Bundesliga

Eintracht schlägt neuen Kurs in der Transferpolitik ein

Das jahrelang erfolgreiche Geschäftsmodell von Eintracht Frankfurt greift nicht mehr. Die Vereinsführung reagiert mit einem Kurswechsel.

Eintracht Frankfurt schlägt einen neuen Kurs in der Transferpolitik ein. Foto: Florian Wiegand/dpa
Eintracht Frankfurt schlägt einen neuen Kurs in der Transferpolitik ein.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Kaum hatte sich Markus Krösche mit einem emotionalen Auftritt als Sportvorstand von Eintracht Frankfurt verabschiedet, verkündete der alte und neue Club-Boss Matthias Beck auf der Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten einen Kurswechsel in der Transferpolitik. 

«Wir wollen auch in Zukunft um internationale Plätze mitspielen, aber der Weg dorthin wird im Sinne der wirtschaftlichen Vernunft Anpassungen erfahren müssen. Das werden wir dem Nachfolger von Markus mit auf den Weg geben. Wir werden unseren Fokus künftig stärker auf den deutschen Markt und auf unser Nachwuchsleistungszentrum legen», sagte der Präsident und Aufsichtsratschef. 

Zwar wollen die Hessen auch künftig Spieler entwickeln und internationale Top-Talente nach Frankfurt holen. «Dabei müssen wir aber beobachten, ob die großen Transfers für uns noch möglich sein werden. Zum einen, weil die Preise für junge Talente brutal gestiegen sind. Zum anderen, weil die Abnehmer sich am Markt stark reduziert haben», erklärte Beck.

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Das alte Modell greift nicht mehr

Das von Krösche erfolgreich praktizierte Transfermodell, junge ausländische Profis zu verpflichten, zu entwickeln und dann für viel Geld an internationale Top-Clubs abzugeben, bescherte der Eintracht in den vergangenen fünf Jahren Transfereinnahmen in Rekordhöhe. Allein die Verkäufe von Hugo Ekitiké (FC Liverpool), Randal Kolo Muani (Paris Saint-Germain) und Omar Marmoush (Manchester City) spülten rund 265 Millionen Euro in die Vereinskasse.

Doch die Zeiten haben sich gewandelt und sind rauer geworden. «Das Geschäftsmodell, in dem wir uns bewegt haben, hat sich verändert. Der Weg, ganz bewusst auf die Entwicklung von jungen Spielern zu setzen, um wirtschaftlich einen Schritt nach vorn zu machen, funktioniert nicht mehr in dem Maße wie in den Jahren zuvor», räumte Vorstandschef Axel Hellmann ein.

Das liege vornehmlich an der englischen Premier League, «die vor dem Transfer-Sommer entschieden hat, dass sie ihre wesentlichen Transferströme in ihrem eigenen Land zirkulieren lassen will», führte Hellmann aus.

Eintracht will mehr vor die Haustür schauen 

Die Konsequenz für die Eintracht: «Wir müssen unsere Abhängigkeit auf der wirtschaftlichen Seite von Transfererlösen systemisch reduzieren und uns stärker darum bemühen, unsere wirtschaftliche Stabilität auf die Erlöse zu konzentrieren, die aus dieser Region kommen». Denn eines steht laut Hellmann fest: «Fertige Spieler, die europäische Qualität haben, werden wir uns in dieser Mannschaft nie bis zum 18. Kaderplatz leisten können.» 

Axel Hellmann sieht keine Alternative zur neuen Ausrichtung in Transferfragen. Foto: Florian Wiegand/dpa
Axel Hellmann sieht keine Alternative zur neuen Ausrichtung in Transferfragen.

Der Verein wolle deshalb «mehr ins Nachwuchsleistungszentrum gucken, mehr in deutsche Lande gucken und mehr auf potenzielle deutsche Nationalspieler gucken», verkündete Hellmann und stellte klar: «Das ist keine Abkehr von unserem Weg, sondern eine Modifizierung, die der Tatsache Rechnung trägt, dass sich grundsätzliche Rahmenbedingungen des Marktes verändert haben.»

Neuer Sportvorstand soll zeitnah kommen

Nach der Trennung von Krösche obliegt die Umsetzung des neuen Kurses zunächst Hellmann selbst, arbeitet der 55-Jährige doch vorübergehend in einer Doppelfunktion. Die Verpflichtung eines neuen Sportvorstandes soll aber nicht allzu lange auf sich warten lassen. «Wir werden diese Thematik in den nächsten Tagen angehen», kündigte Beck an. 

Als Wunschlösung gilt der frühere Eintracht-Profi Christoph Spycher (Young Boys Bern). Der 48-Jährige, der zwischen 2005 und 2010 insgesamt 149 Mal das Eintracht-Trikot trug, soll sich jedoch erst einmal Bedenkzeit erbeten haben. Weitere Kandidaten sollen Joti Chatzialexiou vom Zweitligisten 1. FC Nürnberg, Benjamin Weber (FC Augsburg), Fredi Bobic (Legia Warschau) und Pirmin Schwegler (VfL Wolfsburg) sein.