Justiz

Gewerkschaft: Mehr psychisch auffällige Gefangene «stören»

Immer mehr Häftlinge, die ausrasten, auch nachts: Bedienstete hinter Gittern haben es nicht leicht. Eine Gewerkschaft schlägt Alarm.

Eine geschlossene Pforte in einer Justizvollzugsanstalt. Foto: Frank Molter/dpa/Symbolbild
Eine geschlossene Pforte in einer Justizvollzugsanstalt.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Zahl psychisch stark auffälliger Häftlinge in Hessen hat laut dem Bund der Strafvollzugsbediensteten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Birgit Kannegießer, teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: «Wir haben zunehmend mit kaum ansprechbaren, dafür impulsgesteuert-aggressiven Menschen zu tun, die sich selbst nicht zu kontrollieren wissen. Die gehören eigentlich eher in Fachkliniken, die aber auch voll sind. Kurzum, wir werden diese Klientel nicht los.»

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Kannegießer ergänzte: «Die stören dann massiv, fallen auf durch nächtliches Schreien, Rufen, stören den Vollzugsalltag. Was immer diese Leute sich einzuwerfen bereit sind, die Folgen sind unfassbar.» Zunehmende Gewalt, oft unerwartet, mache den Bediensteten zu schaffen. Genaue Zahlen solcher Häftlinge habe sie nicht, sie bekomme aber die zunehmende Problematik häufig von Mitarbeitern geschildert.

Hinzu kommt laut der Gewerkschaftschefin eine Personalknappheit: Freie Stellen in Hessens Gefängnissen zu besetzen, sei schwer. Mehr als 120 seien derzeit vakant. Zudem sei der Krankenstand seit vielen Monaten überdurchschnittlich hoch. «Wir haben eigentlich einen echt spannenden und attraktiven Arbeitsplatz, die Arbeitsbedingungen lassen aber viele Kolleginnen und Kollegen echt verzweifeln», betonte Kannegießer.

In Hessen gibt es 16 Justizvollzugsanstalten (JVA) sowie die Jugendarrestanstalt in Gelnhausen. Laut dem Justizministerium in Wiesbaden ist die Zahl der Häftlinge wieder gestiegen: von durchschnittlich 4168 im vergangenen Jahr auf 4422 im ersten Quartal 2023. Dafür gebe es mehrere Ursachen, unter anderem die Ermittlungserfolge von Polizei und Staatsanwaltschaften, etwa bei der Internetkriminalität.

Dem Ministerium zufolge sollen die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter in Gefängnissen weiter verbessert werden. Neben Investitionen von 800 Millionen Euro bis 2030 in die Sanierung der Haftanstalten seien 43 neue Stellen für Bedienstete sowie höhere Zulagen für Wochenend- und Nachtschichten in Gefängnissen vorgesehen. Auch sonst soll das Personal hier künftig teils mehr Geld verdienen.