalmannschaft eher zweitklassig, für eine WM hat sich Deutschland noch nie qualifiziert.