Soziale Medien

Einnahmen mit Eisbad – Steuerfahnder prüfen Influencer

Luxus ohne Steuernummer, Hunde mit Betriebsausgaben und Geld von TikTok fürs Eisbaden: Für Hessens Finanzämter werden Influencer zur Herausforderung. Was die Prüfungen besonders schwierig macht.

Manche Influencer verdienen viel Geld. Das interessiert auch Finanzämter. (Symbolbild) Foto: Elisa Schu/dpa
Manche Influencer verdienen viel Geld. Das interessiert auch Finanzämter. (Symbolbild)

Wiesbaden (dpa/lhe) - Wer einen Wachhund einer geeigneten Rasse auf einem Betriebsgelände hat, kann das Futter womöglich von der Steuer absetzen – doch was gilt für vierbeinige Stars in den sozialen Medien? Erkennt ein Finanzamt einen Hund als sogenannten Petfluencer an, können seine Kosten im Einzelfall als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Laut Hessens Finanzministerium muss bei Influencern wie YouTubern und TikTokern «das Steuerrecht teilweise von Grund auf neu gedacht werden». Influencer und Finanzämter – wie passt dies zusammen? 

NRW schuf 2025 eigene Taskforce für Influencer

Steuerbehörden nehmen Influencer verstärkt unter die Lupe. Diese bekommen etwa Geld von Unternehmen, wenn sie deren Produkte in ihren Beiträgen im Internet zeigen oder empfehlen. Beim Affiliate-Marketing verdienen Influencer eine Provision, wenn ihre Follower bei ihnen über einen bestimmten Link Produkte einkaufen. Das stellt Hessens Finanzämter vor eine Herausforderung: Wie bekommen die Behörden in dieser Welt von Likes und Kooperationen über die Steuerpflichten von Influencern überhaupt einen Überblick?

Petfluencer: Auch Hunde können zu Stars im Internet avancieren. (Symbolbild) Foto: Sina Schuldt/dpa
Petfluencer: Auch Hunde können zu Stars im Internet avancieren. (Symbolbild)

In Nordrhein-Westfalen sorgte 2025 eine neu gegründete «Influencer-Taskforce» der Steuerfahndung für Aufsehen. Behördenleiterin Stephanie Thien sagte damals: «Es ist keine Seltenheit, dass eine Influencerin oder ein Influencer pro Monat mehrere zehntausend Euro verdient, aber nicht einmal eine Steuernummer hat.» Es könne «Lieschen Müller» doch nicht erklärt werden, «warum die im Internet im Luxus schwelgen und bei der Steuer davonkommen».

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Schulungen für steuerlichen Umgang mit Influencern

Und Hessen? Das Land schult laut Finanzministerium seit 2024 Betriebsprüferinnen und Betriebsprüfer für den steuerlichen Umgang mit Influencern. Bereits rund 90 bearbeiten in ihren Finanzämtern federführend entsprechende Fälle. «Das hessische Schulungskonzept wurde auf Anfrage anderer Länder bereits mit diesen geteilt», erklärt das Ministerium. 

Während Betriebsprüfer sich vornehmlich um routinemäßige Kontrollen kümmern, werden Steuerfahnder meist erst bei Anhaltspunkten für eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat aktiv. 

Bei Influencern können sich Finanzämter nicht auf viele Gerichtsurteile stützen – es handelt sich um ein recht neues Prüffeld. (Symbolbild) Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Bei Influencern können sich Finanzämter nicht auf viele Gerichtsurteile stützen – es handelt sich um ein recht neues Prüffeld. (Symbolbild)

2024 wurden laut Finanzministerium landesweit erst 17 Betriebsprüfungen in der Kategorie «Influencer/Content Creators» abgeschlossen, 2025 waren es schon 50. In beiden Jahren kam der Abschluss von insgesamt acht Steuerstrafverfahren hinzu. Die abgeschlossenen Betriebsprüfungen spülten eine Million Euro zusätzlich in die Steuerkasse, die beendeten Steuerstrafverfahren 750.000 Euro.

«Influencer sind ein sehr interessantes Prüffeld», sagt Michael Bonin, Betriebsprüfer beim Finanzamt Limburg-Weilburg und Mitglied der Deutschen Steuer-Gewerkschaft. «Ich bin auch IT-Prüfer in meinem Finanzamt, daher macht mir das mit Influencern unfassbar Spaß.»

Große Datenmengen erschweren Prüfung

Allerdings sei der Ermittlungsaufwand ungewöhnlich hoch. Aus Sicht von Bonin sei es für Betriebsprüfer «sportlich», die ihnen generell vorgegebene Mindestzahl von Steuerfällen pro Jahr zu erreichen, wenn Influencer darunter seien, «weil die Datenmengen dann so groß sind». Über die Steueraufsicht bekomme er hier auch «eine Menge Unterlagen von anderen Finanzämtern».

Hessens Finanzminister Alexander Lorz (CDU) erklärt mit Blick auf Influencer: «Gerade, weil die Grenzen zwischen privater Darstellung und wirtschaftlicher Tätigkeit oft verschwimmen, braucht es hier eine Prüfung mit Augenmaß, klare Regeln und mehr Orientierung.»

Die Einkünfte von Influencern seien steuerlich nicht immer ganz einfach zu fassen, sagt auch Hessens Finanzminister Alexander Lorz (CDU). (Archivbild) Foto: Arne Dedert/dpa
Die Einkünfte von Influencern seien steuerlich nicht immer ganz einfach zu fassen, sagt auch Hessens Finanzminister Alexander Lorz (CDU). (Archivbild)

Sein Ministerium verweist auch darauf, dass es bei der noch jungen Branche der Influencer «bislang nur eine begrenzte Anzahl an Fachliteratur und Rechtsprechung» gebe. 

Leute am Bildschirm zu halten, bringt Influencern Geld

Auch Plattformen im Netz zahlen Influencern Geld, wenn sie für viele Aufrufe sorgen. Betriebsprüfer Bonin kümmert sich nach eigenen Worten etwa um einen Influencer, «der von TikTok Geld bekommt, damit die Leute möglichst lange dort bleiben». Der TikToker zeige sich zum Beispiel im Winter beim Bad in einem Eisloch. «Ich hätte nie gedacht, dass jemand damit mehr Geld verdienen kann als ich», wundert sich Bonin.

Zum Bad im Eis bei Frost gehört Überwindung. Manche Influencer sind dazu bereit - wohl auch aus finanziellen Gründen. (Symbolbild) Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Zum Bad im Eis bei Frost gehört Überwindung. Manche Influencer sind dazu bereit - wohl auch aus finanziellen Gründen. (Symbolbild)

Bei der Prüfung von Einnahmen von Influencern, etwa auf YouTube und der vor allem für Erotikinhalte bekannten Plattform OnlyFans, werfen die Finanzämter laut Ministerium auch einen Blick auf deren sogenannte Dashboards. Dort bekommen sie einen Überblick über Abonnentenzahlen und Einnahmen – «ähnlich wie bei der Prüfung eines Restaurants der Export einer elektronischen Kasse angefordert wird».

Finanzministerium: Internet-Plattformen oft nicht leicht zu greifen

Noch komplizierter macht es, dass etliche Plattformen wie etwa TikTok und PayPal «im Ausland ansässig und damit schwerer erreichbar» sind, erläutert das Finanzministerium. Zudem speicherten sie relevante Daten «oft nicht so lange, wie es für steuerliche Aufbewahrungs- und Prüfungszwecke nach deutschem Recht nötig wäre».